Skip to main content
Jetzt spenden
humpback whale

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Greenpeace Online: Was wird deine Aufgabe sein bei dem Jahrestreffen in Anchorage?

Thilo Maack: Ich fahre als Greenpeace-Beobachter dorthin. Im Vorfeld habe ich schon sehr viel mit der deutschen Delegation zu tun gehabt. So war ich beteiligt an dem Entschließungsantrag, der bereits durch den deutschen Bundestag gegangen ist. Durch diesen Entschließungsantrag wird der Walschutzgedanke noch fester verankert. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Außerdem erhält die Bundesregierung dadurch ein ganz klares Mandat, sich in Anchorage für den Walschutz stark zu machen. Ich werde also sehr genau schauen, wie sich da die deutsche Delegation unter Führung des beauftragten Staatssekretärs, Gert Lindemann, vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verhält.

Greenpeace Online: Was erwartest du von der 59. Tagung?

Thilo Maack: Wir hoffen, dass zum Beispiel eine starke Resolution gegen den wissenschaftlichen Walfang zustande kommt. Die Japaner sagen, sie betreiben Waljagd zu wissenschaftlichen Zwecken, aber das hat mit Wissenschaft herzlich wenig zu tun, sondern das ist im Grunde kommerzielle Waljagd.

Wenn man sich zum Beispiel das Fabrikverarbeitungsschiff der Japaner anguckt, da ist unten eine ganze Verarbeitungsstraße drin, um die geschossenen Wale in Dosen und Pappkartons zu verpacken. Und die einzige Wissenschaft, die auf diesem riesigen Schiff stattfindet, ist in zwei kleinen Labors. Trotzdem läuft das Ganze unter wissenschaftlicher Waljagd.

Greenpeace Online: Welche Wale werden von den Japanern gejagt?

Thilo Maack: In der Regel vor allem Minke-Wale. Seit kurzem auch gefährdete Finn- und Seiwale. Und in der Saison 2007/2008 wollen die Japaner das Artenspektrum der Wale, die sie jagen, nochmals ausweiten. Sie nehmen dann auch Buckelwale ins Visier, eine stark gefährdete Walart.

Greenpeace Online: Gibt es denn in Japan eine nennenswerte Nachfrage nach Walfleisch?

Thilo Maack: Die Kids in Japan wollen lieber Pommes und Burger essen als Walfleischsushi. Das ist ganz offensichtlich, wenn man sich die Verkaufszahlen von Walfleisch anschaut. Sie sind im Sinken begriffen. Zum Teil wird Walfleisch deshalb verschenkt. Zum Teil wird es zu Hundefutter verarbeitet. Und zum Teil wird es einfach weggeschmissen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Hühner- und Rindfleisch in Japan. Das heißt, es wird mit vielen Millionen Subventionsgeldern in Japan eine völlig anachronistische Sache aufrecht erhalten, die eigentlich überhaupt keinen Platz im 21. Jahrhundert haben sollte - Walfang.

Greenpeace Online: Mit unser Aktion am Montag in Berlin haben wir darauf hingewiesen, dass den Walen und Delfinen neben der Jagd noch andere Missstände zusetzen. Stichwort Beifang. Wo kommt da die IWC ins Bild?

Thilo Maack: Das ist eine unserer Kernforderungen, dass die Internationale Walfangkommission sich eben nicht nur der Waljagd widmet, sondern alle Bedrohungsfaktoren für Wale berücksichtigt. Durch die Waljagd sterben offiziell etwas mehr als 2000 Tiere - die Dunkelziffer liegt sehr viel höher. Aber die Beifänge in der Weltfischerei, also Wale, die mitgefangen werden, in den Netzen ertrinken und dann einfach weggeschmissen werden, liegt mit 300.000 Walen und Delfinen wesentlich höher. Hinzu kommt der Unterwasserlärm, der auch noch seine Opfer fordert oder die schleichende Vergiftung der Meere, die negative Auswirkungen auf die Walbestände hat. Das sind alles Sachen, die müssen natürlich von der IWC berücksichtigt werden.

Greenpeace ist zusammen mit der Bundesregierung und anderen Walschutznationen der Auffassung, dass es eine Modernisierung der Internationalen Kommission geben muss. Sie können so nicht weiter machen. Das ist ein vollkommen verkrustetes, veraltetes Gremium, dessen Konventionstext 1946 beschlossen wurde. Das ist natürlich archaisch.

Greenpeace Online: Thilo, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr zum Thema

"No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

Aufgedeckt: Gefahren des Tiefsee-Bergbaus auf der hohen See

  • 27.01.2023

Verdeckte Video-Aufnahmen der jüngsten kommerziellen Tiefsee-Bergbautests im Pazifik, die Greenpeace zugespielt wurden, zeigen, wie die Bergbauindustrie die Tiefsee zerstört.

mehr erfahren
Aktivist:innen auf der Beluga II im Hafen von Nexø, Bornholm

Greenpeace-Aktivist:innen untersuchen Folgen der Pipeline-Explosionen

  • 22.12.2022

Welche Auswirkungen haben die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines auf die Umwelt? Greenpeace-Aktive nahmen Proben, wir ordnen die Ergebnisse ein.

mehr erfahren
Lichterumzug Meeresleuchten

Aktion Meeresleuchten!

  • 13.11.2022

Lichtermeer für die Tiefsee: Am 12. November zogen 250 kleine und große Menschen durch die Hamburger HafenCity, um mit selbstgebastelten Laternen für den Schutz der Tiefsee zu demonstrieren.

mehr erfahren
Tiefseekrake Casper auf Meeresgrund

Hoffnung für Artenschutz in der Tiefsee

  • 12.11.2022

Bewegung auf internationaler Ebene: Einige Länder setzen sich gegen den Beginn des Tiefseebergbaus ein, darunter Deutschland.

mehr erfahren
Lemon Shark in French Polynesia

Sieben Tipps zum Meeresschutz

  • 29.09.2022

Meere gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Sieben Tipps, wie wir zum Schutz der Meere beitragen können.

mehr erfahren
Blauhai im Wasser

Haie kämpfen ums Überleben

  • 22.09.2022

Beim Schwertfischfang wird vier Mal mehr Hai gefangen als Schwertfisch. Das deckt ein neuer Greenpeace-Report auf. Er zeigt: Unsere Meere brauchen einen globalen Schutzvertrag

mehr erfahren