Skip to main content
Jetzt spenden
Eine Pojektion auf das Bundeskanzerlamt in Nahaufnahme
Sina Niemeyer / Greenpeace

Einigung in der Bundesregierung beim Lieferkettengesetz

Der ausgehandelte Entwurf ist eine Minimallösung. Der Schutz von Menschenrechten und Umwelt kann damit nicht wirksam durchgesetzt werden.

In die Diskussion um ein deutsches Lieferkettengesetz ist Bewegung gekommen. Die drei verantwortlichen Ressorts von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) haben sich auf einen Entwurf geeinigt. Die Politik feiert sich für den Erfolg. Dabei beinhaltet der Kompromiss keine zivilrechtliche Haftungsregelung, wenn Unternehmen gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen. Auch  wird nicht die gesamte Lieferkette abgedeckt. Dagegen protestieren heute in den frühen Morgenstunden Greenpeace-Aktive am Bundeskanzlerinnenamt in Berlin. Mit einer Projektion werfen sie den Schriftzug “Lieferkettengesetz - Schwindel” auf die Außenfassade. 

Sowohl Verletzungen von Menschenrechten und Arbeitsstandards, als auch Umweltschäden geschehen häufig in Produktionsländern außerhalb der EU. Damit finden sie überwiegend am Anfang von globalen Lieferketten statt. Zum Beispiel in Südamerika, wo Wälder durch Brandrodungen zerstört werden, um Platz für die Rinderzucht zu machen. “Ein Lieferkettengesetz ist deshalb nur dann wirksam, wenn es verbindliche Haftungsregeln für die ganze Länge der Wertschöpfungskette beinhaltet”, sagt Viola Wohlgemuth, Expertin für Konsum und Ressourcenschutz bei Greenpeace. “Es muss schlicht gewährleisten: Wer Umweltschutz und Menschenrechte aus Profitgier missachtet, wird künftig zur Verantwortung gezogen, egal wo auf der Welt er sie begeht”, mahnt sie.

 

Lange Rede, wenig Sinn? 

Das Vorhaben ist Bestandteil des Koalitionsvertrages von CDU und SPD. Nun soll das Gesetz noch vor der Bundestagswahl in diesem Jahr verabschiedet werden. Nach einem monatelangen Streit hatte bis zuletzt vor allem der Wirtschaftsminister eine Einigung blockiert. Jetzt zetert der wirtschaftspolitische Flügel der CDU/CSU gegen das geplante Gesetz. “Die Werte und Verantwortung einer christlich-demokratischen Union hören scheinbar an den Landesgrenzen auf”, so Wohlgemuth. “Die Hoffnung ruht jetzt auf dem parlamentarischen Prozess, der sich in den nächsten Monaten anschließen wird. Die Verantwortung für begangene Menschenrechtsverletzungen und Umweltverbrechen liegt jetzt bei der CDU.”

Damit sich die deutsche Wirtschaft auf die Vorgaben einstellen kann, soll das Gesetz ab 2023 inkrafttreten. Betroffen sind zunächst allerdings nur Firmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden, erst ein Jahr später soll das Gesetz dann auch für Firmen gelten, für die mehr als 1.000 Menschen arbeiten. Auch diese “Verschärfung” klammert jedoch den gesamten Mittelstand, die größte Gruppe von Firmen in Deutschland, aus.

  • Eine Projektion auf das Bundeskanzleramt

    Ein Lieferkettengesetz ist nur dann wirksam, wenn es Menschen- und Umweltverbrechen vor Ort verhindert.

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

Clothes Swapping Party in Hamburg

Größte Kleidertausch-Party

  • 03.04.2023

Tauschen statt Kaufen: Die größte Kleidertausch-Party von Greenpeace findet vom 28. - 30. April 2023 in Hamburg statt.

mehr erfahren
Waste and Reusable for Food To Go

Mehrweg ist Pflicht für die Gastronomie

  • 29.03.2023

Recherche zeigt: Besonders Fastfood-Ketten und Lieferdienste setzen die Mehrweg-Angebotspflicht zum Mitnehmen von Speisen und Getränken nicht um. Greenpeace startet deshalb ein Meldeportal.

mehr erfahren
Produktfoto von verschiedenen Kunststoffartikeln, darunter Gabeln, Löffel, Flaschen und Verschlüsse, Verpackungen und Strohhalme aus Kunststoff.

10 Tipps für weniger Plastik

  • 15.03.2023

Verpackungsfolien, Einweggeschirr, Abreißtüten: Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – und doch gar nicht so schwer zu vermeiden. Wir haben dazu ein paar Tipps.

mehr erfahren
Aktivist:innen vorm Bundeskanzleramt

Umweltschutz und Menschenrechte im Lieferkettengesetz

  • 06.12.2022

Sowohl das deutsche als auch das europäische Lieferkettengesetz bleibt weit hinter den Forderungen von Greenpeace und anderen Organisationen zurück. Aktivist:innen übergaben in Berlin eine Petition.

mehr erfahren
Plastik am Kopf einer Schildkröte unter Wasser

Auf dem Weg zu einem globalen Plastik-Vertrag

  • 01.12.2022

Eine historische Chance: Die UN-Verhandlungen über ein verbindliches globales Abkommen gegen Plastikverschmutzung starten in Uruguay.

mehr erfahren
Protestierende mit Googlemaps-Pin vor Amazon Konzernzentrale am Black Friday

Black Friday: Amazon befeuert Klima- und Artenkrise

  • 25.11.2022

Naturzerstörung als Geschäftsmodell – das ist Amazons Motto. Am Black Friday, dem Symbol und Höhepunkt des Konsum-Irrsins, protestieren Greenpeace-Aktivist:innen dagegen.

mehr erfahren