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Aus den Papieren gehe vielmehr hervor, dass Union Carbide Einsparungsmaßnahmen bei entscheidenden technischen Vorrichtungen der Katastrophen-Fabrik vorgenommen hatte, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin 'New Scientist'. Nachdem Überlebende des Bhopal-Desasters eine Gemeinschaftsklage im Staate New York eingereicht hatten, ordnete das Gericht nun die Veröffentlichung der internen Firmenpapiere an.

Die Katastrophe ereignete sich nach Recherchen des New Scientist, weil keine ausreichenden Vorrichtungen gegeben waren, die die zufällig ablaufende chemische Reaktion hätten unter Kontrolle bringen können, bei der die giftigen Gase entstanden. Während in jeder vergleichbaren Chemiefabrik des Konzerns in den USA bauliche Maßnahmen dazu vorhanden waren, fehlten sie in der indischen Fabrik. Aus einem internen Memo von 1972 gehe hervor, dass die Firmenzentrale in den USA für den Entwurf der indischen Fabrik zuständig gewesen sei, so der New Scientist.

Zur Erinnerung: Anfang Dezember 1984 entwich tödliches Gas aus der Pestizid-Fabrik in Bhopal. Innerhalb von drei Tagen hatte es über 8.000 Menschen getötet. Bis heute sind 20.000 Personen, die den Gasen ausgesetzt waren, an den fortschreitenden Gesundheitsschäden gestorben. Rund 150.000 der Überlebenden leiden unter chronischen Krankheiten und Schmerzen.

Das inzwischen verlassene Fabrikgelände ist übersät mit mehreren Tonnen Gift-Chemikalien, die das Erdreich und das Trinkwasser verseuchen. Den Überlebenden steht keine ausreichende medizinische Versorgung zur Verfügung. Sie hatten lediglich knapp 500 US-Dollar Entschädigung aus einem Fond erhalten, der ohne Zustimmung der Betroffenen zwischen Union Carbide und der indischen Regierung ausgehandelt worden war. Das Geld reicht für allerhöchstens fünf Jahre medizinische Betreuung.

In dem Firmen-Memo von 1972 wird vor möglichen wirtschaftlichen Nachteilen gewarnt, die entstünden, wenn Union Carbide wie von der indischen Regierung gefordert Investitionen in dem Land getätigt hätte, berichtet der New Scientist. Deswegen strich Union Carbide den Investitionsbetrag kurzerhand zusammen. Einsparungen trafen vor allem die Pestizidfabrik in Bhopal, wo das Schädlingsbekämpfungsmittel Sevin hergestellt werden sollte.

Aus einem weiteren Memo geht hervor, dass dann in der Sevin-Fabrik unzureichend getestete Technologien zum Einsatz kamen. Der New Scientist zitiert aus dem Papier, dass das Pestizid-Produktionssystem nur einem beschränkten Testlauf unterzogen worden war.

Union Carbide hat Anfang der 80er Jahre bewusst in Punkto Arbeitssicherheit die Standards in Bhopal gesenkt, sagt Andreas Bernstorff, Chemieexperte bei Greenpeace. Das Motiv war eindeutig - Kosten einsparen. Damit ist ein subjektives Verschulden gegeben, das an Vorsatz grenzt, nicht nur ein objektives. (mir)

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