Skip to main content
Jetzt spenden
Lake Baikal
Takeshi Mizukoshi / Greenpeace

Die Russen nennen ihn den Brunnen des Planeten

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

 

Kronjuwel Russlands

Der Baikalsee ist 635 Kilometer lang. An seiner breitesten Stelle ist er 80 Kilometer, an der schmalsten Stelle 23 Kilometer breit. Er hat 333 Zuflüsse und damit ein Wassereinzugsgebiet von der Größe Frankreichs, aber nur einen einzigen Abfluss, den Angara im Süden des Sees. Im Vergleich zum umliegenden Gebiet ist der Winter am Baikalsee milder und der Sommer kühler. Die durchschnittlichen Lufttemperaturen in Januar und Februar betragen -19 °C und +11 °C im August. Die Temperatur an der Wasseroberfläche liegt im eisfreien Teil des Sees im August bei 9 bis 12 °C, in Ufernähe gibt es manchmal sogar Badetemperaturen von 20 °C. Der Baikalsee friert im November bis Januar zu, das Eis bricht im Mai.

Blaues Herz der Taiga

Nicht nur der See selbst, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt in und um den Baikalsee ist einzigartig auf der Welt. Über 2.600 Arten leben im Wasser und an den Uferzonen, davon sind rund zwei Drittel endemisch, d.h. sie kommen nur hier in der Region vor. Zu den am Baikalsee lebenden Tierarten gehören Bären, Wölfe, Luchse und Elche, aber auch Schwarzstörche und Fischadler. Zu den nur im Baikalsee vorkommenden Arten gehört die Baikalrobbe, der lachsähnliche Omul oder der Kleinkrebs Epischura. Eine besondere Bedeutung hat der Baikalsee auch als Rastplatz für viele Millionen von Zugvögeln, allein im Selenga-Delta sind es über fünf Millionen.

Der Reichtum des Baikalsees ist auch gleichzeitig die Lebensgrundlage der Menschen, sei es für die Ureinwohner Sibiriens, die Burjaten, die Jakuten oder auch die Russen. Seit Jahrtausenden leben Menschen an den Ufern dieses faszinierenden Gewässers. Irkutsk ist heute mit rund 650.000 Einwohnern die größte Industrie- und Handelsstadt und das kulturelle Zentrum am Baikalsee. Die Stadt liegt am Ufer des Angara, des südlichen Abflusses des Sees.

Schutz der UNESCO

Der Baikalsee kann zweifelsohne als ein Naturwunder bezeichnet werden. Genau dies hat auch Greenpeace Russland dazu bewogen, für den internationalen Schutz dieses Sees zu kämpfen und die Aufnahme in die UNESCO-Liste der Weltnaturerbe der Menschheit voranzutreiben. Weitere prominente Mitglieder der UNESCO-Liste sind der Everglades National Park und der Gran Canyon in den USA, das Okapi Wildlife Reserve in Zaire in Afrika oder das Belize Barrier Reef Reserve System in Mittelamerika. In ihrer Sitzung im Dezember 1996 erklärte die UNESCO den Baikalsee zum Weltnaturerbe.

In dem Protokoll des Beschlusses heißt es: Der Ausschuss erklärt den Baikalsee als das hervorragendste Beispiel eines Süßwasserökosystems auf der Basis von natürlichen Kriterien. Es ist der älteste und tiefste See der Welt, der nahezu 20 Prozent des nicht gefrorenen Süßwassers der Welt beinhaltet. Der See enthält eine bemerkenswerte Vielfalt endemischer Flora und Fauna, die von außergewöhnlicher Bedeutung ist für die evolutionäre Wissenschaft. Er ist umgeben von einem System geschützter Gebiete, die einen hohen landschaftlichen und natürlichen Nutzen haben. Der Ausschuss nahm Notiz von der Bestätigung der neu festgelegten Grenzen der Gebiete, die zu den Kernzonen gehören, die im Baikalsee-Gesetz definiert sind (ausgeschlossen sind urbane Gebiete). Es wird ebenfalls festgehalten, dass sich das spezielle Baikalsee-Gesetz nun in seiner zweiten Lesung in der Duma, dem russischen Parlament, befindet. Das Protokoll äußert aber auch Bedenken über eine Anzahl von ausstehenden Fragen, einschließlich der Verschmutzung, die den russischen Behörden nahe gelegt werden sollten.

Greenpeace Russland hat entscheidend dazu beigetragen, dass die UNESCO den Baikalsee zum Weltnaturerbe erklärte und ihn damit unter den Schutz und die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft stellte. Greenpeace arbeitete der russischen Regierungskommission und der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften zu. Die Photo- und Videoaufnahmen von Greenpeace wurden als Illustrationen für die Nominierung verwendet. Greenpeace Russland organisierte für Vertreter der UNESCO einige Besichtigungsreisen an den Baikalsee und vermittelte die Verhandlungen mit Mitgliedern der Russischen Föderation.

Nur Schutzabsicht erklärt

An der Entstehung des Gesetzes zum Schutz des Baikalsees war Greenpeace Russland ebenfalls beteiligt. Der erste Gesetzesentwurf wurde 1993 in die Duma eingebracht. Das Gesetz wurde 1999 verabschiedet. Unglücklicherweise ist das Gesetz in seiner letzten Version nur eine Schutzabsichtserklärung. Damit es als ein rechtsgültiges Gesetz wirksam wird, müssen noch 27 Resolutionen, Anordnungen und Anweisungen, die alle die menschlichen Belange am Baikalsee betreffen, in geltendes Recht umgesetzt werden. Greenpeace fordert: Die Umsetzung des Baikal-Gesetzes, um den See besser vor den Auswirkungen industrieller Verschmutzung und Wilderei schützen zu können.

V.i.S.d.P.: Thomas Henningsen, 4/2000

  • Lake Baikal eagle

    Lake Baikal eagle

    Überspringe die Bildergalerie
  • Eisschollen schwimmen auf dem Baikalsee April 2004

    Eisschollen auf dem Baikalsee

    Überspringe die Bildergalerie
  • Baikal Seals

    Baikal Seals

    Überspringe die Bildergalerie
  • Lake Baikal camp

    Lake Baikal camp

    Überspringe die Bildergalerie
  • Baikal Seals

    Baikal Seals

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

"No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

Tiefsee-Arten vom Aussterben bedroht

  • 12.05.2022

Die Artenvielfalt in der Tiefsee ist bedroht – doch statt sie stärker zu stützen, soll bald in der Tiefe Bergbau betrieben werden. Dagegen protestiert Greenpeace in Rotterdam.

mehr erfahren
Eine stattliche Tristan Languste auf einem der Hänge des Tiefseebergs Vema, der mit Algen, Weichkorallen, Hydroiden, Bryozoen (Moostieren) und bunten Schwämmen bedeckt ist.

Tiefseeberg Vema: Artenvielfalt im Atlantik

  • 21.04.2022

Das Greenpeace-Aktionsschiff Arctic Sunrise hat bei einer Expedition zum Tiefseeberg Vema große Artenvielfalt und überraschende Forschungsergebnisse entdeckt.

mehr erfahren
Baitball on Ningaloo Reef

Höchste Zeit für Hochseeschutz

  • 18.03.2022

Nur ein Hundertstel der Hohen See ist geschützt. Die UN verlangt mehr Meeresschutz und erarbeitet darum ein internationales Abkommen. Geschichtsträchtig – wenn es klappt!

mehr erfahren
Chinstrap Penguins in Antarctica

Naturparadies Antarktis

  • 07.01.2022

Die Antarktis ist ein extremer Lebensraum mit einzigartiger Flora und Fauna. Greenpeace untersucht auf einer neuen Expedition die Folgen der Klimakrise und schützenswerte Lebewesen am Meeresgrund.

mehr erfahren
Baby Sea Turtle and Plastic on Bangkuru Island, Sumatra

Plastik im Meer

  • 06.01.2022

Jede Minute gelangt auf der ganzen Welt Plastik in der Größe einer Müllwagenladung in die Ozeane. Die Weltmeere leiden zunehmend darunter – sie sind zur Mülldeponie geworden.

mehr erfahren
Adeliepinguine in der Antarktis

Hängepartie fürs ewige Eis

  • 29.10.2021

Die Antarktis-Kommission CCAMLR versagt wieder beim Antarktis-Schutz.

mehr erfahren