Jetzt spenden
Ein Kind im Spielwaren Geschäft sucht sich ein Plastik Spielzeug aus, August 2011,
Yang Di / Greenpeace

Begrenzter Einsatz von Phthalaten in Kinderspielzeug

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Phthalate werden als Weichmacher in Plastik eingesetzt. Man findet sie in einer großen Bandbreite von Produkten, von Spielzeug über Lebensmittelverpackungen und Textilien. In wissenschaftlichen Studien wurde längst belegt, dass sich diese Chemikalien negativ auf die Gesundheit auswirken. Sie werden mit der Nahrung und über die Haut vom Körper  aufgenommen und können hormonell wirken sowie die männliche Reproduktionsfähigkeit stark beeinträchtigen. Die weit verbreitete Verwendung von Phthalaten führt dazu, dass diese gefährlichen Substanzen neben anderen Industriechemikalien in jedem Hausstaub und auch in unserem Blut vorhanden sind. Greenpeace Deutschland belegte dies 2006 durch einen Bluttest an Prominenten und erst kürzlich wies das Umweltbundesamt in Österreich Phthalate in 99 von 100 Blutproben von Kleinkindern nach. Besonders Ungeborene und Kleinkinder sind der gefährlichen Wirkung von Phthalaten ausgesetzt.

Ein Erfolg der Detox-Kampagne

Seit über zwei Jahrzehnten fordert Greenpeace den Verzicht von Phthalaten. Und seit mehr als zwei Jahren drängte Greenpeace China auf die Einführung restriktiver Standards für die Verwendung von Phthalaten im weltweit größten Produktionsland für Plastik-Spielzeug. Für Greenpeace und vor allem für Eltern ist die neue Regulierung ein toller Erfolg.

Bereits seit 1997 macht Greenpeace auf die Gefahr von Phthalaten in Spielzeug aufmerksam. Die „Play Safe“-Kampagne in Kanada, Europa und den USA hat Bewusstsein für die gefährlichen Plastikweichmacher geschaffen. Nach zwei Jahren reagierte die Europäische Union und machte Gesetzesvorschläge für den Verzicht von Phthalaten in Spielzeug.

Greenpeace setzte die Kampagne und Recherchen fort bis die EU 2004 den Einsatz von Phthalaten in Spielzeug verbot. Vor Kurzem sind Phthalate von der in die Chemie-Verordnung REACH aufgenommen worden. Damit stehen Phthalate auf der Liste besonders gefährlicher Stoffe, die die Industrie langfristig ersetzen muss.

Ein zähes Ringen um eine Regulierung in China

Doch in China ging die Auseinandersetzung um die Verwendung von Phthalaten weiter. 2011 untersuchte Greenpeace China im „Toy Hunt“ verschiedene Plastikspielsachen, die in den größten Städten Chinas verkauft wurden, auf Chemikalien. Die Ergebnisse waren schockierend: 70% der Plastikspielsachen wies nach wie vor einen so hohen Anteil von Phthalaten auf, dass sie in der EU und den USA nicht verkauft werden dürften. Weiter blieben die Chinesischen Standards niedrig. China beschränkte den Einsatz von Phthalate nur für Beschichtungen, andere Teile vom Spielzeug blieben komplett unreguliert.

Die Untersuchung schlug in und außerhalb von China große Wellen. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Reports, reagierte Chinas Amt für Qualitätskontrolle mit Fragen und Antworten zu der Studie. Zwar bestritten die Beamten die Gefahr, die von Phthalaten ausging, sie versprachen aber gleichzeitig neue Standards für Spielzeug zu entwickeln, die Phthalate stärker einschränken sollte. Diese Art der Ankündigung als Reaktion auf öffentlichen Druck ist unüblich in China.

Die Hoffnung wurde durch einige Rückschläge getrübt: Zunächst wurden Phthalate in Getränken in Taiwan entdeckt. Dann haben Greenpeace-Tests Phthalate in Kleidung und Hausstaub nachgewiesen. Zuletzt fanden die Chinesischen Behörden Phthalate in populären Alkoholgetränken.

Jetzt, zwei Jahre später, setzen sich die Behörden endlich entschlossen für ein Verbot von Phthalaten ein. Zwar betrifft das Verbot zunächst nur Spielzeug, das ist aber ein wichtiger Schritt, der viele Kinder vor gefährlichen Chemikalien schützen wird. Die Regelung in der EU und China haben Auswirkungen auf andere Teile der Welt: Vor nicht langer Zeit hat auch Ägypten eine ähnliche Regulierung für Phthalate eingeführt.

Für unsere Kinder können wir uns über diese kleinen Erfolge freuen. Bis alle gefährlichen Chemikalien aus unserer Umwelt und unseren Körpern verschwunden sind, wird die Detox-Kampagne von Greenpeace  jedoch weitergehen.

Vogel über Müllberg

Mehr zum Thema

Studioaufnahme: Textilien von Shein auf einem Haufen

Schäm dich, Shein

Schnell, billig, rücksichtslos – das ist das Geschäftsmodell von Fast-Fashion-Konzern Shein. Greenpeace hat zum dritten Mal Produkte ins Labor geschickt – wieder mit beunruhigenden Ergebnissen.

mehr erfahren über Schäm dich, Shein
Vreni mit Sonnenbrille

Vreni Jäckle: Mode ist politisch

Vreni ist Gründungsmitglied der Fashion Changers. Im Interview zeigt sie, wie Mode eng mit Politik, Diskriminierung und Aktivismus verbunden ist.

mehr erfahren über Vreni Jäckle: Mode ist politisch
Phoebe steht vor einer Zimmertür.

Mit Phoebe die Masche der Industrie checken

In einer Welt, in der das nächste Kleidungsstück immer nur einen Klick weit entfernt ist, zeigt Phoebe, wo wir genauer hinschauen können – auf Verarbeitung, Materialien und die Versprechen der Marken.

mehr erfahren über Mit Phoebe die Masche der Industrie checken
Larissa fotografiert sich im Spiegel

Mit Larissa den eigenen Style finden

Larissa aka larytales zeigt auf Social Media, wie sie Slow Fashion mit dem ultimativen Organisations-Tool der Fashion-Welt lebt: der Capsule Wardrobe. Wie das klappt, verrät sie im Interview.

mehr erfahren über Mit Larissa den eigenen Style finden
Discokugel und Konfetti

Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps

Die Silvesterfeier ist ein guter Moment, um alte, unschöne Gewohnheiten hinter sich zu lassen und nachhaltiger ins neue Jahr zu starten.

mehr erfahren über Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps
Nach oben gereckte Arme hinter einem rosa Kleiderhaufen

Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung

Fünf Milliarden Kleidungsstücke – doch ein Drittel bleibt ungetragen. Eine Greenpeace-Umfrage zeigt: Kleidung wird immer schneller aussortiert.

mehr erfahren über Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung