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© Greenpeace / Gordon Welters

Der EU-Mercosur-Deal droht den Pestizid-Handel anzukurbeln

 

Ein toxischer Deal

Es gibt viele Gründe, die gegen das Handelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten sprechen. Einer davon ist der drohende Anstieg vom Handel mit Pestiziden. Wird das Abkommen abgeschlossen, sinken die Zölle auf Chemie-Produkte, welche die EU in den Mercosur exportiert. Davon profitieren auch Konzerne wie Bayer und BASF. Die Chemieproduzenten exportieren in großem Umfang auch Pestizide nach Brasilien, die in der EU nicht zugelassen oder sogar verboten sind.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier treibt das Handelsabkommen voran und nimmt damit Schädigungen von Mensch und Natur in Kauf. Er ignoriert auch, dass die giftigen Pestizide über importiertes Obst wieder bei uns auf dem Teller landen. Das konnte Greenpeace jetzt mit einer Untersuchung belegen.

Am 20. Mai treffen sich die EU-Handelsminister:innen und beraten über das EU-Mercosur-Handelsabkommen. Anlässlich des Treffens machen Greenpeace-Aktive am heutigen Tag am Wirtschaftsministerium in Berlin auf die Auswirkungen des Deals aufmerksam. Mit aufgetürmten Giftfässern warnen sie davor, dass das Abkommen das Geschäft mit giftigen Pestiziden ankurbeln würde. “Handel entgiften - EU-Mercosur stoppen” fordern sie auf einem Banner.

Greenpeace findet gefährliche Pestizide

Greenpeace-Aktive haben bundesweit importiertes Obst aus Brasilien für die Analyse  zusammengestellt. Insgesamt kauften sie in Supermärkten, Discountern, Großmärkten und einem Feinkostladen 70 Proben der Obstsorten Papaya, Mango, Limette, Melone und Feige. Ein unabhängiges und zertifiziertes Labor hat die Proben anschließend untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierend:

  • 59 der 70 Proben waren mit Rückständen von insgesamt 35 verschiedenen Wirkstoffen belastet

  • 21 Wirkstoffe davon aus der Kategorie “hoch gefährliche Pestizide” (Highly Hazardous Pesticides, HHP)

  • 4 Proben überschritten die zulässigen Höchstmengen

  • insgesamt 11 Wirkstoffe, deren Einsatz in der EU nicht erlaubt ist

  • über die Hälfte der Proben war mehrfach belastet, auf manchen fanden sich bis zu 9 verschiedene Pestizide

64 Prozent der Proben weisen  Mehrfachrückstände auf, also ein Cocktail aus verschiedenen Pestiziden auf einer Probe. Bislang betrachten die Behörden die Rückstände einzeln, das heißt sie prüfen, ob Pestizidrückstand X ein Problem darstellt. Werden mehrere Pestizide (X, Y, Z) in einer Probe gleichzeitig gefunden, gibt es keine gesicherte Einschätzung, ob sich die gesundheitlichen Auswirkungen gegenseitig beeinflussen.

Bedenklich sind auch die Funde von Pestiziden, die in der EU nicht zugelassen sind und solche, die als “hoch gefährlich” eingestuft werden.

Profite statt Umwelt im Blick

Insgesamt wurden im Labor 19 Wirkstoffe festgestellt, welche auch die deutschen Chemie-Konzerne Bayer und BASF in Brasilien vertreiben. 2019 haben 16 der EU-Mitgliedsländer Pestizide im Wert von mindestens 915 Millionen Euro in den Mercosur exportiert. Deutschland liegt hierbei auf Platz 3 der Top-Exporteure.

“Wirtschaftsminister Altmaier stellt die Interessen weniger deutscher Großkonzerne über die Gesundheit der Menschen und den Umweltschutz”, sagt Greenpeace Handelsexperte Jürgen Knirsch. “Zum Schutz von Mensch und Umwelt muss Peter Altmaier sich beim morgigen EU-Treffen für einen Stopp des Abkommens einsetzen.”

Die Untersuchungsergebnisse im Detail sowie Hintergrundinformationen zum EU-Mercosur-Abkommen in der Online-Broschüre “Giftiger Handel” sowie in dieser Tabelle.

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