Jetzt spenden
Lake Baikal documentation (Winter)
© Greenpeace / Takeshi Mizukoshi

Transneft-Ölpipeline: Bedrohung russischer Wissenschaftler

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Update - Russische Expert:innen, die sich mit Greenpeace gegen die geplante Transneft-Ölpipeline am Baikalsee aussprachen, wurden bedroht. Vor einer Pressekonferenz warnte ein Anrufer sie, vorsichtig mit ihren Aussagen zu sein.

Die beiden Experten gehören zu einem 52-köpfigen Team, das im Auftrag der russischen Aufsichtsbehörde Rostechnadsor die Auswirkungen der geplanten Trasse auf die Umwelt untersuchen sollte. 40 der 52 Fachleute votierten gegen die Trasse in ihrem jetzigen Verlauf, darunter Teamleiter Gennadij Tschegasow. Tschegasow nahm auch an der Pressekonferenz teil.

Die Ergebnisse des Umweltverträglichkeitsgutachtens sind öffentlich zugänglich. Das Votum ist eindeutig, der Auftritt der Experten mutig. Greenpeace Russland spricht von einem echten Durchbruch. Doch in den Medien scheint Funkstille zu herrschen. Kein russischer Fernsehsender berichtete über die Pressekonferenz. Abgesehen von wenigen russischen Medienvertretern war die Veranstaltung überwiegend von Journalisten aus dem Ausland besucht.

Aufsichtsbehörde Rostechnadsor am Zug

{image}Jetzt kommt es auf Rostechnadsor an, die zuständige Aufsichtsbehörde für Umwelt, Technik und Atomanlagen. In der nächsten Woche wird sich entscheiden, ob sie es wagt, dem Mehrheitsvotum ihres Gutachterteams zu folgen oder nicht. Präsident Putin hat jüngst Eile angemahnt.

Es heißt, die Behörde wanke schon. Rostechnadsor-Beamte seien dabei, das Gutachten auseinander zu pflücken und auf Komma- und Rechtschreibfehler zu durchsuchen. Ein schlechtes Zeichen: Müssen willigere Experten her, die ein anderes Votum abgeben und damit das Stimmenverhältnis zu Transnefts Gunsten verschieben?

Mehr zu Ölpipelines

oil pipeline Alaska
Martin Langer

Gefährliche Öl-Pipelines in Kanada und den USA

Ökologisch sind Öl-Pipelines ein Verlustgeschäft, wirtschaftlich noch nicht – so lange Banken sie wider jede Vernunft finanzieren. Der Geldfluss muss stoppen, fordert Greenpeace.

mehr erfahren über Gefährliche Öl-Pipelines in Kanada und den USA

Transnefts illegale Aktivitäten

Der staatliche Ölmonopolist hat längst illegal mit den Erkundungsarbeiten am Baikalsee begonnen. Bereits zweimal, im Juni und im September 2005, haben staatliche Inspektionen dem Unternehmen die Unrechtmäßigkeit seines Vorgehens bescheinigt. Den Konzern schert das nicht. Er will die Kosten, die durch neue Planungen und zeitliche Verzögerungen entstehen, nicht tragen.

Der Staatskonzern versucht derzeit, ausländische Investoren zu finden. Wer auch immer mit dem Gedanken spielt, sich am Transneft-Projekt zu beteiligen, sollte bedenken, dass sein Geld dazu beiträgt, ein unersetzliches Naturerbe zu schädigen, möglicherweise unwiderruflich.

Die UNESCO warnt Russland

Experten der UNESCO und der World Conservation Union IUCN haben bereits erklärt, dass der Verlauf der Pipeline am Baikalsee ein schwerer Verstoß gegen die Konvention zum Schutz des Weltnatur- und –kulturerbes der Menschheit wäre. Wenn Russland sein blaues Herz der Taiga nicht vor Schaden bewahrt, könnte dem Baikalsee der Status des Weltnaturerbes wieder entzogen werden. Es wäre das erste Mal, dass die UNESCO zu diesem Mittel griffe.

Für Russland hätte das einen herben Prestigeverlust zur Folge. Und es wäre nicht der erste. Vor wenigen Wochen erst hat die Duma mit einer Verschärfung des Vereinsrechts international unrühmliches Aufsehen erregt. Sie macht Nichtregierungsorganisationen in Russland das Leben schwerer und spricht allen vorgeblichen Demokratisierungsansätzen Hohn.

Das Land wäre gut beraten, nicht nur seine natürlichen Schätze sondern auch seine standhaften Umweltschützer und Wissenschaftler endlich zu schätzen und zu schützen. Man möchte Präsident Putin zurufen: Seien Sie stark, Sire, sorgen Sie für Redefreiheit!

Vogel über Müllberg

Mehr zum Thema

Pärchen, auf der Handfläche die Welt als Herz

Deutschland erreicht Erdüberlastungstag

Deutschland hat seine natürlichen Ressourcen für dieses Jahr am 10. Mai verbraucht. Den Rest des Jahres leben wir auf Kosten anderer. Doch was bedeutet das und wie können wir es ändern?

mehr erfahren über Deutschland erreicht Erdüberlastungstag
Großes Banner "End Fast Fashion" liegt am Strand in Ghana zwischen Textilmüll.

Fast Fashion versus grüne Mode: Fragen und Antworten

Fast Fashion, also schnelle Mode, was ist das? Wer steckt dahinter und warum ist sie problematisch? Hier gibt es Antworten – auch zu den Alternativen.

mehr erfahren über Fast Fashion versus grüne Mode: Fragen und Antworten
 Passant:innen betrachten Kleiderstatue aus Textilmüll vor dem Brandenburger Tor

Fast Fashion – billig gekauft, teuer bezahlt

Fast Fashion zerstört Umwelt und Ressourcen – nachhaltige Alternativen sind der Weg aus der Wegwerfmode. Die Modeindustrie heizt jedoch den Konsum an. Ein Gesetz könnte den Wahnsinn eindämmen. 

mehr erfahren über Fast Fashion – billig gekauft, teuer bezahlt
Nahaufnahme im Labor: Hand hält eine Schale mit Mikroplastik.

Mikroplastik: ein unsichtbares Problem

Was genau ist Mikroplastik? Wo kommt es her – und warum ist es so schwer, das Problem wieder einzufangen. Antworten auf diese Fragen, liefert dieser Artikel.

mehr erfahren über Mikroplastik: ein unsichtbares Problem
Studioaufnahme: Textilien von Shein auf einem Haufen

Schäm dich, Shein

Schnell, billig, rücksichtslos – das ist das Geschäftsmodell von Fast-Fashion-Konzern Shein. Greenpeace hat zum dritten Mal Produkte ins Labor geschickt – wieder mit beunruhigenden Ergebnissen.

mehr erfahren über Schäm dich, Shein
Phoebe steht vor einer Zimmertür.

Mit Phoebe die Masche der Industrie checken

In einer Welt, in der das nächste Kleidungsstück immer nur einen Klick weit entfernt ist, zeigt Phoebe, wo wir genauer hinschauen können – auf Verarbeitung, Materialien und die Versprechen der Marken.

mehr erfahren über Mit Phoebe die Masche der Industrie checken