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Ringelrobbe auf dünner Eisscholle
Daniella Zalcman / Greenpeace

Die Arktis schwindet: Meereisbedeckung erreicht erneut historischen Tiefstand

Zwei Drittel des arktischen Meereises sind verschwunden. Ist der Nordpol im Sommer bald eisfrei? Greenpeace dokumentiert vor Ort die Auswirkungen auf Klima und Artenvielfalt.

Es ist Mitte September, der Zeitpunkt, an dem das jährliche Meereis-Minimum gemessen wird: Der Blick von oben zeigt – keine geschlossene Eisdecke, sondern ein Flickenteppich aus Eisschollen auf der spiegelblanken, schwarzen Meeresoberfläche.

Nach Angaben des Alfred Wegener Institutes liegt die Ausdehnung des arktischen Eises Mitte September bei nur 3,8 Millionen Quadratkilometern (qkm) - die zweitniedrigste Ausdehnung seit 2012. Damals war die Fläche auf 3,27 Millionen qkm geschrumpft.  Zum Vergleich - die Landfläche Australiens ist mit rund 7,6 Millionen qkm doppelt so groß. 

Greenpeace Aktivist: innen und Wissenschaftler: innen sind an die arktische Eiskante gereist, und dokumentieren den Rückgang des Polareises - ein wichtiger Indikator für die Klimakrise. Gleichzeitig erheben sie Daten über die Auswirkungen auf das marine Leben dort: Mit DNA-Probenahmen und der akustischen Überwachung von Walen und Delfinen können sie Rückschlüsse über deren Populationen ziehen. Wasserproben ergeben Aufschluss über den Anteil an Plastik Mikrofasern und besonders langlebigen und giftigen chemischen Rückständen wie organische Fluorverbindungen.   

Abwärtstrend

Seit Jahrzehnten schrumpft die Fläche des arktischen Meereises: Seit Beginn der Satellitenmessungen (1979) hat es zwei Drittel seines Volumens verloren. Mehr und mehr Wasseroberfläche liegt frei, in der Folge taut das übrige Eis immer schneller. Denn offenes Meer wird von der Sonne stärker erwärmt als die helle, reflektierende Eisfläche. Dieser Trend lässt sich auf die global steigenden Temperaturen zurückführen.

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise befindet sich im Nordosten Grönlands. An Bord ist Greenpeace-Kampaignerin Laura Meller, sie weist auf einen großen Eisbrocken, der vom größten verbliebenen Schelfeis der Arktis - 79N (Nioghalvfjerdsfjord) weggebrochen ist: „Die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise sehen wir hier in der Arktis - das Eis schmilzt und die Meere werden wärmer. Der rasche Schwund des Meereises ist ein Alarmsignal dafür, wie haarscharf unser Planet den Abgrund umkreist.“  

Gesunde Meere stabilisieren das Klima

Die Weltmeere haben bisher zwischen 25 und 30 Prozent des von Menschen verursachten Kohlendioxids aufgenommen. So verlangsamen sie den Treibhauseffekt und schützen uns vor extremen Klimaveränderungen. Verschwindet das Polareis, wird das arktische Meer wärmer. Das wirkt sich negativ auf seine CO2-Speicherkapazität aus. Je kälter das Wasser, desto mehr CO2 kann es aufnehmen. In den Polarregionen sinkt kaltes, dichteres Wasser in die Tiefe und transportiert aufgenommenen Kohlenstoff nach unten (Kohlenstoffsenken). Diese physikalische Kohlenstoffpumpe lässt nach, wenn die Ozeane wärmer werden. Die Folge: Mehr CO2 verbleibt in der Atmosphäre und heizt das Klima weiter auf. 

Ohne gesunde und saubere Meere ist kein Leben möglich

Das Meer und seine Flora und Fauna sind in einer dramatischen Krise: Überhitzt, zu laut, zu schmutzig - auch in Schutzgebieten fahren tausende Schiffe, wird maßlos gefischt, werden brutal Öl und andere Rohstoffe abgebaut. Nur wenn große Meeresflächen unter Schutz gestellt werden, in denen sich das Meer sich erholen kann, hat es die nötige Widerstandsfähigkeit, um einer raschen Klimaveränderung besser standzuhalten.

Die Greenpeace-Schiffs-Expedition in die Arktis fällt 2020 mit dem UN-Biodiversitätsgipfel zusammen. Im Mittelpunkt der Diskussionen, wie die biologischen Vielfalt erhalten werden kann, sollte der Schutz der Meere stehen: „Die Staats- und Regierungschefs müssen die Rolle der Ozeane bei der Bewältigung der Klimakrise verstehen“, meint die Greenpeace-Kampaignerin, „gesunde Ozeane sind gerade für die Menschen entscheidend, die am stärksten von der Zerstörung der Ozeane und der Klimakrise betroffen sind. Wir müssen jetzt den Reset-Knopf drücken und füreinander und unseren Planeten sorgen, indem wir bis 2030 mindestens 30 Prozent unserer Ozeane schützen! “

Regierungen, Fischereiindustrie, für Lobbys Arbeitende und Öl-Konzerne verhindern Meeresschutzgebiete mit aller Macht. Sie wollen die Meere weiterhin ausbeuten. Daher werden wir als Greenpeace aktiv und kämpfen für echte Schutzgebiete und gegen die Zerstörung der Meere.

  • Greenpeaceschiff Arctic Sunrise vor Eisscholle

    Greenpeace Forscher an Bord der Arctic Sunbrise dokumentiren den Schwund des arktischen Eises

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  • Eisbären auf Eisscholle

    Trauriger Rest: Den Eisbären schmilzt das Eis davon

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  • MY Esperanza am Svalbard Ice Edge

    Das Greenpeace-Schiff „Esperanza“ fährt im Meereseis in der Nähe von Spitzbergen.

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