Jetzt spenden
Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler des Energiekonzerns RWE, Januar 2010
Paul Langrock / Zenit / Greenpeace

Mit Emissionshandel den CO2-Ausstoß senken

Die Idee dahinter ist folgende: Die Politik legt eine Obergrenze für CO2-Emissionen für eine bestimmte Periode fest. Daraufhin bekommen alle Unternehmen, die CO2 ausstoßen, bestimmte Emissionsrechte zugeteilt oder müssen diese ersteigern. Verbessern sie ihre Technologie und verringern somit ihren CO2-Ausstoß, so benötigen sie auch weniger Zertifikate und können die überschüssigen verkaufen. Teuer wird es für CO2-intensive Unternehmen, bei denen die CO2-Emissionen steigen. Sie müssen Zertifikate zukaufen. Der Emissionshandel stellt somit ein Anreizsystem dar, CO2-Emissionen zu reduzieren, indem CO2 einen Preis bekommt. Die Kosten der Zertifikate regelt dabei der Markt. Sie sind also abhängig von Angebot und Nachfrage. Die langfristige Verringerung der Gesamtemissionen wird erreicht, indem die Anzahl der Zertifikate für die folgenden Perioden insgesamt verringert wird.

Neben dem europäischen Emissionshandel gibt es auch noch das Emissionshandelssystem zwischen Staaten, das im Kyoto-Protokoll verankert ist. Auf Basis des Kyoto-Protokolls können sich Unternehmen Reduktionszertifikate anrechnen lassen, indem sie zum Beispiel in Klimaschutzprojekte in anderen Ländern investieren. Dafür bekommen sie dann CO2-Gutschriften. Diese Instrumente laufen unter den Namen „Joint Implementation“ und „Clean Development Mechanism“.

Energielobby zieht Klimaschutzinstrument die Zähne

In der ersten Handelsperiode zwischen 2005 und 2007 hat die deutsche Emissionshandelsstelle die CO2-Emissionen ausgewählter energieintensiver Unternehmen erfasst. Je nachdem, wie hoch der CO2-Ausstoß war, haben die Unternehmen entsprechend viele Zertifikate kostenlos zugeteilt bekommen. Da die Vergabe der Zertifikate den einzelnen Mitgliedsstaaten obliegt, kam es zu einer sehr großzügigen Verteilung zugunsten der einheimischen Industrie, nicht aber der Umwelt. Zum einen wurden zu viele Emissionsrechte verteilt, zum anderen haben Kohlekraftwerksbetreiber sogar noch Gewinne eingestrichen, denn die kostenlose Zuteilung der Zertifikate kommt einer Subvention gleich.

Die Unternehmen sollten nur übergangsweise die Emissionsrechte kostenfrei erhalten. Langfristig sollen diese nur noch über die Börse versteigert werden. In der zweiten Handelsperiode zwischen 2008 und 2012 kam es bereits zur teilweisen Versteigerung. Doch diese Periode fiel zusammen mit der Wirtschaftskrise. Die Folge: Zu viele Zertifikate überschwemmten den Markt, denn viele Unternehmen drosselten ihre Produktion und reduzierten somit automatische ihren CO2-Ausstoß. Mit weniger Emissionen sank auch der Wert der Zertifikate. Ursprünglich rechnete man mit Zertifikatspreisen von etwa 30 Euro pro Tonne CO2. Inzwischen liegt der Preis bei unter fünf Euro. Der Emissionshandel kommt damit zum Erliegen. Die EU diskutiert nun darüber, die Zertifikate vorübergehend zu verknappen.

In der dritten Handelsperiode (2013 bis 2020), die nun begonnen hat, sollten alle Zertifikate über die Strombörse in Leipzig versteigert werden – Sonderregelungen verhindern diese Umsetzung allerdings. Die Gewinne sollten in den Energie- und Klimafonds fließen. Doch bei Preisen zwischen drei und fünf  Euro pro Tonne CO2 kommt es weder zum Handel noch zu einer Lenkungswirkung. Die Bilanz sieht schlecht aus: Seit der Einführung des Emissionshandels 2005 bis heute ist von dem zentralen europäischen Instrument für den Klimaschutz keinerlei Wirkung ausgegangen! Die mächtige fossile Energielobby hat hinter den Kulissen dem Instrument die Zähne gezogen, mit der Konsequenz, dass sich selbst die Verstromung der besonders treibhausgasintensiven Braunkohle in Deutschland noch lohnt.

Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern: Ein leeres Versprechen

Die Gelder aus dem Energie- und Klimafonds sollten ursprünglich erneuerbare Energien fördern, die stark in der Kritik stehende CO2-Verpressung voranbringen, in Anpassungsmaßnahmen für den Klimaschutz fließen und vor allem Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern finanzieren. Da der Fonds nun weitgehend leer geblieben ist, können diese Ziele nicht umgesetzt werden. Die Industrieländer müssen den Entwicklungsländern ihre Unterstützung verwehren, obwohl sie ihnen diese auf der internationalen Klimakonferenz zugesichert haben.

Auch auf internationaler Ebene versagt

Der „Clean Development Mechanism“ (CDM) sollte Unternehmen dazu bringen, in klimafreundliche Technologien in Entwicklungsländern zu investieren. An sich eine gute Idee, deren Umsetzung jedoch fatale Folgen hat, denn Sachverständige / Behörden genehmigten sehr viele fragwürdige Projekte. So ist es zum Beispiel möglich, sich den Bau von Kohlekraftwerken in Indien und China anrechnen zu lassen, nur weil diese geringfügig effizienter sind als die alten. Solche den Unternehmen offen stehenden Handlungsoptionen hintertreiben das Kyoto-Protokoll.

Auf die richtige Umsetzung kommt es an

Der Emissionshandel wird so lange nicht funktionieren, wie die Politik nicht die entsprechenden Rahmenbedingungen setzt und sich gegen die „CO2-Mafia“ (fossile Lobby der Energiekonzerne) durchsetzt. Dabei gilt es, starke Ziele zu setzen. CO2 muss einen Preis bekommen. Für Europa bedeutet dies, das ambitionierte Einsparungsziel von 30 statt 20 Prozent bis 2020 umzusetzen. Zudem müssen überschüssige Zertifikate vom Markt genommen werden. Nur so steigt ihr Preis und nur so kann eine Lenkungswirkung einsetzen.

Statt sich beim zentralen Politikfeld des Klimaschutzes auf nur ein einziges Instrument zu verlassen, sollte die Politik auf verschiedene Maßnahmen setzen. Das Kohleausstiegsgesetz beispielsweise könnte den Klimaschutz deutlich voranbringen.
 

Greenpeace-Studie  Kohleausstiegsgesetz 2012

Greenpeace-Studie Kohleausstiegsgesetz 2012

Anzahl Seiten: 39

Dateigröße: 569.06 KB

Herunterladen

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/klimanotstand

Klimanotstand jetzt!

Klimanotstand jetzt! Bundeskanzler Merz muss uns gegen Hitze, Flut und Dürre schützen: Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, mehr Naturschutz und finanzielle Hilfe für Städte und Kommunen.

Petition unterzeichnen
0%
vom Ziel erreicht
0
haben mitgemacht
0%
Gruppe von Jugendlichen auf historischem Platz schützen sich mit Regenschirmen vor der Sonn

Mehr zum Thema

Drought in Germany 2026 – The River Elbe in Dresden

Kosten des Extremsommers 2026

Hitze, Dürre und Niedrigwasser haben Deutschland im Sommer 2026 mindestens 36 Milliarden Euro gekostet. Besonders hoch sind laut Greenpeace die Verluste in der Arbeitswelt.

mehr erfahren über Kosten des Extremsommers 2026
Let's Green Our Cities - Urban Farm in New York

„Mut zur Entsiegelung“

Was können Bürger:innen für grüne Städte tun? Mit dieser Frage befasste sich die langjährige Greenpeace-Aktive Deniz Hsu in ihrer Masterarbeit. Ein Gespräch über Schwammstädte und Hoffnung.

mehr erfahren über „Mut zur Entsiegelung“
Heat Wave - Low Water Levels in River Rhine in Germany - Kaub, Bendorf, Loreley

Dürre Zeiten

Ein Dürre-Sommer reiht sich an den Nächsten, jährlich werden neue Rekorde gebrochen. 2026 ist schlimmer als die Jahre davor. Ausgetrocknete Flüsse und Waldbrände sind die Folge.

mehr erfahren über Dürre Zeiten
Sternfahrt in Berlin für eine fahrradfreundliche Stadt (2016)

Effizienter Klimaschutz im Alltag

Tipps zum Einsparen von CO2 gibt’s jede Menge. Doch wie viel bringt welche Maßnahme? Hier sind elf Tipps, die wirklich helfen.

mehr erfahren über Effizienter Klimaschutz im Alltag
Dürre beeinträchtigt den Wasserstand des Rheins in Deutschland

Hitzewelle und Klimakrise

Eine Hitzewelle ist noch keine Klimakrise – aber mehrere sind es schon. Warum wir fast 40 Grad im Sommer nicht einfach als „heißes Wetter“ abtun sollten.

mehr erfahren über Hitzewelle und Klimakrise
Vor dem Bundesverfassungsgericht präsentieren mehrere Kläger:innen Klimaschutz-Banner und die Zahl der Zukunftskläger:innen: 54.000

Zukunftsklage: Für mehr Klimaschutz

Greenpeace und Germanwatch haben gemeinsam mit über 54.000 Mitkläger:innen Klima-Verfassungsbeschwerde eingereicht. Die Regierung ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse und notwendige Maßnahmen.

mehr erfahren über Zukunftsklage: Für mehr Klimaschutz