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Reaktionen der Hersteller auf den Test zu Outdoor-Textilien

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Greenpeace hatte 17 Kleidungsstücke namhafter Outdoor-Marken untersucht und in allen Proben poly- und/oder perfluorierte Chemikalien (PFC) entdeckt. Schöffel, Adidas und Co. reagierten schnell und stellen sich in ihren Stellungnahmen als verantwortungsbewusste Unternehmen dar. Adidas setzt sich dafür ein, "dass unsere Produkte umweltverträglich sind und für den Konsumenten keine Beeinträchtigungen hervorrufen." Gleichzeitig ist das Unternehmen jedoch nicht bereit, auf eben diese umwelt- und gesundheitsschädlichen PFC zu verzichten. Am Beispiel der in die Luft ausgasenden FTOH – einer Untergruppe der PFC – wird dies besonders deutlich: Statt im Sinne des Vorsorgeprinzips zu handeln und folglich FTOH nicht mehr zu verwenden, verweist Adidas darauf, "dass genaue toxikologische Forschungsergebnisse" noch nicht existieren und windet sich heraus: "Eine weitere wissenschaftliche Prüfung wäre hier zu begrüßen". Wissenschaftlich bewiesen ist schon jetzt, dass FTOH zum Teil in PFC umgeformt werden können, deren schädigende Wirkung auf Leber, Fortpflanzung und Hormonsystem bekannt ist.

"Wenn Adidas verantwortungsvoll mit seinen Kunden und mit der Umwelt - besonders in den Produktionsländern – umgehen will, darf das Unternehmen nicht auf endgültige Beweise warten", so Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace.

Auch VAUDE bekennt sich zum Entgiften und möchte „bis 2015 Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster“ werden. Entschieden habe sich VAUDE „bereits vor Jahren für den konsequenten Ausstieg aus PFC“. VAUDE steigt aber nur aus einem Teil der PFC-Chemie aus - der so genannten C8-DWR (durable water resistance – dauerhaft wasserabweisende Ausrüstung) und bekennt sich zum fortgesetzten Einsatz von PFC mit der so genannten C6-DWR als „Brückentechnologie“.

Die Wirklichkeit ist: Eine der beiden getesteten Jacken von VAUDE war sowohl mit C6- als auch mit C8- und sogar C10-PFC belastet. Offenbar wird C8-DWR nach wie vor eingesetzt - genau wie beim letzten Test vor einem Jahr.

Keine Transparenz über eingesetzte Chemikalien

Das Unternehmen versucht, die Verantwortung auf den Verbraucher zu schieben: Die gewünschte Funktionalität sei ohne diese Chemikalien nicht möglich. Ohne PFC-Ausrüstung „lassen die Produkte Wasser und Schmutz nicht einfach abperlen“, schreibt VAUDE. Für den Benutzer führe das zu einem „klammen, feuchten Gefühl beim Tragen“. Die Verbraucher werden jedoch erst in der Stellungnahme über die eingesetzten Chemikalien informiert, nicht aber beim Kauf des Produktes.

„VAUDE und alle anderen Outdoor-Hersteller müssen für den Einsatz und die Folgen gefährlicher Chemikalien in ihrer Produktion die Verantwortung tragen. Verbraucher müssen über Risiken und Alternativen nicht nur des Produkts, sondern auch der Produktion aufgeklärt werden“, so Santen weiter.

Umweltfreundliche Alternativen nur vorgetäuscht

Die Ausweichstrategie von Goretex und im Schlepptau Adidas, The North Face, Patagonia und auch VAUDE sowie der Zertifizierer Bluesign: Zeit gewinnen auf Kosten der Umwelt, indem sie von der C8-Fluorchemie auf die angeblich ungefährliche C6-Fluorchemie umsteigen. C6-PFC-Substanzen reichern sich jedoch genauso in der Umwelt an, besonders im Grundwasser. Noch dazu verbreiten sie sich viel schneller als die herkömmlichen C8-PFC durch die Luft.

Die kürzerkettigen PFC sind mobiler, flüchtiger und schon jetzt überall auf der Welt nachzuweisen – sie sind damit keine Alternative. Die Zukunft liegt in der PFC-freien Technologie, nur so kann auch die Outdoor-Bekleidung umweltverträglicher produziert werden.

Erste PFC-freie Produktreihen in der wasserabweisenden Ausrüstung gibt es bereits von Firmen wie Kaikkialla, Jack Wolfskin und Puma. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es noch zu Umstellungsschwierigkeiten und geringen PFC-Rückständen kommt.

Greenpeace Outdoor Report

Greenpeace Outdoor Report

44 | DIN A4

3.32 MB

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