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Plastiktüten
Fred Dott / Greenpeace

Handelsverband: vorerst keine Selbstverpflichtung bei Plastiktragetaschen

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UPDATE vom Mai 2016: Ende April einigten sich Umweltministerium und Einzelhandel doch noch auf eine freiwillige Selbstverpflichtung: Ab Juli sind in vielen Läden Plastiktüten kostenpflichtig, mehr als 240 Unternehmen geben sie künftig nur noch gegen eine Gebühr ab. Den Preis legen die Geschäfte selbst fest.

 

Ein vierter Platz ist in der Regel nichts Ehrenrühriges – knapp das Treppchen verpasst. In der europäischen Rangliste der Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten lässt sich Rang vier für Deutschland allerdings kaum als Erfolg verkaufen. Immer noch 76 Einwegtüten wirft der Durchschnittsdeutsche im Jahr weg – viel zu viel, viel zu überflüssig. Und das in der Spitzengruppe: Der EU-weite Durchschnitt liegt bei knapp 200 Tüten.

 

Plastikmüll ist ein zunehmendes Problem für die Meere, bis zu 13 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle gelangen jährlich vom Land aus in den Ozean. Ein bedeutender – und vermeidbarer – Teil davon besteht aus Einkaufstüten. Mit anderem Kunststoffabfall werden sie im Meer zu Mikroplastik zerrieben und landen dadurch auch im Magen von Fischen.

 

Ein Weg, die Flut zu begrenzen, ist die Beutel kostenpflichtig zu machen. In Supermärkten ist das bereits seit Jahren der Fall, der Einzelhandel wollte zum 1. April mit einer Selbstverpflichtung nachziehen. Doch daraus wird vorerst nichts. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verweigert der Vereinbarung die Unterschrift: Sie ginge nicht weit genug.

 

Zu viele Ausnahmen, zu wenig Beteiligung

„Es ist eigentlich sehr zu begrüßen, dass sich die Bundesregierung vom Handelsverband nicht hat in den April schicken lassen“, kommentiert Thilo Maack, Meeresbiologe und Greenpeace-Experte für Ozeane, die Entscheidung im ZDF-Morgenmagazin. Zum einen machen bislang zu wenige Unternehmen freiwillig mit, außerdem gilt die Vereinbarung nicht für dünnwandige Plastikbeutel, wie man sie sich etwa in der Gemüseabteilung von der Rolle abreißt. Kommt der Handelsverband nicht von selbst zu einer Lösung, schreibt die Regierung ihm eine vor.

Diese gesetzliche Regelung ist notwendig, wenn die Plastiklawine wirklich aufgehalten werden will. Das nur zaghafte Entgegenkommen des Einzelhandels zeigt, dass es ihm mit einer deutlichen und wirksamen Reduzierung des Volumens nicht ernst ist. Ein Gesetz würde ebenfalls bedeuten, dass die Abgabe eine Steuer wäre – und nicht eine weitere Einnahmequelle für den Handel. Mit dem Geld könnten Umweltprojekte angeschoben werden: beispielsweise Alternativlösungen für Plastikbeutel.

Mehr Plastik darf es nicht werden

Es ist höchste Zeit: Man vermutet bislang rund 150 Millionen Tonnen Plastikabfall im Meer, in riesigen Müllstrudeln zirkuliert er in den Ozeanen. Der größte davon ist im Nordpazifik: Der sogenannte „Great Pacific Garbage Patch“ wurde 1997 entdeckt und hat die Größe von Mitteleuropa. Dieser Müll bleibt im Meer – Plastik zerfällt in immer kleinere Teile, aber verrottet nicht. Bislang gibt es kaum Möglichkeiten das Meer davon zu säubern. Auch darum ist ein Verbot von vermeidbarem Plastikmüll dringend notwendig: Mehr darf es nicht werden.

An der Spitze der eingangs erwähnten Rangliste steht Dänemark mit vier Plastiktüten pro Kopf im Jahr, dort sind sie seit 1994 kostenpflichtig. Mit derselben Maßnahme reduzierte Irland den Verbrauch um 98 Prozent. International geht der Senegal mit einem Verbot vorbildlich voran. Plastiktüten sind also keineswegs unumgänglich, niemand ist auf sie angewiesen.

Alternativen wie Einweg-Papiertüten oder vermeintlich biologisch abbaubare Plastiktüten werden mit hohem Energieaufwand und hohem Chemikalieneinsatz produziert und sind darum nicht zu empfehlen. Besser ist es, mit Rucksack oder Stoffbeutel einkaufen zu gehen. Einen Heiligenschein tragen allerdings auch Mehrweg-Tragetaschen nicht: Dank des hohen Wasser- und Energieverbrauchs bei der Herstellung leistet auch ein Jutebeutel erst nach mehr als 20 Verwendungen einen Beitrag zum Umweltschutz. 

Vogel über Müllberg

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