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Adivasi-Aktivist Punit Minj während seiner Reise durch die Schweiz und Deutschland
Ruedi Suter

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Jharkhand ist reich an Bodenschätzen. Um diese abbauen zu können, vertreiben Konzerne die Adivasi von ihrem angestammten Land. Das Uranerz wird in Jharkhand unter unsäglichen Bedingungen gewonnen. Es wird auf offenen Lastwagen und in rostigen Fässern transportiert; strahlende Abfälle werden in flachen Teichen gelagert, in deren unmittelbarer Nachbarschaft die Adivasi wohnen. Die Arbeiter im Uranbergbau erhalten lediglich Handschuhe als Schutzkleidung.

Die Urangewinnung gilt in Indien als Frage der nationalen Sicherheit und ist direkt dem Präsidenten unterstellt. Selbst der Besitz eines Geigerzählers ist verboten. Das macht eine unabhängige Kontrolle unmöglich. In Jharkhand haben sich die Adivasi jedoch in einer aktiven Widerstandsbewegung organisiert, um ihre Rechte gegenüber den Konzernen und der Regierung durchzusetzen. Wir haben mit Punit Minj, einem Koordinator dieser Bewegung, gesprochen. Ebenfalls anwesend war Dr. James Albert von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Punit Minj war als Referent auf dem Kongress Sacred Lands - Poisoned Peoples, der von den Internationalen Ärzten für die Verhütung eines Atomkriegs am 26. August in Basel ausgerichtet wurde.

Interview mit Punit Minj

Greenpeace: Sie sind gerade von einer Konferenz in der Schweiz zurückgekommen. Worum ging es dort?

Punit Minj: Vertreter indigener Völker kamen in Basel zusammen, um zu berichten, wie die Leute in ihren Ländern unter der Strahlung aus Uranminen leiden und wie sie dagegen kämpfen. Wir haben ein Netzwerk aus verschiedenen Graswurzelorganisationen (basisdemokratische Gruppen, die konkrete, alltagsorientierte politische Arbeit leisten, Anm. d. Red.) aufgebaut. Das zweite positive Ergebnis der Konferenz ist, dass die Internationalen Ärzte für die Verhütung eines Atomkriegs eine Reise in einige Länder planen. Sie wollen dabei auch nach Indien kommen und dort Lobbyarbeit betreiben, damit indische Ärzte und Wissenschaftler sich für die Antiatombewegung einzusetzen beginnen.

Greenpeace: Könnten Sie unseren Lesern einen Überblick über die Situation in Jharkhand geben?

Punit Minj: Den Adivasi in Jharkhand wird seit 150 Jahren von sämtlichen Großunternehmen Gewalt angetan - seien es die Betreiber von Uranminen, Bauxitminen oder Kohleminen. Wir haben keine Alternative als zu kämpfen. Denn Land, Wald und Wasser sind unsere Lebensgrundlage. Wenn wir nicht kämpfen, werden wir als indigenes Volk ausgelöscht werden.

James Albert: Aber Sie meinen einen Kampf vor Gericht, im Parlament?

Punit Minj: Die Hauptsache ist, dass wir die lokale Organisation stärken. Denn wir glauben, dass niemand in unsere Heimat eindringen kann, wenn die Graswurzelbewegung stark ist. Und zusätzlich können wir vor Gericht ziehen und die Hilfe von internationalen Arbeiterorganisationen und von der internationalen Zivilgesellschaft suchen. Doch der erste Schritt ist, die Organisation vor Ort zu stärken.

Greenpeace: Welche spezifischen Probleme bedeutet der Berg- und Tagebau für die Adivasi?

Punit Minj: Jede Art von Bergbau zerstört das Land. Für Indigene ist das, als ob man sie von ihrem Land vertreibt, aus ihren Wäldern und von ihrem Wasser, man zerstört die Quelle ihres Lebensunterhalts und so müssen sie sterben. Unsere Leute wurden von jeder Großindustrie betrogen. Man hat uns immer wieder Kompensation versprochen. Daher ist es jetzt sehr schwer für uns, noch mehr Land für die nationale Entwicklung zu opfern. Wir haben schon so viel Land hergegeben und nie eine Gegenleistung erhalten. Deshalb glaube ich, dass die Adivasi kein Stück Land mehr den Bergbaugesellschaften überlassen sollten.

Greenpeace: Vorhin erwähnten Sie, dass die indische Regierung einen Zusammenhang zwischen der Strahlung und den Auswirkungen auf die Gesundheit leugnet.

Punit Minj: Im Dokumentarfilm Buddha Weeps in Jadugoda können Sie sehen, wie die Atomenergiebehörde und die UCIL (Uranium Corporation of India Limited) das leugnen. Wir sagen ihnen, dass die Leute von der Strahlung in den Uranminen krank werden. Doch sie sagen, nein, das liegt nur an den schlechten Lebensumständen der Adivasi. Es ist für uns, die wir keine Ärzte und Wissenschaftler sind, schwierig, mit den Leuten von der Atomenergiebehörde und der UCIL zu diskutieren. Deshalb ist es wichtig, dass sich jetzt Wissenschaftler für uns zu Wort melden.

Greenpeace: Was, würden Sie sagen, sind die wichtigsten Punkte bezüglich der atomaren Sicherheit?

Punit Minj: Ich denke, das Wort Sicherheit existiert im Wörterbuch der Atomenergiebehörde nicht.

James Albert: Auf lange Sicht denken wir, sollte es gar keinen Uranabbau mehr geben. Lasst das Uran in der Erde. Wenn man es schon herausholt, dann müssen die Leute dort arbeiten, weil sie kein Land mehr haben. Und dann sollte man ihnen wenigstens einen Mindestlohn gewähren und Gesundheitsversorgung. Sie sollten am Profit dieser Minen teilhaben. Aber natürlich wäre es am besten, gar kein Uran abzubauen.

Punit Minj: Ja.

James Albert: Aber die Regierung ist so mächtig, dass es utopisch wäre, einfach zu sagen: Baut kein Uran mehr ab. Man muss praktisch sein.

Greenpeace: Was erhoffen Sie sich von dieser Reise nach Deutschland?

Punit Minj: Wir brauchen Unterstützung von europäischen Gruppen. Sie müssen uns beistehen, wenn die Menschenrechte im Adivasi-Gebiet verletzt werden.

Greenpeace: Könnten Sie Ihre Forderungen noch einmal zusammenfassen?

Punit Minj: Wir fordern, dass man unser Land, unsere Wälder in Ruhe lässt und dass man uns unsere Heimat lässt. Wir wollen selbst entscheiden, welche Art von Entwicklung wir brauchen.

Greenpeace: Es gab vor kurzem eine Entscheidung zugunsten des Adivasi-Stammes der Dongria Kondh. Ein Bergbauprojekt auf ihrem Land wurde vom indischen Umweltminister gestoppt. Glauben Sie, dass das Auswirkungen auf Ihre Arbeit haben wird?

Punit Minj: Ja, sicher. Aber wir wissen nicht, wie lange die Entscheidung halten wird. Aber es ist eine gute Entscheidung und gut für die Graswurzelgruppen. Wir müssen aber wachsam sein. Wir können uns nicht nach einem Erfolg wie diesem einfach zurücklehnen.

Greenpeace: Hat sich die öffentliche Wahrnehmung dieser Themen in Indien durch diese Entscheidung ein wenig geändert?

Punit Minj: Ein wenig. Aber ich weiß, dass es jetzt einen Konflikt zwischen diesem Minister und der Regierung gibt. Sie setzen ihn unter Druck. Vielleicht werden sie ihn aus der Partei werfen und dann wird es einen neuen Minister und eine neue Entscheidung geben. Oder vielleicht werden sie sagen: Wir nehmen 50 Prozent des Landes und die anderen 50 Prozent bleiben geschützt. Aber was ist dann mit den Leuten, die auf diesen 50 Prozent leben?

Ende der Gallerie

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