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Grauwalfluke vor Öl-Plattform bei Sachalin, August 2001
c Greenpeace

Die letzten 100 Grauwale vor Sachalin sind durch die Ölindustrie massiv bedroht

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Ein Stelldichein der großen Ölmultis

Inzwischen ist die Region vor der Küste Sachalins unter den Ölfirmen aufgeteilt. ExxonMobil, BP, Shell und Texaco sind genauso mit von der Partie wie Mitsubishi und Mitsui aus Japan. Insgesamt gibt es 6 Projekte (Sachalin 1-6), bisher wird nur aus einem Feld des Sachalin-2 Projektes seit 1999 vor allem Öl gefördert. Die Leitung liegt bei Shell.

Nach fünf Jahren seismischer Untersuchungen, Testbohrungen und Verhandlungen mit der russischen Regierung ist das Sachalin-1 Projekt in einer entscheidenden Phase. In diesem Projekt hat ExxonMobil die Leitung. Ende letzten Jahres kündigte der Konzern an, insgesamt 12 Milliarden US Dollar in den nächsten acht Jahren in das Projekt zu investieren, um an die vermuteten 340 Millionen Tonnen Öl und 420 Milliarden Kubikmeter Gas zu kommen. Diese Menge würde theoretisch den Bedarf Deutschlands für ca. 2,5 Jahre (Öl) bzw. 5 Jahre (Gas) decken. Hauptabnehmerländer werden aber vor allem Japan und andere asiatische Staaten sein.

Mit ersten Lieferungen ist voraussichtlich nicht vor 2005 zu rechnen.

Das Gesicht einer ganzen Region wird sich ändern

Die klimatischen Bedingungen Sachalins - etwa die Hälfte des Jahres sind die Plattformen von Eis umgeben - lassen eine ganzjährige Förderung und einen Abtransport von Öl und Gas per Schiff nicht zu. Deshalb soll ein umfangreiches Pipelinesystem sowohl über die Insel, als auch entlang der Küste in den klimatisch günstigeren Süden entstehen. Weiterhin sollen auch Bohrungen von Land aus stattfinden sowie Öl- und Gasverarbeitungsanlagen entstehen. Diese Projekte, verwirklicht in den nächsten Jahren, werden das Gesicht Sachalins nachhaltig verändern.

Der Konflikt: Grauwale versus Ölindustrie

Die Aktivitäten im Offshore-Bereich haben weitreichende Auswirkungen vor allem auf eine Population von Grauwalen, die im Bereich der Öl- und Gasfelder ihre Nahrungsgründe haben. Diese Walpopulation umfasst nur noch etwa einhundert Tiere und gilt als die am stärksten bedrohte Walpopulation überhaupt. Während sich die Zahl ihrer Verwandten vor der kalifornischen Küste stabilisiert, sieht es für die Grauwale vor Sachalin schlecht aus. Deshalb muss alles ausgeschlossen werden, was die Wale stört, um jede noch so kleine Chance zu nutzen, damit die Population eine Überlebenschance hat.

Insbesondere seismische Untersuchungen, die zur Auffindung der Öl- und Gasfelder noch im September letzten Jahres von Esso durchgeführt wurden, stellen eine enorme Störungsquelle für die Wale in diesem Gebiet dar. Erst auf Intervention des russischen Ministers für Naturschutz stellte Esso die seismischen Untersuchungen ein.

Wissenschaftler beobachteten bei Walen Fluchtverhalten und Verhaltensänderungen, wenn sich Schiffe, die seismische Untersuchungen (Lautstärken bis zu 250 Dezibel) durchführen, bis auf wenige Kilometer nähern. Vermutet wird auch, dass der durch die Ölindustrie verschmutzte Meeresboden, aus dem die Grauwale ihre Nahrung beziehen, mitverantwortlich für die Situation der Grauwale ist. Aber auch die geplanten Aktivitäten zum Bau von Pipelines könnten sich negativ auf diese Tiere auswirken.

Greenpeace fordert

  • Jegliche Störung der letzten Grauwale muss unterbleiben
  • Einrichtung eines Walschutzgebietes
  • keine seismischen Untersuchungen mindestens in der Zeit, in der die Grauwale im Gebiet sind
  • eine Verschmutzungen durch die Öl- und Gasindustrie
  • Umweltverträglichkeitsprüfungen müssen zeigen, dass Wale durch die Aktivitäten der Ölindustrie nicht gefährdet sind
  • Durchführung von Monitoringprogrammen für bestehende Projekte

Autoren: Jörg Feddern & Christian Bussau

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