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Fukushima 1 kurz nach der Explosion in Reaktor 3
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Nach der Kernschmelze in gleich drei Reaktoren in Fukushima fragte sich Professor Dr. Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, wie groß wohl die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich ein Unfall wie dieser wiederholt.

Das Forscherteam des MPI kam durch seine Berechnungen zu einem beunruhigenden Ergebnis: Das Risiko für eine Kernschmelze ist 200-mal höher, als die Schätzungen der US-amerikanischen Zulassungskommission für Kernreaktoren im Jahr 1990 ergaben. Das heißt, dass einmal in 10 bis 20 Jahren mit einer Kernschmelze zu rechnen ist.

Auch die Studie von Greenpeace kommt zu dem Schluss, dass die Risiken der Atomenergie wesentlich höher sind als es immer dargestellt wird. Die vom Beraterbüro cervus nuclear consulting unter der Leitung von Dr. Helmut Hirsch erstellte Studie deckt erhebliche Mängel in der sogenannten Probabilistischen Risiko-Analyse (PRA) auf. Die PRA wird unter anderem dazu genutzt, Unfallwahrscheinlichkeiten zu ermitteln. Sie ist der einzige Grund, wieso in Deutschland Atomkraftwerke betrieben werden dürfen, da sie die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall als minimal einschätzt. Doch das ist nicht korrekt.

Radioaktive Partikel auch noch in 2000 km Entfernung

Die Forscher des MPI untersuchten außerdem, in welchem Umkreis sich die radioaktiven Teilchen nach einem Unfall verteilen würden.

Mithilfe eines Computermodells, das beispielsweise die globale Verteilung von Spurengasen berechnen kann, wurde die mögliche Verbreitung von radioaktiven Partikeln am Beispiel des Stoffes Cäsium-137 bestimmt. Cäsium hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren und machte nach den Unfällen in Tschernobyl und Fukushima einen wesentlichen Teil der radioaktiven Belastung aus. Die Wissenschaftler berechneten, wie sich die Partikel in der Atmosphäre ausbreiten und wo sie in Form von Niederschlag wieder herunterkommen und in den Boden gelangen würden.

Das Ergebnis: 50 Prozent des freigesetzen Cs-137 würden weiter als 1000 Kilometer, 25 Prozent sogar weiter als 2000 Kilometer verfrachtet werden. Nur 8 Prozent bleiben innerhalb von 50 Kilometern um den havarierten Reaktor.

Westeuropa besonders gefährdet

Das Risiko bei laufenden Atomreaktoren ist auch in größerer Entfernung noch hoch. Somit trägt Westeuropa weltweit das höchste Risiko einer radioaktiven Kontamination durch schwere Reaktorunfälle. Die Bewohner in dicht besiedelten Gegenden wie Südwestdeutschland tragen durch die AKW an den Grenzen von Belgien, Frankreich und Deutschland im weltweiten Vergleich das höchste Risiko radioaktiver Kontamination.

Die Studie des Max-Plack-Institutes zeigt nicht nur wie hoch das Risiko schwerer Reaktorunfällen ist, sondern vor allem wie groß die radioaktiv kontaminierten Gebiete sein können sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. Es ist eben keineswegs nur die nähere Umgebung eines AKW von einem möglichen Unfall betroffen. Daher ist es wichtig, dass sich die Bundesregierung vehement auch für einen internationalen Atomausstieg einsetzt und auch keine "Hermes-Bürgschaften" für einen AKW-Neubau in Brasilen vergibt.

  • 2011: Atomexperte Tobias Muenchmeyer misst die radioaktive Strahlung am Sarkophag des AKW Tschernobyl.

    2011: Strahlenmessung in Tschernobyl

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Studie: Schwere Reaktorunfälle - wahrscheinlicher als bisher angenommen

Studie: Schwere Reaktorunfälle - wahrscheinlicher als bisher angenommen

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