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Orca im Sprung
Monika Wieland Shields / Greenpeace

Studie in Wissenschaftsmagazin „Science“: Orca-Populationen durch Umweltgift PCB bedroht

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„Die ich rief, die Geister“, klagte Goethes Zauberlehrling, „werd ich nun nicht los.“ Doch so geht es dem Menschen nicht bloß mit dem Paranormalen, sondern auch mit höchst Gewöhnlichem: Chemikalien, die in der Industrie einst im großen Maßstab Verwendung fanden, verschmutzen auch noch Jahre nach ihrem Verbot die Meere – mit lebensbedrohlichen Folgen unter anderem für Orcas, wie Schwertwale ebenfalls genannt werden. Die Verfasser eines aktuellen Artikels im Wissenschaftsmagazin „Science“ stellen in Aussicht, dass ganze Populationen aussterben könnten. Schuld daran ist das Umweltgift PCB.

PCB ist die Abkürzung für Polychlorierte Biphenyle, ein Stoff, der unter anderem als Weichmacher in Lacken und Kunstoffen benutzt wurde. Wurde, denn er gehört zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“. Das ist eine Liste von zwölf Stoffen, zu denen hauptsächlich Pflanzenschutzmittel, aber auch industrielle Chemikalien und Nebenprodukte gehören. Sie gelten als krebserregend und stehen im Verdacht, das Erbgut zu verändern oder Fehlbildungen im Mutterleib zu begünstigen. Das Stockholm-Übereinkommen verbietet seit 2004 ihren Gebrauch, völkerrechtlich bindend. Deutschland war da sogar schon etwas weiter: Hier ist PCB seit dem Ende der Achtzigerjahre verboten.

Alle Schadstoffe landen irgendwann im Meer

Doch ein Verbot nimmt nicht die Mengen an Umweltgiften zurück, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits in die Umwelt gelangt sind – und dort nicht abgebaut werden. PCB wurden von 1930 bis in die 1990er Jahre in einer Menge von einer bis 1,5 Millionen Tonnen produziert, mit einem klaren Leidtragenden. „Was der Mensch an Giften und Abfall produziert, landet irgendwann im Meer“, sagt Thilo Maack, Greenpeace-Experte für Meere. „Das gilt nicht nur für Mikroplastik, sondern auch für Umweltgifte wie polyfluorierte Chemikalien oder eben PCB.“

Am schwersten trifft die Verschmutzung die Lebewesen an der Spitze der Nahrungskette. In den Ozeanen sind das häufig Orcas. In deren Fettgewebe fanden Forscher bereits Konzentrationen bis zu 1300 Milligramm des Giftstoffes pro Kilo. Das ist ein dramatischer Wert: Studien zeigen, dass bereits Werte von 50 Milligramm pro Kilo die Fruchtbarkeit und das Immunsystem der Tiere schädigen könnten.

 

Zusammenbruch innerhalb weniger Jahrzehnte

Die Folgen sind bereits heute in der Nähe von Industrieregionen ersichtlich. „In den belasteten Gebieten können wir nur noch selten neugeborene Orcas beobachten“, sagt Alisa Hall von der schottischen Universität St. Andrews, Ko-Autorin des „Science“-Artikels. Für die Studie werteten Wissenschaftler der dänischen Universität Aarhus die PCB-Werte von 351 Orcas aus. Anhand der Belastung verschiedener Bestände simulierte das Team in einem Modell deren Entwicklung für die kommenden hundert Jahre.

Mit dem Ergebnis: In zehn der insgesamt 19 untersuchten Populationen bedroht das Umweltgift das dauerhafte Überleben. Dort drohe innerhalb der nächsten 30 bis 40 Jahre ein Zusammenbruch vieler Bestände. Das betrifft Gewässer vor Brasilien, Gibraltar und den Kanarischen Inseln sowie Regionen vor Großbritannien, Japan und im Nordostpazifik. Eine leichte Entwarnung gibt es immerhin für die Pole: In den weniger kontaminierten Regionen in der Arktis und Antarktis rechnen die Forscher damit, dass die Zahl der Tiere wieder wächst.

Selbst das Verbot von PCB schützt nicht vor weiterer Verschmutzung der Meere mit dem Schadstoff. In alten Maschinen, etwa Hydraulikanlagen, finden sich nach wie vor polychlorierte Biphenyle. Die müssen unbedingt fachgerecht entsorgt werden, doch der Schaden ist bereits angerichtet. Am Ende der Ballade vom Zauberlehrling erscheint der alte Hexenmeister und hilft dem glücklosen Magie-Azubi aus der Patsche. Auf solch ein Wunder können die Orcas nicht hoffen.

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