Jetzt spenden
Protest vor dem AWS-Summit
© Maria Feck/Greenpeace

AWS & Co.: Die gefährliche Macht der Cloud-Anbieter

Wer die Cloud kontrolliert, kontrolliert uns alle. Greenpeace fordert faire Standards für digitale Infrastruktur – für Klima und Demokratie.

Label
Einmalig
Label
Monatlich
Standardintervall
Monatlich
Position Spendenbar am unteren Rand
Aus

Wenige Tech-Oligarchen kontrollieren die digitale Infrastruktur ganzer Staaten. Einer von ihnen: Amazon Web Services (AWS). Eine Greenpeace-Studie belegt, dass AWS die schlechteste Klimabilanz aller Tech-Unternehmen hat. 

Einzelne Rechenzentren in den USA haben eine schlechtere Klimabilanz als solche in Ländern wie Turkmenistan oder Usbekistan, wo der Strom vorwiegend aus Kohle stammt. Das zeigt die neue Studie des Berliner Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace. Besonders problematisch ist das, weil die führenden Technologie-Unternehmen AWS, Meta, Google und Microsoft mehr als die Hälfte ihrer Rechenzentren in den USA betreiben und damit 45 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen von Datenzentren verursachen. AWS emittiert jährlich rund 14 Millionen Tonnen CO2 und hat damit die schlechteste Klimabilanz aller Cloud-Anbieter.

Die regionale Klimakluft von  Rechenzentren

Die regionale Klimakluft von Rechenzentren

Der Ausbau von Rechenzentren in Weltregionen, deren Strom hauptsächlich mit fossilem Gas und Kohle erzeugt wird, belastet das Klima zunehmend. Eine neue Studie des Öko-Instituts für Greenpeace untersucht erstmals die Stromquellen von rund 6700 Rechenzentren weltweit.

Anzahl Seiten: 32

Dateigröße: 3.92 MB

Herunterladen
Von der Suche ausschließen
Aus
Regional Climate Divide of Data Centers

Regional Climate Divide of Data Centers

The expansion of data centers in regions of the world where electricity is primarily generated using fossil gas and coal is placing an increasing burden on the climate. A new study by the Öko-Institut for Greenpeace Germany examines the electricity sources of approximately 6,700 data centers worldwide for the first time.

Anzahl Seiten: 32

Dateigröße: 3.92 MB

Herunterladen
Von der Suche ausschließen
Aus

Der Ausbau von Rechenzentren in Weltregionen, die auf fossiles Gas und Kohle setzen, verschärft die Klimabelastung. Erstmals bewertet Greenpeace die CO2-Emissionen von rund 6700 Rechenzentren weltweit anhand des lokalen Strommixes. Dabei zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: Rechenzentren in den USA verursachen durch ihren fossilen Strommix etwa ein Drittel mehr klimaschädliche Treibhausgase (414 Gramm CO2 pro Kilowattstunde) als europäische (263 g/KWh). 

Greenpeace-Mitarbeiterporträt von Mauricio Vargas

Mauricio Vargas

Wirtschaftsexperte von Greenpeace

„Der Energiemix entscheidet über die Klimabilanz der Rechenzentren. In Europa verbessert sich er sich laufend, während er in den USA immer schmutziger wird. Besonders die Marktführer Amazon Web Services (AWS), Meta, Google und Microsoft nehmen einen schlechten CO2-Fußabdruck bewusst in Kauf, indem sie ihre Rechenzentren in Regionen mit schmutzigem Strom bauen und so die Klimakrise anheizen. Nur mit erneuerbaren Energien kann die Verbindung von KI und Cloud-Diensten mit Klimaschutz gelingen.“
Greenpeace-Mitarbeiterporträt von Mauricio Vargas
Zitat
„Der Energiemix entscheidet über die Klimabilanz der Rechenzentren. In Europa verbessert sich er sich laufend, während er in den USA immer schmutziger wird. Besonders die Marktführer Amazon Web Services (AWS), Meta, Google und Microsoft nehmen einen schlechten CO2-Fußabdruck bewusst in Kauf, indem sie ihre Rechenzentren in Regionen mit schmutzigem Strom bauen und so die Klimakrise anheizen. Nur mit erneuerbaren Energien kann die Verbindung von KI und Cloud-Diensten mit Klimaschutz gelingen.”


Zitatinhaber, Vorname Nachname
Mauricio Vargas
Position des Zitatinhabers
Wirtschaftsexperte von Greenpeace
Kreisförmiges Bild
An

Europa stärkt Kontrolle der Cloud

EU-Kommission beschließt „Cloud and AI Development Act“

Text

Am 3. Juni 2026 hat die EU-Kommission mit dem „Cloud and AI Development Act“ einen längst überfälligen Schritt gewagt: Für öffentliche Cloud-Aufträge in Banken, Energie und Gesundheit gelten künftig strenge Regeln – nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Frage, wo Soft- und Hardware entwickelt wird und ob Drittstaaten die Anbieter kontrollieren. Der Grund ist klar: Europa will nicht länger akzeptieren, dass US-Behörden auf unsere sensibelsten Daten zugreifen können.

„Der heutige Schritt sollte jedes Unternehmen wachrütteln, das Daten in der Cloud speichert: Amazon, Google und Microsoft sind keine vertrauensvollen Geschäftspartner.“ sagt Linda Klapdor, Greenpeace-Expertin für Big Tech. „Die neuen Regeln der EU können nur ein erster Schritt auf dem Weg zu ökologischen und ethischen Standards für den Ausbau von Rechenzentren sein. Diese Standards müssen so schnell wie möglich konkretisiert und auf den Verbrauch von Energie und Wasser ausgeweitet werden.“ 

Vier Tech-Konzerne verursachen fast die Hälfte aller Emissionen 

Die schon jetzt existierende Klimakluft zwischen Rechenzentren in verschiedenen Regionen wird sich bis 2030 vertiefen, wie neue Daten von Bloomberg New Energy Finance und regionale Strommix-Auswertungen zeigen: Während der Anteil der Erneuerbaren am Strommix weltweit steigt, wird Strom in den USA immer schmutziger. Setzt sich der Neubau fossiler Kraftwerke dort fort, wird der CO2-Fußabdruck von in den USA erzeugter Rechenleistung den europäischen bis zum Jahr 2030 um das Doppelte übersteigen. 

Angesichts dessen betrachten die Autoren die angekündigte Klimaneutralität der Branche bis 2030 skeptisch: Technologiekonzerne stützen ihre Klimabilanz bisher auf gekaufte Ökostromzertifikate. In der Realität schließen Kohle- und Gaskraftwerke die Stromlücken, da direkte Leitungen von erneuerbaren Energiequellen zu Rechenzentren fehlen. Greenpeace fordert, Rechenzentren nur dort zu betreiben, wo erneuerbare Energien verfügbar sind. Zudem werden Investitionen in direkt angeschlossene Wind- und Solaranlagen, Batteriespeicher und die Nutzung von Abwärme empfohlen. Der Ausbau neuer Rechenkapazitäten muss mit den Klimazielen übereinstimmen und darf sie nicht gefährden.

Weltweiter Widerstand gegen Serveranlagen

Gegen den rasanten Ausbau von Rechenzentren formiert sich ein weltweiter Widerstand. Bürgerinitiativen kämpfen gegen die gigantischen Anlagen und ihre Umwelt- und Klimaschäden. Im Frankfurter Maintal waren Proteste gegen ein geplantes Gaskraftwerk, mit dem eine stromfressende Serveranlage angetrieben werden sollte, bereits erfolgreich: Der Bau des Rechenzentrums wurde vorerst gestoppt. 

Neben den gewaltigen Umweltschäden, die Tech-Unternehmen verursachen, wachsen auch die Sorgen um die europäische Datensouveränität. Im Juni 2026 stellte die EU-Kommission mit dem „Cloud and AI Development Act“ strenge Regeln bei öffentlichen Cloud-Aufträgen in den Bereichen Banken, Energie und Gesundheit vor. Ein Grund dafür sind Befürchtungen, dass US-Behörden auf europäische Daten zugreifen könnten. 

Staff Portrait of Linda Klapdor

Linda Klapdor,

Greenpeace-Expertin für Big Tech

„Endlich unternimmt Brüssel etwas, um die EU aus einer gefährlichen digitalen Abhängigkeit zu befreien, die demokratische Werte und unsere Souveränität untergräbt. So lange Amazon, Microsoft und Google mit ihrem Cloud-Angebot ökologische und ethische Mindeststandards ignorieren, haben sie nichts in Europas kritischer Infrastruktur zu suchen. Von europäischen Steuergeldern dürfen nur Unternehmen profitieren, die demokratische Werte respektieren. Der heutige Schritt sollte jedes Unternehmen wachrütteln, das Daten in der Cloud speichert: Amazon, Google und Microsoft sind keine vertrauensvollen Geschäftspartner.“
Staff Portrait of Linda Klapdor
Zitat
“Endlich unternimmt Brüssel etwas, um die EU aus einer gefährlichen digitalen Abhängigkeit zu befreien, die demokratische Werte und unsere Souveränität untergräbt. So lange Amazon, Microsoft und Google mit ihrem Cloud-Angebot ökologische und ethische Mindeststandards ignorieren, haben sie nichts in Europas kritischer Infrastruktur zu suchen. Von europäischen Steuergeldern dürfen nur Unternehmen profitieren, die demokratische Werte respektieren. Der heutige Schritt sollte jedes Unternehmen wachrütteln, das Daten in der Cloud speichert: Amazon, Google und Microsoft sind keine vertrauensvollen Geschäftspartner.”


Zitatinhaber, Vorname Nachname
Linda Klapdor,
Position des Zitatinhabers
Greenpeace-Expertin für Big Tech
Kreisförmiges Bild
An

Protest vor dem AWS Summit am 20. Mai

  • Protest zum AWS-Summit

    Gegen die rücksichtslosen Geschäfte des Amazon Cloud Anbieters AWS protestieren am Mittwoch, 20. Mai an die 50 Greenpeace-Aktivist:innen beim AWS Summit an den Hamburger Messehallen.

    Überspringe die Bildergalerie
  • AWS: Protest mit rauchender Tec-Erde

    Dort wirbt der weltgrößte Cloud-Anbieter für Dienstleistungen, die er auch Unternehmen verkauft, deren Geschäftsmodelle extrem klimaschädlich sind oder Menschenrechte gefährden

    Überspringe die Bildergalerie
  • Protest with Sculpture and Banner against Amazon´s Cloud Provider "Amazon Web Services" (AWS) in Hamburg

    Mit einem Banner und der Forderung „Leave the Toxic Cloud“ (Raus aus der giftigen Cloud) positionieren sich Aktivist:innen neben dem AWS-Logo an der Fassade.

    Überspringe die Bildergalerie
  • Protest with "Clean Graffitis" against Amazon's Cloud Provider “Amazon Web Services” (AWS) in Hamburg

    Schon in der Nacht beginnt der Protest mit „Clean Graffitis“: Aktivist:innen sprühen mit Kreide „Bye, bye Bezos!“ und „Leave the Toxic Cloud“ („Verlasst die giftige Cloud“) auf die Gehwegplatten des Hamburger Messegeländes.

    Überspringe die Bildergalerie
  • Protest at “Amazon Web Services Summit” (AWS) in Hamburg

    Außerdem richteten sich die Aktivist:innen während einer morgendlichen Keynote innen im Summit an die Kund:innen der Amazon Cloud und forderten sie mit einem Banner und der Nachricht „Leave the Toxic Cloud“ dazu auf, ihre Geschäfte mit dem Anbieter zu überdenken.

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Der schmutzige Marktführer: Amazon Web Services (AWS) 

Der Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS), eine hundertprozentige Amazon-Tochter, kontrolliert einen großen Teil der globalen Cloud-Infrastruktur, die Grundlage, auf der digitale Plattformen, Behördenprozesse und KI-Systeme laufen. Wer diese Infrastruktur stellt, bestimmt nicht nur technische Standards, sondern verschiebt auch Machtverhältnisse: zwischen Staaten und Konzernen, zwischen öffentlichem Interesse und privater Verwertung. Diese gefährliche Abhängigkeit ist inzwischen auch in Europa breit angelegt. Öffentliche Verwaltungen, Unternehmen und kritische Dienste laufen auf digitalen Systemen, deren politische und rechtliche Kontrolle unmöglich geworden ist. So besteht zum Beispiel die Gefahr durch potenzielle Zugriffe von US-Behörden. 

Um die Cloud bereitzustellen, betreibt Amazons Tochter AWS ressourcenhungrige Rechenzentren weltweit. Dafür benötigt der Konzern enorme Mengen Strom und Wasser, was die Energiewende gefährdet und die Klimakrise anheizt. Die Herstellung von Chips und das Training von KI-Modellen erfordern zusätzlich zu Strom und Wasser auch die Arbeit von Menschen, die von Amazon systematisch ausgebeutet werden. In der Lieferkette nutzt Amazon seine Machtposition aus, um Zulieferer unter Druck zu setzen und nationale Gesetze zum Schutz von Menschen und Umwelt zu beeinflussen. 

Die großen Digitalkonzerne tun alles, um Ihre Marktmacht abzusichern. Startups werden mit günstigen Angeboten geködert. Und den bestehenden Kund:innen machen es die Cloud-Anbieter schwer zu wechseln: Vendor Lock-in heißt das dann im Fachjargon. Die so entstandene Marktdominanz ist nicht neutral, sondern wird von den Digitalkonzernen und ihren milliardenschweren Eigentümern bewusst eingesetzt, um ihre Profitinteressen auszudehnen und politische Einflussnahmen durchzusetzen. 

Was daraus entsteht, ist eine gefährliche Schieflage: Wenige US-Oligarchen kontrollieren zentrale Teile der digitalen Infrastruktur – und damit auch Spielräume von Politik und Gesellschaft. Und das eben nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und weltweit. Wer über diese kritische Infrastruktur verfügt, bestimmt über Regeln, Meinungen und Realitäten. Ohne eine massive Eindämmung der Macht der Tech-Konzerne und digitale Souveränität bleibt demokratische Kontrolle Stückwerk.

Film: Amazons toxische Cloud

Big Tech und die Cloud von Bezos sind skrupelloser als Big Finance 

Wie skrupellos die Geschäfte von AWS sind, zeigt ein neuer Greenpeace-Report. „Amazon's Toxic Web Services“  legt erstmals systematisch offen, mit wem Amazon seine Cloud-Infrastruktur betreibt – und das Ergebnis ist eindeutig: AWS macht mit mindestens 100 der 263 Unternehmen Geschäfte, die nach anerkannten Ausschlusslisten der Finanzindustrie als nicht-investierbar gelten. So unterhält AWS beispielsweise Kundenbeziehungen zu 70 Unternehmen, die von Europas größtem Investor, dem norwegischen Staatsfonds, aus ethischen Gründen ausgeschlossen werden. AWS scheut also nicht davor zurück, mit Unternehmen Geschäfte zu machen, von denen selbst Banken und Fonds aus ethischen Gründen zurückschrecken. Darunter: 

  • JBS – AWS liefert Rechenleistung für einen der größten Treiber der Amazonas-Abholzung und einen der weltgrößten Methanemittenten, übrigens  wegen schwerer Korruption verurteilt
  • Shell – AWS unterstützt Shell bei der Erforschung und Erschließung neuer Öl- und Gasfelder – entgegen den Zielen des Pariser Klimaabkommens
  • Palantir – AWS stellt die Infrastruktur bereit, mit der Palantir für die US-Einwanderungsbehörde ICE Überwachungsdaten verknüpft
  • Anduril – AWS ermöglicht mit seiner Infrastruktur die Entwicklung autonomer Kampfdrohnen, die selbstständig Angriffsziele identifizieren – ohne signifikante menschliche Kontrolle 
Amazons Toxic Web Services

Amazons Toxic Web Services

Cloud-Anbieter wie AWS entscheiden durch ihre Infrastruktur, welche Geschäftsmodelle möglich werden – mit massiven Folgen für Umwelt, Menschenrechte und Demokratie. AWS macht mit mindestens 100 nicht-investierbaren Konzernen Geschäfte.

Anzahl Seiten: 27

Dateigröße: 1.28 MB

Herunterladen
Von der Suche ausschließen
Aus

Mindeststandard für Cloud-Anbieter

Mit dem Digital Services Act, dem Digital Markets Act und dem AI Act hat die EU wichtige Leitplanken für Tech-Konzerne und Künstliche Intelligenz gesetzt. Trotzdem hinkt die Regulierung hinter der Dynamik der globalen Technologieentwicklung hinterher – oftmals auch, weil Digitalkonzerne schärfere Regeln aktiv bekämpfen. 

In dieser Lücke gewinnen Selbstverpflichtungen zu einem Mindestmaß an ethischem Verhalten an Bedeutung. Gerade Cloud-Anbieter tragen besondere Verantwortung: Wie Banken durch Kredite entscheiden, welche Projekte entstehen, bestimmen Cloud-Anbieter durch Rechenleistung und Infrastruktur, welche Geschäftsmodelle unterstützt und ermöglicht werden. Klare Ethik-Standards könnten hier rote Linien ziehen und verhindern, dass digitale Angebote auf Kosten von Umwelt, Menschenrechten und demokratischen Strukturen gehen.

Deshalb hat Greenpeace eine Richtlinie für Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google erarbeitet, die ökologische und ethische Mindeststandards in sofort implementierbare Vorgaben übersetzt. Sie ist als unterschriftsreife Selbstverpflichtung konzipiert und zeigt am Marktführer AWS, wie Unternehmen ethische Mindeststandards verbindlich in ihr Geschäft integrieren können. Diese Mindeststandards gehen über bloße Bekenntnisse hinaus: Statt Nachhaltigkeit nur in wirkungslose Worthülsen und glänzende Berichte zu packen, legen sie genau fest, wie globale Digitalkonzerne sie operativ umsetzen müssen. Ein solcher Schritt ist zentral, um Cloud-Anbieter von reinen Technologie-Dienstleistern zu verantwortungsvollen Akteur:innen einer demokratischen und nachhaltigen digitalen Zukunft zu machen. 

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/bigtech

Für eine bessere digitale Zukunft

Eine Handvoll Tech-Konzerne kontrolliert unser digitales Leben – mit fatalen Folgen für Demokratie, Privatsphäre und Klima. Wir holen uns das Internet zurück.

Ich bin dabei
Rosa Wolken mit Glitches

Ethikrichtlinie von Greenpeace

Die Ethikrichtlinie für Anbieter kritischer, digitaler Infrastruktur umfasst folgende Punkte: 

1. Nutzungsbeschränkung von Cloud-Dienstleistungen: Klare Grenzen für riskante Geschäftsmodelle

Wir fordern, dass Cloud-Infrastruktur nicht länger für Geschäftsmodelle und Anwendungen bereitgestellt wird, die Klima, Umwelt und Menschenrechte massiv schädigen. Dazu zählen fossile Expansionsprojekte, Entwaldung und Unternehmen mit schweren Umweltverstößen ebenso wie Formen von Zwangsarbeit oder systematischer Diskriminierung. Gleichzeitig setzen wir klare Grenzen für den Einsatz von Technologie – etwa bei autonomen Waffensystemen, repressiver Überwachung oder manipulativen KI-Anwendungen. Digitale Infrastruktur darf kein Motor für gesellschaftlichen Schaden sein.

2. Faire, ökologische Lieferketten & Transparenz: Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfung

Wir fordern einen grundlegenden Umbau der digitalen Infrastruktur: Rechenzentren müssen konsequent mit erneuerbaren Energien betrieben werden, Wasserverbrauch reduziert und Abwärme genutzt werden. Unternehmen müssen ihre Umweltkennzahlen offenlegen und die tatsächlichen Auswirkungen ihrer Dienste sichtbar machen. Gleichzeitig gilt diese Verantwortung für die gesamte Lieferkette – vom Rohstoffabbau über die Hardware-Produktion bis hin zur digitalen Plattformarbeit. Fortschritt darf nicht länger auf versteckter Ausbeutung beruhen.

3. Politische Integrität & Transparenz über Lobbyismus: Wie Unternehmen mit ihrem Einfluss umgehen sollen

Wir fordern vollständige Transparenz über Lobbyarbeit, Netzwerke und finanzielle Einflussnahme. Unternehmen müssen offenlegen, wie sie auf politische Entscheidungen einwirken und mit wem sie im Austausch stehen. Gleichzeitig erwarten wir, dass sie Klima- und Digitalregulierung nicht aktiv untergraben. Wer globale Infrastruktur betreibt, trägt auch Verantwortung für die Integrität demokratischer Prozesse.

4. Compliance & Durchsetzung der Richtlinie: Wie die Regeln wirksam werden sollen

Wir fordern klare und überprüfbare Mechanismen zur Umsetzung dieser Richtlinie. Unternehmen dürfen keine Geschäftsbeziehungen mit Akteur:innen eingehen, die gegen diese Standards verstoßen. Beschäftigte müssen das Recht haben, unethische Projekte abzulehnen. Zudem braucht es verpflichtende Prüfungen von Risiken für Grundrechte und einen unabhängigen Ethikrat, der kritische Fälle bewertet. Nur so wird aus einer Selbstverpflichtung echte Verantwortung.

Die großen Digitalkonzerne tun alles, um Ihre Marktmacht abzusichern. Startups werden mit günstigen Angeboten geködert. Und den bestehenden Kund:innen machen es die Cloud-Anbieter schwer zu wechseln - Vendor Lock-in heißt das dann im Fachjargon. Die so entstandene Marktdominanz ist nicht neutral, sondern wird von den Digitalkonzernen und ihren milliardenschweren Eigentümern bewusst eingesetzt, um einerseits skrupellos Profitinteressen auszudehnen und andererseits massive politische Einflussnahmen im Sinne ihrer demokratiefeindlichen Weltvorstellungen durchzusetzen. Das Perfide daran: Ihre Macht verfestigt sich leise, technisch, aber äußerst wirksam. 

Was daraus entsteht, ist eine gefährliche Schieflage. Wenige US-Oligarchen kontrollieren zentrale Teile der digitalen Infrastruktur – und damit auch Spielräume von Politik und Gesellschaft. Und das eben nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und weltweit. Wer über diese kritische Infrastruktur verfügt, bestimmt über Regeln, Meinungen und Realitäten. Ohne eine massive Eindämmung der Macht der Tech-Konzerne und digitale Souveränität bleibt demokratische Kontrolle Stückwerk.

Ethik-Richtlinie für Anbieter kritischer digitaler Infrastruktur

Ethik-Richtlinie für Anbieter kritischer digitaler Infrastruktur

Diese Blaupause beschreibt, welche Ausschlusskriterien und Sorgfaltspflichten für Cloud-Dienstleistungen gelten sollten. Im Fokus stehen Umweltschutz, Menschenrechte, faire Lieferketten, politische Transparenz und wirksame Kontrollmechanismen. Damit technologischer Fortschritt nicht auf Kosten von Umwelt, Menschenrechten und demokratischen Strukturen erfolgt.

Anzahl Seiten: 11

Dateigröße: 3.04 MB

Herunterladen
Von der Suche ausschließen
An

Monopole zerstören unsere Demokratie

Mehr erfahren

Bild aus Serverraum, violettes Licht
© Samuel Golay / picture alliance

Künstliche Intelligenz: Energieverbrauch und Umweltauswirkungen

Hintergrund

Künstliche Intelligenz frisst Strom, Wasser und Ressourcen – und gefährdet so die Energiewende. Ein neuer Greenpeace-Report zeigt, wie der KI-Boom zum Klimaproblem werden kann und was die Lösung wäre.

mehr erfahren über Künstliche Intelligenz: Energieverbrauch und Umweltauswirkungen
Kunstinstallation aus über 500 alten Mobiltelefonen in einem Pekinger Einkaufszentrum
© Greenpeace / Yan Tu

Grüne Elektronik

Technologieunternehmen müssen umweltfreundlicher werden, dank sauberem Strom und recycelbaren Geräten ohne Gift. Diese Herausforderung ist lösbar!

mehr erfahren über Grüne Elektronik
Grafik des Cool IT Leaderboard 6
Greenpeace

Die IT-Branche und der Klimawandel

Nachricht

Google und Cisco sind Meister im Bereitstellen von modernen Energiesparlösungen im Technologie-Sektor. Das ist das Ergebnis eines Rankings von Greenpeace International.

mehr erfahren über Die IT-Branche und der Klimawandel
Luftaufnahme Windkraftanlagen im Morgennebel, September 2012.
Paul Langrock / Zenit / Greenpeace

Wie die IT-Branche zum Klimaschutz beitragen kann

Nachricht

Clean our Cloud: Gerald Neubauer, Energieexperte bei Greenpeace, erklärt im Interview, wie man den Strom fürs Netz grüner machen kann und redet über Cloud Computing und innovative IT-Firmen.

mehr erfahren über Wie die IT-Branche zum Klimaschutz beitragen kann