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Phoebe steht vor einer Zimmertür
© Mina Schmidt

Slow Fashion: mit Phoebe die Masche der Industrie checken

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In einer Welt, in der das nächste Kleidungsstück immer nur einen Klick weit entfernt ist, zeigt Phoebe, wo wir genauer hinschauen können – auf Verarbeitung, Materialien und die Versprechen der Marken. 

Als Phoebenicette entlarvt sie die Maschen der Modeindustrie. Im Interview spricht sie über echte Transparenz, langlebige Lieblingsstücke und warum Secondhand oft die bessere Wahl ist. (Zwei weitere Interviews aus dieser Reihe sind unten verlinkt.)

Greenpeace: Auf deinen Social-Media-Kanälen schaust du dir genau die Zusammensetzung, Qualität und auch Herkunft von Kleidung an und ordnest ein, ob das Kleidungsstück seinen Preis wert ist. Was macht für dich ein langlebiges Kleidungsstück aus?

Phoebe: Es sollte lange getragen werden können – von mir und danach von anderen. 

Der Trend geht gerade in eine andere Richtung. Mode ist zum schnelllebigen Wegwerfprodukt geworden, fast wie der ToGo-Becher. Gleichzeitig veröffentlicht jedes Modelabel heutzutage eine Nachhaltigkeits-Strategie auf seiner Website. Woran erkenne ich Mode, die wirklich fair und ökologisch hergestellt ist?

An Transparenz. Für Modeunternehmen mit Sitz in der EU gibt es bereits verschiedene Berichtspflichten, die alle Unternehmen ab einer bestimmten Unternehmensgröße einzuhalten haben. Viele Modeunternehmen sitzen jedoch außerhalb der EU und unterliegen damit keinen Berichtspflichten. Dadurch können sie erst recht sehr unspezifisch in ihren Zielen und Nachweisen sein. Du liest es und fragst dich: ‘Joa, und was machen sie jetzt genau?’. Wirklich transparente und bemühte Labels können dir sagen, wo ihre Kleidung produziert wird, wo die Materialien herkommen und worauf sie achten. Da hake ich auch im persönlichen Kontakt mit den Brands immer nach.

Wenn ich ein qualitativ gutes Kleidungsstück habe, möchte ich natürlich auch, dass es möglichst lange hält. Worauf sollte ich – etwa beim Waschen – achten, damit meine Kleidung schön bleibt?

Weniger waschen, richtig lagern und immer die Bekleidungslabels checken. Wenn Handwäsche draufsteht, kannst du es oft im Feinwaschprogramm mit Feinwaschmittel waschen. Jeans und Wolle müssen nur sehr selten gewaschen werden. Lüften und steamen – also dampfbürsten – sind hier die Mittel der Wahl. Aufgehängte Kleidung sieht schön aus, aber Sachen wie Wollpullover solltest du immer liegend lagern. Sonst können sie sich verziehen. Kleine Flecken nach Möglichkeit sofort entfernen, bevor sie eintrocknen. 

Vogel über Müllberg

Was ist derzeit dein liebster Slow-Fashion-Style?

Blazer seit Jahren im Schrank und gerne getragen, secondhand selvedge Jeans aus der Männerabteilung und die Lederschuhe “Made in France”, die ich sehr gerne und sehr häufig trage. 

Muss ich für qualitativ gute Kleidung tiefer in den Geldbeutel greifen?

Jein. Für qualitativ mittelmäßige bis gute Kleidungsstücke verlangen auch Fast-Fashion-Unternehmen inzwischen dreistellige Beträge. Da ist der Pullover aus recycelter Wolle und nachweislich fairer Produktion genauso teuer und dadurch meine bevorzugte Kaufoption. 

Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es leider zu wenig gute Auswahl und das beschäftigt mich sehr. Ultra Fast Fashion besteht zum überwiegenden Teil aus 100 Prozent Polyester und ist schlecht geschnitten – diese Kleidung wird nicht produziert, damit Menschen sie tatsächlich tragen können. Eine bessere Alternative war immer der Secondhand-Markt. Durch den aktuellen Hype wird leider auch Secondhand zum Geschäftsmodell und inzwischen teilweise überteuert verkauft. Der gute alte Flohmarkt ist aber immer noch eine schöne Möglichkeit, um secondhand zu shoppen. Und auch online gibt es Plattformen, auf denen Privatpersonen secondhand verkaufen. Hier gilt ebenfalls: genau hinschauen. Wenn du secondhand Fast Fashion kaufst, wirst du eher selten ein qualitativ gutes und langlebiges Kleidungsstück erhalten. 

Secondhand kann also eine günstige Alternative sein, die zudem den Planeten schont. Auf deinem Account habe ich gesehen, dass du gerne preloved Styles shoppst. Was macht Secondhand für dich so besonders?

Du bekommst besondere Kleidungsstücke, eine bessere Umweltbilanz und in der Regel ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Besonders gerne kaufe ich Jacken, Mäntel und Blazer. Viele meiner Pullover habe ich zudem gebraucht von Familie und Freund:innen übernommen. 

Die besten secondhand Funde habe ich bisher im Urlaub gemacht, zum Beispiel in Frankreich, Polen oder Tschechien. Wahrscheinlich hatte ich dort aber auch mehr Zeit, um in Ruhe zu stöbern. 

Secondhand solltest du dich vor Fakes in Acht nehmen. Hier recherchiere ich gerne nach qualitativen, aber weniger bekannten Marken, die dadurch weniger fälschungsanfällig sind als zum Beispiel ein Trenchcoat von Burberry, und habe so schon Lieblingsstücke gefunden.

>>> Phoebes Tipp:

Mein Dreiklang bevor ich etwas kaufe: 

  1. Materialien prüfen und Verarbeitung checken – sagt mir das Kleidungsstück zu?
  2. Anprobieren – gefällt mir die Passform an meinem Körper? 
  3. Ehrlich sein – bereichert das Kleidungsstück mein Leben und Kleiderschrank oder ist es einfach nur gerade im Trend?

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