Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Der WBGU hat sein Gutachten Über Kyoto hinaus denken - Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert genannt. Mit Kyoto ist das internationale Klimaschutzabkommen gemeint, in dem sich die Industriestaaten verpflichten ihre Treibhausgase zu verringern. Und genau darum geht es: Der WBGU fordert die Politiker auf, schon jetzt bei den Entscheidungen zur Klimapolitik einen Zeitraum einzubeziehen, der weit über den im Kyoto-Protokoll vorgesehenen Zeitrahmen (2012) hinaus geht. Denn die bislang anvisierten Klimaschutzziele reichen nach Auffassung der Wissenschaftler bei weitem nicht aus, um gefährliche Klimaveränderungen im 21. Jahrhundert abzuwenden.

Allein bis 2020 müssen die Industrieländer ihren Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um mindestens 20 Prozent verringern, fordert der WBGU in seinem Sondergutachten. Im Kyoto-Protokoll haben sie sich aber nur verpflichtet, bis 2012 die Emissionen um lediglich 5 Prozent zu reduzieren, erklärt Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace. Das heißt, dass Kyoto ein erster kleiner Schritt ist.

Mit Nachdruck weisen die wissenschaftlichen Berater darauf hin, dass der Spielraum zur Vermeidung der Klimakatastrophe immer enger wird. So geht der WBGU davon aus, dass bei einer Temperaturveränderung von global durchschnittlich zwei Grad mit schlimmsten Klimafolgen zu rechnen sei. Doch dabei müsse berücksichtigt werden, dass seit der Industriellen Revolution und dem damit einhergehenden verstärktem Kohlendioxidausstoß die Durchschnittstemperatur bereits um 0,6 Grad angestiegen ist. Somit dürften nur noch maximal 1,4 Grad dazu kommen, sonst werde die Schranke zu den katastrophalen Folgen überschritten.

Wir sind mittendrin im Klimawandel. Die diesjährige Hitzewelle in Europa hat die Flüsse und Bäche austrocknen lassen, zu enormen Dürreschäden in der Landwirtschaft geführt, Waldbrände angeheizt und die Alpengletscher wie Speiseeis schmelzen lassen, sagt Smid. Weltweit sind die Folgen der Klimaerwärmung unübersehbar. Malaria, Hunger und Wassermangel werden in Zukunft noch viel mehr Menschen bedrohen, wenn wir den gefährlichen Klimawandel nicht stoppen.

Das Kyoto-Protokoll ist auch sechs Jahre nach seiner Unterzeichnung noch nicht rechtsverbindlich. Die wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung empfehlen deshalb die baldige Ratifizierung des Abkommens durch die immer noch zögernde Russische Förderation. Sie bringen ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die USA in Zukunft wieder zur Unterstützung des Klimaschutzes zurückkehren könnte. Ermutigende Anzeichen dafür sehen sie in den Aktivitäten, die von einzelnen US-Bundesstaaten unternommen werden.

Eine Gelegenheit dafür, das Lenkrad in der weltweiten Klimapolitik spürbar herumzureißen, bietet sich den Politikern schon in wenigen Tagen. Vom 1. bis zum 12. Dezember findet dann die 9. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP9) in Mailand statt. Tausende Vertreter aus mehr als 180 Ländern werden zu dieser erneuten UN-Verhandlungsrunde erwartet. Dort steht die Ratifizierung von Russland im Vordergrund, ohne die das Kyoto-Protokoll nicht in Kraft treten kann. Kyoto ist nicht tot, erklärt Smid, auch wenn die Gegner des Abkommens jetzt schon anfangen, die Totenglocken zu läuten.

Die Gutachten-Seiten des WBGU (http://www.wbgu.de/wbgu_sn2003.html)

Mehr zum Thema

Aktion zur COP27,

Interview zur Klimakonferenz COP 27

  • 20.11.2022

Die 27. UN-Klimakonferenz ist zu Ende gegangen - mit enttäuschendem Ergebnis: Zwar gibt es nun einen Fonds für Klimafolgeschäden für arme Länder. Aber keinen Ausstieg aus allen fossilen Energien.

mehr erfahren
Lisa Göldner auf der Cop27

Cop27-Klimaschutzkonferenz: Zwischenbilanz

  • 14.11.2022

Halbzeit bei der Weltklimakonferenz in Sharm El Sheikh: Nach einer Woche UN-Klimakonferenz sieht Greenpeace-Klimaexpertin Lisa Göldner erste Fortschritte. Aber die wahren Aufgaben kommen erst noch.

mehr erfahren
Braunkohlekraftwerk Niederaussem im Rheinischen Braunkohlerevier

Verursacht der Mensch die Erderwärmung?

  • 07.10.2022

Wenn im Laufe der Erdgeschichte das Klima schwankte, dauerte dies Jahrtausende. Tiere und Pflanzen hatten Zeit, sich anzupassen. Der jetzige Klimawandel passiert viel schneller.

mehr erfahren
Schmelzendes Meereis bei Grönland 07/30/2009

Arktis bald ohne Eis?

  • 26.09.2022

Für das Meereis in der Nordpolarregion ist keine Erholung in Sicht. Der diesjährige Tiefstand: 4,79 Millionen Quadratkilometer.

mehr erfahren
Aktion zu Taxononomie vor der Europäische Kommission in Brussels

EU-Taxonomie-Klage

  • 19.09.2022

Gas und Atomkraft sind nicht nachhaltig. Deswegen klagt Greenpeace jetzt gegen die EU-Taxonomie, die Investitionen in Gas- und Atomenergie als „grün“ labelt. Denn das verstößt gegen EU-Recht.

mehr erfahren
Die KlimaSeniorinnen bei einer Protestaktion vor einem Gletscher

Berge ohne Eis: Die Gletscher schmelzen

  • 09.09.2022

Weltweit nimmt die Geschwindigkeit der Gletscherschmelze zu. In der Schweiz protestierten jetzt die Klimaseniorinnen mit einem überdimensionalen Pflaster gegen diese Folge der Klimakrise.

mehr erfahren