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Greenpeace protest on Borkum against gas drilling in the Wadden Sea
© Florian Manz / Greenpeace

Gas-Protest in der Nordsee

Gasbohrungen im Wattenmeer gefährden Wale! Gemeinsam mit Bewohner:innen Borkums demonstrierten Greenpeace-Aktivist:innen heute am Strand der Nordseeinsel. Mit der aus rund 250 Menschen geformten, 50 Meter langen Forderung “No New Gas” protestierten sie gegen das geplante Erdgasprojekt vor der Küste und forderten, auch andere zerstörerische Gasbohrungen einzustellen. 

Die Gasbohrungen würden empfindliche Lebensräume zerstören und Tiere wie bedrohte Schweinswale weiter gefährden. “In einem einzigartigen Schutzgebiet nach Erdgas zu bohren, das erst in einigen Jahren bereitsteht, ist keine Antwort auf die aktuelle Energiekrise, sondern ökologischer Irrsinn”, sagt Greenpeace-Meeresexperte Till Seidensticker. “Der Nationalpark Wattenmeer gehört geschützt. Eine sichere Energieversorgung braucht weniger klimaschädliches Gas und mehr Erneuerbare und Effizienz.”

Greenpeace protest on Borkum against gas drilling in the Wadden Sea

Menschenkette auf Borkum, 26. Juli 2022

Rund zwanzig Kilometer nordwestlich von Borkum, in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, will das niederländische Unternehmen One-Dyas ein Erdgasfeld erschließen. Das Land Niedersachsen hatte das Projekt im vergangenen Jahr zunächst aufgrund von Umweltbedenken verworfen. Aus Sorge vor ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland soll es nun doch ausgebeutet werden. Das Projekt würde jedoch frühestens ab Ende 2024 Gas liefern und damit eine langfristige Abhängigkeit von Gas schaffen, die das Erreichen der Klimaziele gefährdet. In einer ersten Phase plant One-Dyas bis zu 13 Milliarden Kubikmeter Gas zu fördern. Durch die Verbrennung würden etwa 26 Millionen Tonnen CO2 entstehen - das entspricht etwa den jährlichen Emissionen von Rheinland-Pfalz. 

Gasprojekte bedrohen auch Meeresgebiet vor Australien 

Bohrungen können kleinere Erdbeben auslösen, die zu Salzwassereinbrüchen in Süßwasservorkommen führen und die Trinkwasserversorgung von Borkum gefährden. Die Inseln Borkum und Juist sowie ein niederländisch-deutsches Bündnis von Umweltschutzverbänden haben bereits Klage gegen das Projekt eingereicht.

Auch vor der Küste Westaustraliens bedroht ein Gasprojekt einzigartige Meeresgebiete. Mit Unterstützung der deutschen Konzerne RWE und Uniper sollen dort riesige Gasfelder erschlossen werden, die frühestens ab 2025 Gas liefern könnten. Die Bohrungen verliefen in einem der artenreichsten Meeresregionen Australiens. Die Pipeline würde dort Wale, Schildkröten, Haie, Delfine und viele weitere Meerestiere gefährden.

Aktuelle Studie: Neue LNG-Terminals gefährden deutsche Klimaziele

Dass Deutschland sich von fossilen Energien unabhängig machen muss, ist klar - angesichts der in ganz Europa wütenden Klimakrise mit Waldbränden, Dürren und Hitzewellen ist die Notwendigkeit deutlicher denn je. Doch anstatt konsequent in Erneuerbare Energien zu investieren, plant die Bundesregierung neue Infrastrukturen für Flüssiggas - und schießt dabei aus Angst vor einer Versorgungskrise weit über das Ziel hinaus. Eine aktuelle Studie im Auftrag von Greenpeace sieht durch den nicht bedarfsgerechten Neubau von LNG-Terminals die deutschen Klimaziele gefährdet. 

LNG-Terminals in Deutschland

LNG-Terminals in Deutschland

Notwendiges Kriseninstrument oder Trojanisches Pferd der fossilen Gaswirtschaft?

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Die Studie des Hamburger Forschungs- und Beratungsbüros EnergyComment belegt, dass die derzeit geplanten Importkapazitäten bisherige russischen Gaslieferungen deutlich übersteigen - Deutschland wäre auf unabsehbare Zeit weiterhin abhängig von klimaschädlichem Gas. “Die Sorge vor einem russischen Lieferstopp darf nicht das Einfallstor für die nächste fossile Abhängigkeit sein“, sagt Greenpeace-Sprecher Manfred Santen. „Statt weitere klimaschädliche Strukturen zu schaffen, muss jetzt konsequent Gas eingespart, der Einbau von Wärmepumpen gefördert und Gebäude gedämmt werden und eine neue Industriestandortpolitik im Fokus stehen.”

Dennoch: Ganz ohne Flüssiggas geht es übergangsweise nicht. Um die Gasversorgung auch nach einem vollständigen russischen Lieferstopp sicherzustellen, genügten allerdings einige wenige schwimmende LNG-Terminals, so die Studie. Setzte die Bundesregierung ihre Pläne in der derzeitigen Form um, schüfe sie dadurch Tatsachen, die bis über das Jahr 2040 hinaus wirkten. Deutschland würde damit zu einem der weltgrößten Importeure von Flüssiggas. “Diese Ausbaupläne widersprechen den Klimazielen, zu denen sich Deutschland und Europa verpflichtet haben. In dieser überdimensionierten Form müssen sie gestoppt werden ”, so Santen.

Der von Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) vorgebrachte Grund für den geplanten Bau der zwölf neuen Terminals ist, energiepolitisch unabhängig von Russland zu werden. Doch dadurch würde nur eine Abhängigkeit durch eine andere getauscht: Da lediglich Qatar und die USA ihre Exportmengen in absehbarer Zeit nennenswert ausweiten, steige die Abhängigkeit Europas von einzelnen Großterminals und den strategischen Zielen dieser beiden Exportländer. Die Studie räumt zudem mit einem weiteren Mythos auf, nämlich dass LNG-Terminals später leicht für den Import von Wasserstoff zu nutzen sind. Doch das geht gar nicht ohne Weiteres: Zentrale technische Komponenten müssten bei der Umstellung auf Wasserstoff ersetzt werden, was mit erheblichen Kosten und hohen Energieverlusten verbunden ist. Eine wirtschaftliche Lösung sieht anders aus.

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