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Aus Plastikmüll gelegter Schriftzug "Trash" am Strand von Hawaii
Alex Hofford / Greenpeace

Müllkippe Meer

Wie viel Müll das Meer in sich trägt und beizeiten an die Küsten spült, bekommen viele Menschen gar nicht mit. Touristische Strände werden fein sauber gehalten. Abseits davon sieht das Bild anders aus: Plastiktüten, Dosen und PET-Flaschen, verrostete Eisenteile, Glasscherben, Bretter, Reste von Fischernetzen und allerlei mehr. Müll, der einst rücksichtslos am Strand liegen gelassen wurde, von Schiffen aus entsorgt oder in Flüsse und ins Meer geweht wurde. Und es wird immer mehr.

Plastik verrottet nicht

Eine robuste Plastikflasche etwa braucht schätzungsweise 400 Jahre, um abgebaut zu werden. In einigen Meeresregionen sammelt sich der Müll in gewaltigen Strudeln, so im Nordostpazifik nördlich von Hawaii – auf einer Fläche so groß wie Mitteleuropa.

Für die Bewohner der Meere ist unser Zivilisationsmüll ein Desaster: In umhertreibenden sogenannten Geisternetzen, Schnüren oder Sixpack-Trägern aus Plastik verheddern sich oft Seevögel, Schildkröten, Robben und Kleinwale. Viele ersticken oder verhungern in Folge. Durch Seegang, Salz und Sonne zerfällt Plastik in immer kleinere Teile, die für Fische und Vögel immer noch gefährlich sind, soweit sie gefressen werden. Die Tiere verhungern oder verdursten, da Plastik ihre Mägen verstopft.

Schwarzes Gold, schwarzer Tod

Erdöl besteht aus rund 10.000 einzelnen Substanzen, hauptsächlich aus Kohlenstoffverbindungen neben Stickstoffverbindungen und Schwermetallen. Viele Substanzen sind giftig. Dabei ist Erdöl ein Naturprodukt: Ablagerungen abgestorbener Kleinstlebewesen und Algen wurden von Sand, Steinen und Schlamm bedeckt und ohne Sauerstoff unter dem Meeresgrund eingeschlossen. Durch hohen Druck, Hitze und Bakterien wandelte sich das organische Material binnen Millionen Jahren zu Erdöl. Gelangt etwas davon aus seinem „Safe“ in der Erdkruste zurück ins Meer, kann es von Bakterien abgebaut werden.

Wenn eine regelrechte Ölpest auftritt – wie nach der Havarie des Tankers Exxon Valdez 1989 vor Alaska oder der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon 2010 im Golf von Mexiko, sind die Selbstheilungskräfte der Natur überfordert. Zu den plakativsten Opfern zählen ölverschmierte Seevögel: Das Öl verklebt ihr Gefieder und macht deren Kälteisolierung zunichte. Bei vielen anderen Meereslebewesen, die Öl aufnehmen, werden Wachstum, Stoffwechsel und Fruchtbarkeit gestört.

Etwa drei Milliarden Tonnen Rohöl wurden 2016 über die Weltmeere transportiert. Das Risiko fährt mit. Immerhin – 2001 beschloss die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) ein Verbot der besonders unsicheren einwandigen Tanker, angeregt auch durch zahlreiche Proteste von Greenpeace und anderen Umweltorganisationen. Seit 2015 dürfen nur noch Doppelhüllentanker die Ozeane befahren. Doch „Kleinvieh macht auch Mist“: Viele Schiffe reinigen ihre Tanks illegal auf See, Bohrplattformen verschmutzen das Meer auch im normalen Betrieb mit stetig geringen Mengen, weiteres Öl gelangt über Industrieabwässer ins Meer.

Dünger auf Abwegen

Selbst weit entfernt betrieben, kann auch die Landwirtschaft dem Meer schaden: Pestizide und Düngemittel werden durch Regen in Bäche und Flüsse und weiter ins Meer gespült. Pestizide reichern sich in der Nahrungskette an und machen besonders größere Räuber wie Haie oder Eisbären krank. Kunst- und Naturdünger, meist Gülle, düngen auch das Meer – in der Fachsprache "Eutrophierung" genannt.

So vermehren sich viele Algen explosionsartig und überwuchern andere Wasserpflanzen wie zum Beispiel Seegras. Damit nicht genug: Abgestorbene Algen sinken zum Grund und werden von Mikroorganismen abgebaut, was viel Sauerstoff verbraucht. Nach einer Algenpest führt das zu regelrechten Todeszonen unter Wasser, und viele Meerestiere ersticken. Auch in der Nord- und Ostsee ist dieses Phänomen oft beobachtet worden.

Baden im Chemie-Cocktail

Einige Industrieabwässer enthalten Schwermetalle wie Quecksilber, Nickel und Blei. Einmal über die Nahrung aufgenommen, reichern sie sich im Körper von Fischen und anderen Meerestieren an. Dort können sie die Funktion wichtiger Enzyme stören, krebserregend wirken oder das Gewebe schädigen. Erfreulicherweise wurde die Belastung durch neue Filter und Abwassertechniken in den vergangenen Jahren in Deutschland reduziert. Immerhin. Heute sind die Altlasten von Schwermetallen das größte Problem. Gerade in den Sedimenten der Mündungsbereiche großer Flüsse finden sich hochkonzentrierte giftige Schwermetall-Cocktails. Flussmündungen werden für die Schifffahrt regelmäßig ausgebaggert, um eine hinreichende Wassertiefe zu gewährleisten. Eigentlich wäre dieses Baggergut Sondermüll, doch meistens landet es wieder im Meer.

Die Lösung

Die Verschmutzung der Meere kann nur durch die konsequente Umsetzung bereits bestehender Regeln gestoppt werden. Dazu brauchen wir mehr Kontrollen auf See, in den Häfen und an Abwasserausflüssen sowie harte Strafen bei Vergehen. Schifffahrt, Offshore-Industrie und Landwirtschaft müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden. Und jeder Einzelne ist gefordert, weniger Müll zu produzieren und diesen sauber zu entsorgen.

(Stand: Oktober 2018)

  • In der Bucht von Manila, Philippinen, badet ein Junge inmitten von Müll.

    Bad im Müll

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  • Greenpeacer schöpft den Plastikmüllteppich in der Bucht von Manila ab. August  2006

    Müllfischen

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  • Verendeter Vogel nach einem Ölunfall vor der Küste der Insel Salamis, Griechenland

    Tod im Öl

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  • Greenpeace-Aktivisten im Pazifik vor einer Ölbohrplattform von Shell

    Für Meere ohne Ölförderung

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  • Plastikmüll liegt am Strand von Hawaii im Pazifik. Dezember, 2006

    Plastikmüll am Badestrand

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  • Grafik Müllstrudel Hawaii. 2006

    Müllstrudel Hawaii

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