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Gerd Leipold bei der Presseskonferenz zum Start von Greenpeace Afrika, November 2008
James Oatway / Greenpeace

Die manipulierten Wahrheiten der Klimaskeptiker

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Auf der Internetseite Big Hollywood veröffentlichten die Filmemacher Phelim McAleer und Ann McElhinney am Mittwoch exklusiv einen Blogeintrag über ein Interview von Gerd Leipold bei der BBC. Hauptaussage: Der Greenpeace-Geschäftsführer habe zugegeben, dass Warnungen vor der Eisschmelze in der Arktis eine Übertreibung, ja sogar eine Lüge seien. Doch die angeführten Beweise erweisen sich bei einem genaueren Blick als manipuliert und aufgebauscht. Das angefügte Video des BBC-Interviews ist eine von den Filmemachern überarbeitete Version des Originals. Nach einer Frage des Journalisten Stephen Sackur wurden 1:32 Minuten des Interviews herausgeschnitten. So antwortet Gerd Leipold nun auf eine ihm so in Wahrheit nicht gestellte Frage.

Als Hauptbeweis für angebliche Greenpeace-Übertreibungen muss ein Missverständnis zwischen Sackur und Leipold herhalten. Der BBC-Journalist versteht die Aussage in einem Greenpeace-Blog, dass bis 2030 die Arktis im Sommer eisfrei werde (Ice free Arctic), als Prognose für das Abschmelzen auch des Landeises auf Grönland. Gemeint ist aber das von Klimawissenschaftlern prognostizierte Abschmelzen des Meereises im Sommer. Zwar reden auch Forscher im Englischen von arctic ice, wenn sie vom Abschmelzen des Meereises sprechen. Korrekterweise müsste es aber arctic sea ice heißen. Das könnte ein Fehler gewesen sein, wie Leipold zugibt. Die Filmemacher verdrehen diese Aussage Leipolds so, als nehme er damit alle Warnungen vor dem Klimawandel zurück.

Der Angriff auf Greenpeace ist Teil einer Marketingkampagne für den Film Not evil – just wrong, der am 18. Oktober veröffentlicht wird. McAleer und McElhinney, die Regisseure und Produzenten des Films sind, wollen damit die wahren Kosten der Klimawandel-Hysterie belegen. Auch bei Not evil – just wrong werden Interviews mit Klimaforschern verkürzt, und damit sinnentstellend gezeigt.

Skeptiker oder Lobbyisten?

Dass es einen vom Menschen verursachten Klimawandel gibt, ist eine Erkenntnis, die sich in Jahrzehnten durchgesetzt hat. Noch in den Neunzigerjahren verlief die Diskussion wesentlich kontroverser als heute. Seitdem ist die globale Erwärmung immer deutlicher hervorgetreten. Heute gibt es kaum noch Klimaforscher, die die Existenz des vom Menschen gemachten Klimawandels verneinen.

Nach wie vor gibt es jedoch eine kleine Gruppe sogenannter Klimaskeptiker. Sie sind vielleicht wirklich nicht von der Stichhaltigkeit der Datenlage überzeugt. Oder nicht bereit, einen Lebensstil in Frage zu stellen, der den Planeten ruiniert.

Oft aber stehen Lobbyisten aus Industrie und Wirtschaft hinter den Skeptikern. Das überrascht nicht wirklich. Wenn Menschen den Klimawandel verursachen, muss vom Menschen gegengesteuert werden. Wenn Öl und Kohle als Energieträger zur globalen Erwärmung führen, müssen sie durch umweltfreundlichere Energieträger ersetzt werden. Die Öl- und Kohleindustrie freut das nicht. Die Rolle des Ölmultis ExxonMobil (Esso) dabei ist längst belegt.

In den USA leisteten die organisierten Lobbyisten in den Neunzigerjahren ganze Arbeit. Dass die Vereinigten Staaten das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichneten, geht nicht zuletzt auf das Konto von Exxon bezahlter Klimaskeptiker. US-Klimaskeptiker waren es auch, die 1996 das European Science and Environment Forum (ESEF) gründeten - eigens zu dem Zweck, eine effektive europäische Klimaschutzpolitik zu verhindern.

Autoren: Sigrid Totz & Jan Haase

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