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CO2 Action at IAA in Frankfurt
© Greenpeace / Heiko Meyer

IAA – Eine Messe der Ratlosigkeit

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Als besonders grün präsentiert sich die diesjährige Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Tatsächlich ist dieses Grün eher ein grau-grüner Nebel. Viele der als absolute Neuheiten in Sachen Klimaschutz bezeichneten Technologien sind schon seit Jahren bekannt. Oder wurden sogar schon im von Greenpeace entwickelten - mittlerweile elf Jahre alten - SmILE eingesetzt. Trotzdem gibt es Hoffnung, was die Klimafreundlichkeit der künftigen Autos angeht. Wolfgang Lohbeck, Autoexperte bei Greenpeace, war vor Ort und er ist sich sicher: In Zukunft wird sich etwas ändern.

Online-Redaktion: Was genau habt ihr auf der IAA gemacht?

Wolfgang Lohbeck: Wir haben einen BMW 7er, einen Audi A6 und einen VW Touareg als das gekennzeichnet, was sie in Wirklichkeit sind: Klimaschweine. Dafür haben wir diesen Autos einen rosafarbenen Anstrich verpasst, sie mit Ringelschwänzchen, Schweineschnauze und Schweineohren versehen.

Zudem haben wir 18 - auf der IAA vertretene - Fahrzeugmodelle bewertet und die Ergebnisse auf diversen Rundgängen Journalisten vorgestellt.

Online-Redaktion: Wie seid ihr dabei konkret vorgegangen?

Wolfgang Lohbeck: Wir sind mit den Journalisten von Stand zu Stand gegangen, haben die einzelnen Fahrzeuge vorgestellt und jeweils nach Verbrauch, Technik, Motorisierung und Gewicht beurteilt.

Online-Redaktion: Wie wurde dieses Vorgehen aufgenommen?

Wolfgang Lohbeck: Die Verkäufer waren definitiv nervös und nachdem sie uns dann kannten auch vielfach genervt. Entweder standen sie wie versteinert da oder sie schlichen um uns herum, um herauszufinden, was wir erzählen. Das war nicht immer einfach. Es war schon provokant von uns, sich neben die auf Werbebotschaften programmierten Verkäufer zu stellen und zu sagen: Das hier ist das beste Beispiel für maximal unintelligenten Umgang mit Technik.

Online-Redaktion: Wurdet ihr dabei auch direkt angegriffen?

Wolfgang Lohbeck: Die Verkäufer selbst verhielten sich sehr korrekt. Doch das Publikum pöbelte teilweise ordentlich. Ein Interview mit der Tagesschau musste sogar unterbrochen werden: Autohändler, die die Messe besuchten, meinten, das Gespräch mit primitiven Beleidigungen unterbrechen zu müssen.

Online-Redaktion: Gab es auch positive Reaktionen?

Wolfgang Lohbeck: Ja, natürlich gab es auch viel Zustimmung vom Publikum. Die interessanteste Reaktion war die eines Verkäufers. Der sagte, er sei froh, dass er nicht bei seinen Kollegen bei den dicken Autos stehen müsse. Das wäre ihm peinlich, da man so etwas heute nicht mehr vermitteln könne.

Online-Redaktion: Ist die IAA denn in irgendeiner Weise wirklich schon grüner beziehungsweise anders geworden?

Wolfgang Lohbeck: Die Stimmung hat sich wesentlich geändert. Die Autohersteller haben kapiert, dass Klimawandel ein Thema ist. Darum haben sie schnell ein paar Scheinlösungen zusammengekratzt. Auch geht es diesmal mehr um Autos und Technik, das Ganze ist nüchterner. Journalisten werden nicht mehr mit überdrehter Bewirtung bestochen.

Online-Redaktion: Aber die Luxuskarossen der Hersteller gab es doch trotzdem noch zu sehen?

Wolfgang Lohbeck: Selbstverständlich stehen die Klimaschweine noch im Mittelpunkt - werden auf Podesten angestrahlt, im Minutentakt gewienert und abgestaubt. Noch stehen die angeblich grünen Autos lieblos in der Ecke.

Online-Redaktion: Du sagst noch?

Wolfgang Lohbeck: Ich habe das Gefühl, wir waren Zeugen eines historischen Umbruchs. Die IAA ist schon jetzt nicht mehr die alte. Ich denke, die Autohersteller sind ratlos. Sie wissen, es muss anders laufen. Sie wissen aber nicht wie. Deswegen scheint diese IAA noch einmal wie immer zu sein. Aber die Ratlosigkeit der Autohersteller, wie es weiter geht, war mit Händen zu greifen.

Online-Redaktion: Was genau wird sich ändern?

Wolfgang Lohbeck: Was heute als technische Neuigkeit zum Spritsparen verkauft wird, wird Standard sein: Start-Stop-Automatik, Aerodynamic, Leichlaufreifen etc. Man wird nach dieser IAA langsam anfangen umzudenken. So wie es heute läuft, geht es nicht mehr - ökonomisch wie ökologisch.

Online-Redaktion: Warum bist du dir da so sicher?

Wolfgang Lohbeck: Man ist Premiumhersteller und will es bleiben. Doch auch im Publikum war eine große Distanz gegenüber 2,5 Tonnen schweren Familienkutschen zu spüren. Aus diesem Grund wird die Frage sein: Was heißt Premium? Premium heißt nicht mehr 400 PS, nicht mehr 2,5 Tonnen Rundumkomfort mit 71 zusätzlichen Elektromotoren für vollautomatische Bedienung. Alles wird im Großen und Ganzen reduziert werden.

Online-Redaktion: Danke Wolfgang!

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