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Blue Jeans - eine Katastrophe für Chinas Umwelt

Xintang ist bekannt als "Welthauptstadt der Blue Jeans". Jährlich verlassen 260 Millionen Stück die Fabriken. Sie landen in den USA, in Russland, in der EU. Auch in Deutschland sind sie allgegenwärtig. Chinas Textilindustrie boomt. Doch ihre Chemikalien vergiften Leben und Umwelt der Chinesen.

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Am Perlfluss (Pearl River), in der südostchinesischen Provinz Guandong, liegen zwei der weltweit größten Ballungszentren der Textilindustrie. Die zweite neben Xintang ist die Stadt Gurao - auch "City of Sexy" genannt. 200 Millionen BH werden dort jährlich produziert. Die Stadt lebt zu 80 Prozent von der Unterwäsche-Produktion.

Ein Greenpeace-Team um den Chemieexperten Mariah Zhao bereiste die Region von April bis September 2010, um Feldstudien durchzuführen. Sie waren schockiert über das Ausmaß der Umweltschäden.

Ihr Bericht "Intimate Pollution", am 30. November in Peking veröffentlicht, fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen. Wasser- und Sedimentproben, genommen in der Nähe der beiden Ballungszentren, weisen alarmierende Mengen an giftigen Schwermetallen auf. Allein der Cadmium-Gehalt überschreitet bis zu 128-mal die chinesischen Richtwerte. Hinzu kommen hohe Konzentrationen von Kupfer und Blei.

Dabei machen Schwermetalle nur einen kleinen Teil aus. Beim Färben, Bleichen, Waschen und Bedrucken von Textilien werden Unmengen gesundheitsschädigender Chemikalien eingesetzt. Dazu gehören Dauergifte (POPs, Persistent Organic Pollutants) wie Nonylphenol, Octylphenol und perfluorierte Sulfonate (PFOS).

In Deutschland haben Greenpeace-Aktivisten in den 1980er und 1990er Jahren mit spektakulären Aktionen dazu beigetragen, dass die Flüsse sauberer wurden. Nicht ohne Grund gibt es hierzulande kaum noch Produktionsstätten der Textilindustrie.

Dazu Manfred Santen, Chemieexperte bei Greenpeace: "Auch wenn deutsche Gewässer heute zu den saubersten der Welt zählen - Verbraucher und Verbraucherinnen müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Umweltverschmutzung nicht gestoppt, sondern in andere Weltregionen verlagert wurde."

Die Menschen in den neuen Ballungsgebieten der Textilindustrie leiden unter der Umweltverschmutzung. Vor allem in China, das rund die Hälfte des gesamten Textilweltmarkts beliefert. Xintang und Gurao sind nur zwei von 133 Ballungszentren. Welche Mengen an giftigem Quecksilber, Cadmium, Chrom, Blei und Kupfer dort tatsächlich in die Umwelt gelangen, begleitet von einer Vielzahl anderer giftiger Chemikalien, weiß kein Mensch.

Ren Shao* ist Wanderarbeiter und nach Gurao gekommen, um in einer der Textilfabriken zu arbeiten. "Das Wasser ist von den Färbereien stromaufwärts belastet. Manchmal stinkt es ganz fürchterlich. Und ständig ändert sich die Farbe des Wassers", berichtet er. Eine Bewohnerin des Dorfes Ximei erzählt, dass sie ihre Fenster nicht mehr zu öffnen wagen. "Es stinkt so sehr."

* Name geändert

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