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Greenpeace-Protest gegen Ölsandabbau in Kanada im Mai 2010
Santiago Engelhardt / Greenpeace

Teersand in Kanada: Das dreckigste Industrieprojekt der Welt

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Weite und unberührte Natur so weit das Auge reicht. So kennen und lieben wir Kanada. Doch die Zeiten ändern sich - zumindest in der Provinz Alberta. Hier fallen jahrhundertealte Urwälder der Gier zum Opfer. Denn unter dem Wald liegt Teersand, aus dem unter hohem Energieeinsatz Erdöl gewonnen wird. Diese Form der Energiegewinnung setzt dreimal so viel schädliche Klimagase frei wie die konventionelle Ölförderung. Trotz riesigen Aufwands locken hohe Gewinne. Da der Preis für Öl weiter steigt, lohnt sich mittlerweile auch diese extrem aufwändige Form der Förderung.

Für den Abbau des Teersandes müssen nicht nur riesige Urwaldgebiete gerodet werden: Bei der Trennung von Öl und Sand fallen täglich knapp zwei Millionen Barrel giftigen Schlamms an. Dieses Nebenprodukt der Teersandförderung enthält u.a. Arsen und Quecksilber. Vermischt mit Wasser wird es einfach in natürliche Senken gepumpt. Die toxische Brühe sickert ins Grundwasser und vergiftet dort landende Wasservögel. Ein Gebiet von der Größe Englands, insgesamt etwa 149.000 Quadratkilometer, ist in Gefahr, in eine Wüste aus giftigem Schlamm verwandelt zu werden.

Greenpeace stellt sich gemeinsam mit den kanadischen Ureinwohnern diesem dreckigsten Industrieprojekt auf unserem Planeten in den Weg.

Kanada selbst ist Ende 2011 aus dem Kyoto-Protokoll ausgetreten, dem einzigen weltweiten Klimaabkommen, welches eine frühere Regierung als Erstunterzeichner 1997 mit verantwortet hatte. Ein wichtiges Argument für diesen Schritt waren die durch den Ölsandabbau massiv gestiegenen Emissionen: Die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtung sei nicht möglich. Kanada hatte, statt wie zugesichert die CO2-Emissionen im Verhältnis zu 1990 zu senken, diese um mehr als 30 Prozent erhöht.

Neuer Pipelinebau in den USA und Kanada bedroht die Umwelt

Die Proteste gegen den Ölsandabbau sind auch in den USA und Großbritannien massiv. In den USA wird der größte Teil des Ölsands weiterverarbeitet. Um dies weiter auszubauen soll eine Pipeline, die Keystone XXL, bis nach Texas an den Golf von Mexiko gebaut werden. Gegen diesen Pipelinebau protestierten überall an der Strecke massenhaft Menschen. Der Gipfel des Protests war eine Umzingelung des Weißen Hauses mit zehntausenden und hunderten Festnahmen auch prominenter Umweltschützer. Die Entscheidung über den Bau wurde daraufhin von Präsident Obama bis nach der Wahl vertagt.

In Kanada selbst ist eine weitere Pipeline in Richtung Westen, nach British Columbia an den Vancouver Sound geplant. Diese Enbridge Northern Gateway Pipeline würde durch bisher unberührte Gebiete der Rocky Mountains an eines der schönsten Küstengebiete Kanadas führen. Am Ende sollen dafür nördlich von Vancouver Terminals gebaut werden, damit Ölsandprodukte auch schneller und einfacher auf die asiatischen Märkte transportiert werden können.

Bei dieser Pipeline soll wieder einmal Land, welches seit Jahrhunderten den Ureinwohnern Kanadas (den First Nations) gehört, gegen deren Willen genutzt werden. Auch die Risiken von großflächigen Umweltverschmutzungen durch immer wieder vorkommende Pipelinebrüche sollen auf die dort lebenden Menschen abgewälzt werden.

Europa kann Einfluss nehmen

Noch in diesem Jahr soll die europäische Kraftstoff-Qualitätsrichtlinie (auf Englisch abgekürzt FQD) von den EU-Kommissaren beschlossen werden. Der ursprüngliche Vorschlag beinhaltete eine Formulierung, dass Kraftstoffe, zu deren Herstellung mindestens 15 Prozent mehr Energie benötigt wird als durchschnittlich, nicht oder nur in eng begrenzten Mengen in Europa zugelassen werden. Auf Produkte aus Ölsand würde das zutreffen.

Die kanadische Regierung arbeitet seit Jahren über ihre Botschaften und mit Lobbyisten in Brüssel und den europäischen Hauptstädten daran, diese Richtlinie zu verwässern. Dabei schrecken die kanadischen Vertreter auch nicht vor Drohungen mit Verfahren bei der WTO zurück. Es gilt jetzt, die EU-Kommission und die Umweltminister davon zu überzeugen, das Ölsand in Europa nichts zu suchen hat.

  • Greenpeacer entnehmen Proben an Staubecken von Ölsandförderstellen im Juli 2009

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