Jetzt spenden
Wassertests in Hamburger Labor
Fred Dott / Greenpeace

Greenpeace-Report benennt Orte mit außergewöhnlich hoher PFC-Kontamination

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Ein Greenpeace-Report zeigt, wo PFC weltweit den größten Schaden anrichten. Dennoch lässt die Outdoorbranche nicht von den gesundheitsschädlichen Chemikalien ab.

Im Zuhause von Mattia Masato wird nicht mehr mit Leitungswasser gekocht. Der Familienvater aus Venetien im Nordosten Italiens sorgt sich um die Gesundheit seiner beiden Kinder, drei und fünf Jahre alt. Familie Masato lebt in der Nähe verschiedener Gerbereien und des Chemieunternehmens Miteni. Hier wurden bis 2011 poly- und perfluorierte Chemikalien, kurz PFC, für die Pharma- und Agrarindustrie produziert – Stoffe, die im Verdacht stehen, gesundheitsgefährdend zu sein. Über eine Abwasserreinigungsanlage gelangen die Stoffe ins Trinkwasser.

„Wir versuchen so wenig wie möglich mit den Chemikalien in Kontakt zu kommen“, sagt Mattia, aber das ist leichter gesagt als getan. Mit dem Wasser aus den verschmutzten Flüssen werden Felder besprengt, so gelangen die Chemikalien in die Nahrungskette. Und die Belastung summiert sich über die Jahrzehnte. „Das Trinkwasser von rund 350.000 Menschen ist mit perfluorierten Alkylsäuren belastet“, sagt Dr. Vincenzo Cordiano, ein ansässiger Hämatologe, „und das seit mindestens 50 Jahren.“

Aus medizinischer Sicht besteht Gefahr

Ein Greenpeace-Report identifiziert vier Hotspots auf der ganzen Welt, in denen die Produktion von PFC eindeutig die Umwelt kontaminiert hat. Einer liegt im US-Bundesstaat Ohio, einer im niederländischen Dordrecht, einer in der Provinz Shandong in China – der vierte ist Venetien.

In der Heimat von Familie Masato finden sich teils extrem hohe Dosierungen von PFC im Trinkwasser, die Konzentration von Perfluoroctansäure ist bis zu 3600-mal höher als in unkontaminierten Gegenden – sie gilt als krebserregend. Immer wieder werden poly- und perfluorierte Chemikalien zudem mit Schilddrüsenerkrankungen und Störungen des Immunsystems in Verbindung gebracht. „Aus medizinischer Sicht ist es für Menschen gefährlich, PFC-Belastungen ausgesetzt zu sein“, sagt Dr, Cordiano. „Das Risiko ist höher für diejenigen, die in der Nähe von PFC-Fabriken leben.“

Die Outdoorbranche setzt weiter auf PFC

Vor allem bei Herstellern von Outdoorbekleidung werden PFC geschätzt: Ihre molekularen Eigenschaften machen sie besonders widerstandsfähig. Genau diese Qualität macht sie zu einem Umweltproblem. Einmal in die Natur gelangt, werden sie praktisch nicht abgebaut. Greenpeace setzt sich seit Jahren für PFC-freie Kleidung ein. Wissenschaftler können belegen, dass sich die Stoffe auf dem gesamten Erdball verbreiten – selbst in entlegensten Bergseen und auf einsamen Berggipfeln hat Greenpeace Spuren der Chemikalien nachgewiesen.

Viele Hersteller verzichten inzwischen auf besonders schädliche langkettige PFC. Mittlerweile bildet sich allerdings ein wissenschaftlicher Konsens heraus, dass auch die kürzerkettigen Moleküle für Umwelt- und Gesundheitsschäden verantwortlich sind. Im vergangenen Jahr veröffentlichten 200 Wissenschaftler aus 38 Ländern die Empfehlung, sämtliche Verbrauchsgüter ohne PFC zu produzieren – die vermeintlich harmloseren kurzkettigen eingeschlossen.

Greenpeace schließt sich dieser Einschätzung an: Ausgerechnet die Outdoorbranche, die mit der Sehnsucht nach unberührter Natur wirbt, kann nicht von poly- und perfluorierten Chemikalien lassen, die nachweislich die Umwelt belasten. Deswegen sind alle Hersteller aufgefordert, sich dem Detox-Versprechen anzuschließen und ihre Kleidung konsequent zu entgiften. Worauf Verbraucher bei der Auswahl einer Jacke achten sollen, erklärt eine Greenpeace-Einkaufshilfe.

  • "No PFC"-Banner im Gegenlicht mit Aktivisten

    Botschaft über Baumwipfeln

    Überspringe die Bildergalerie
  • Bergsteiger mit "PFC-free"-Banner

    Gipfelstürmer ohne Gift

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie
Vogel über Müllberg

Mehr zum Thema

Studioaufnahme: Textilien von Shein auf einem Haufen

Schäm dich, Shein

Schnell, billig, rücksichtslos – das ist das Geschäftsmodell von Fast-Fashion-Konzern Shein. Greenpeace hat zum dritten Mal Produkte ins Labor geschickt – wieder mit beunruhigenden Ergebnissen.

mehr erfahren über Schäm dich, Shein
Vreni mit Sonnenbrille

Vreni Jäckle: Mode ist politisch

Vreni ist Gründungsmitglied der Fashion Changers. Im Interview zeigt sie, wie Mode eng mit Politik, Diskriminierung und Aktivismus verbunden ist.

mehr erfahren über Vreni Jäckle: Mode ist politisch
Phoebe steht vor einer Zimmertür.

Mit Phoebe die Masche der Industrie checken

In einer Welt, in der das nächste Kleidungsstück immer nur einen Klick weit entfernt ist, zeigt Phoebe, wo wir genauer hinschauen können – auf Verarbeitung, Materialien und die Versprechen der Marken.

mehr erfahren über Mit Phoebe die Masche der Industrie checken
Larissa fotografiert sich im Spiegel

Mit Larissa den eigenen Style finden

Larissa aka larytales zeigt auf Social Media, wie sie Slow Fashion mit dem ultimativen Organisations-Tool der Fashion-Welt lebt: der Capsule Wardrobe. Wie das klappt, verrät sie im Interview.

mehr erfahren über Mit Larissa den eigenen Style finden
Discokugel und Konfetti

Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps

Die Silvesterfeier ist ein guter Moment, um alte, unschöne Gewohnheiten hinter sich zu lassen und nachhaltiger ins neue Jahr zu starten.

mehr erfahren über Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps
Nach oben gereckte Arme hinter einem rosa Kleiderhaufen

Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung

Fünf Milliarden Kleidungsstücke – doch ein Drittel bleibt ungetragen. Eine Greenpeace-Umfrage zeigt: Kleidung wird immer schneller aussortiert.

mehr erfahren über Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung