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Protest für Junichi und Toru beim Sommerfest der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Berlin, Juli 2008
© Santiago Engelhardt / Greenpeace

Chronologie des japanischen Walfleischskandals

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

15. April 2008: Das Fabrikschiff der japanischen Walfangflotte, die Nisshin Maru, dockt nach fünf Monaten Walfang im Südpolarmeer im Hafen von Tokio an. Besatzungsmitglieder senden mindestens 93 Kartons, die als persönliches Gepäck gekennzeichnet sind, mit einer Transportgesellschaft an ihre Heimatadressen.

Die Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki verfolgen die Kartons bis zu einer Lagerhalle in Aomori. Den beiden gelingt es, eines Kartons habhaft zu werden und den Inhalt zu prüfen. Sie finden darin 23,5 kg vom teuersten Walfleisch mit einem Marktwert bis zu 1200 Euro.

15. Mai 2008: Als Abschluss der viermonatigen Untersuchung geht Greenpeace Japan in Tokio mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit. In einem schriftlichen Dossier erläutern sie die Ergebnisse ihrer Untersuchung. Das Dossier übergeben sie zusammen mit dem Karton als Beweismittel der Staatsanwaltschaft.

16. Mai 2008: Greenpeace erfährt aus den Medien, dass die Transportgesellschaft aus Aomori einen Karton als gestohlen meldet - einen Monat, nachdem dieser entwendet wurde.

20. Mai 2008: Die Staatsanwaltschaft in Tokio bestätigt, dass Ermittlungen im Walfleischskandal aufgenommen werden, um den von Greenpeace erhobenen Anschuldigungen nachzugehen.

27. Mai 2008: Junichi und Toru übermitteln ihre detaillierte Aussage an die Staatsanwaltschaft in Aomori. Darin legen sie dar, was sie getan haben und warum sie den Karton entwendet haben.

20. Juni 2008: In den frühen Morgenstunden werden Junichi und Toru überraschend in ihren Wohnungen in Tokio von der Polizei verhaftet. Später werden sie nach Aomori überführt. Einsprüche, sie in Tokio zu inhaftieren, werden abgelehnt. Junichi und Toru werden in Aomori in Polizeigewahrsam genommen.

Währenddessen läuft eine Razzia im Tokioter Büro von Greenpeace Japan. Über vierzig Polizisten durchsuchen das Büro und nehmen Computer, Handys und Dokumente mit. Außerdem werden die Wohnungen von fünf weiteren Angestellten durchsucht.

Am selben Tag verkündet die Staatsanwaltschaft von Aomori, dass die Ermittlungen gegen den Schmuggel von Walfleisch eingestellt werden.

22. Juni 2008: Junichi und Toru erfahren, dass sie ohne konkrete Anklage für weitere zehn Tage in Untersuchungshaft bleiben müssen. Sie haben keinen Anspruch, gegen Kaution entlassen zu werden. Nach japanischem Recht können Personen bis zu 23 Tage ohne Anklage festgehalten werden.

30. Juni 2008: Rund um die Welt starten friedliche Protestkundgebungen, um unsere beiden Kollegen zu unterstützen. Die Forderungen sind klar: Freiheit für Junichi und Toru und die Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen die japanische Walfangflotte.

1. Juli 2008: Junichi und Toru erfahren, dass sie für weitere zehn Tage ohne Anklage festgehalten werden.

10. Juli 2008: 35 internationale Nichtregierungsorganisationen (NGO) veröffentlichen ein gemeinsames Statement, in dem sie ihre Besorgnis über den Fall ausdrücken.

11. Juli 2008: Junichi und Toru werden des Diebstahls und des Hausfriedensbruchs angeklagt und bleiben in Haft.

14. Juli 2008: Amnesty International drückt seine tiefe Besorgnis im konkreten Fall gegenüber dem japanischen Premierminister aus. Das Vorgehen der japanischen Regierung sei ein Versuch, Aktivisten und NGO einzuschüchtern. Weltweit fordert eine Viertel Million Menschen die Freilassung der Tokyo Two.

15. Juli 2008: Junichi und Toru kommen auf Kaution frei. Der Staatsanwalt erhebt Einspruch, dieser wird aber abgewiesen. Nach 26 Tagen in polizeilichem Gewahrsam kommen die beiden gegen Kaution endlich frei. Die Anklage gegen sie wird aber aufrechterhalten. Sie sind noch immer wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs angeklagt und müssen sich einem Gerichtsverfahren stellen. Ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Mehr als 252.000 Menschen weltweit haben Junichi und Toru mittlerweile unterstützt, indem sie eine Nachricht an den japanischen Premierminister schickten.

18. Juli 2008: Die japanische Fischereibehörde fordert eine interne Untersuchung über den Unterschlagungsskandal. Das Walforschungsinstitut ICR und das Walfangunternehmen Kyodo Senpaku überreichen als Antwort einen einseitigen Bericht. Darin heißt es, es habe keine Unterschlagung stattgefunden, da es sich bei dem Fleisch um Souvenirs gehandelt habe.

4. November 2008: Greenpeace gibt in einer Presseerklärung bekannt, ihre Anti-Walfangkampagne in dieser Fangsaison auf Japan zu konzentrieren und kein Schiff ins Südpolarmeer zu schicken. Wir werden den Walfang in Japan vor Gericht stellen!

9. Dezember 2008: Geschäftsführer von verschiedenen Greenpeace-Büros aus aller Welt (Japan, Deutschland, Holland, Australien, Schweiz, Brasilien, USA und Skandinavien) demonstrieren in Tokio für die Freilassung von Junichi und Toru und fordern ein Ende des Walfangs im Südpolarmeer. Sie übergaben dem japanischen Premierminister Aso gemeinsam einen Brief, in dem sie das Ende des politisch motivierten Prozesses gegen die beiden Greenpeace-Aktivisten fordern. Weltweit finden kurz vor dem 60. Jahrestag der UN-Menschenrechtsproklamation friedliche Demonstrationen vor japanischen Einrichtungen statt.

19. Januar 2009: Greenpeace hat sein Auskunftsrecht eingefordert, um die Unterlagen zu Walfleischverkäufen, sowie die vom ICR verfassten Berichte der vergangenen Jahre einzusehen. Nun erhält die Umweltschutzorganisation die entsprechenden Dokumente. Diese sind jedoch so umfangreich zensiert, dass sie nahezu keine Informationen enthalten.

13. Februar 2009: Die erste Anhörung vor der Hauptverhandlung findet statt.

19. März 2009: Greenpeace beantragt die Freigabe von unzensierten Fassungen der am 19. Januar ausgehändigten Dokumente.

23. März 2009: Bei einer Anhörung vor der Hauptverhandlung entscheiden die Richter in Aomori, dass die Anklage begründen muss, warum Beweismaterial zum Unterschlagungsvorwurf auszuschließen ist.

14. April 2009: Nach einer weiteren Saison im Südpolarmeer legt die Nisshin Maru in Shimonoseki an. Der Brauch, der Besatzung Walfleisch als Souvenir mitzugeben, wurde laut Insidern eingestellt.

15. Mai 2009: Das Gericht in Aomori erklärt sich bereit, Beweismittel zur Unterschlagung von Walfleisch zuzulassen.

4. August 2009: Bei einer Anhörung vor dem Hauptverfahren fordern die Richter die Anklage auf, alle Beweismittel im Zusammenhang mit der Unterschlagung auszuhändigen, damit sie ausgewertet werden können.

11. August 2009: Das Gericht in Aomori lehnt den Antrag der Verteidigung ab, wichtige Beweismittel offenzulegen. Darunter sind die polizeilichen Akten und die Aussagen des Mannes, dem der Karton mit dem unterschlagenen Walfleisch gehört. Junichi und Toru legen beim Obergericht Sendai Einspruch ein.

5. Oktober 2009: Das Obergericht Sendai lehnt den Antrag auf Offenlegung von Beweismitteln ab. Die Verteidigung geht mit ihrem Einspruch vor den Obersten Gerichtshof in Tokio.

November 2009: Mehr als 3.000 Anwälte, Privatpersonen und Organisationen, darunter auch Amnesty International, schreiben an den Obersten Gerichtshof in Tokio und unterstützen den Einspruch.

18. November 2009: Der Oberste Gerichtshof in Tokio weist den Offenlegungseinspruch zurück und nimmt Junichi und Toru somit eine wichtige Möglichkeit ihre Unschuld zu beweisen.

20. November 2009: Eine weitere Anhörung vor dem Hauptverfahren vergeht, ohne dass es zu einer Einigung über Zeugen oder Beweismittel kommt.

15. Januar 2010: In der letzten Anhörung vor der Hauptverhandlung hat das Gericht alle fünf Hauptzeugen der Verteidigung zugelassen. Die Hauptverhandlung soll am 15. Februar um 10 Uhr beginnen.

15. - 18. Februar 2010: Die Hauptverhandlung beginnt, kurz vorher lehnt es ein Berufungskomitee ab, die von Greenpeace gesammelten Beweise inklusive des Walfleisches zur Entkräftung der Diebstahls- und Hausfriedensbruchsvorwürfe vor Gericht zuzulassen. Erste Zeugen werden gehört.

15. - 19. März 2010: Während des zweiten Prozessabschnittes erhärtet sich der Verdacht eines weitreichenden Skandals in der japanischen Walfangindustrie durch die Aussagen eines früheren Mitarbeiters der Fangflotte. Die Zeugen der Anklage verstricken sich dagegen in Widersprüche.

26. März 2010: Das UN-Menschenrechtskomitee verurteilt offiziell die Verhaftung und weitere Behandlung der beiden Walschützer. Es wirft der japanischen Regierung Verstöße gegen nicht weniger als fünf Artikel der Menschenrechtscharta und des UN-Paktes für bürgerliche und politische Rechte vor, darunter das Recht auf freie Meinungsäußerung.

April 2010: International haben sich über 250.000 Menschen für ein faires Verfahren und die Wiederaufnahme der Untersuchung zum Walfleischskandal eingesetzt. In Deutschland beteiligten sich weit über 30.000 Bürger an einer, an den japanischen Botschafter gerichteten, Petition.

14. Mai 2010: Während des vorletzten Prozesstages verstricken sich die Zeugen der Anklage weiter in Widersprüche oder können sich an ihre eigenen, unter Eid gemachten früheren Aussagen nicht mehr erinnern. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Navanethem Pillay bringt in einem Interview mit der größten japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun ihr Entsetzen über das politisch motivierte Verfahren gegen die Greenpeace-Walschützer zum Ausdruck.

08. Juni 2010: Trotz der erdrückenden Beweislast für die Korruptionsfälle und eines, über zwei Stunden dauernden, Plädoyers der Verteidung fordert der Staatswanwalt in seinem vierminütigen Plädoyer eine Strafe von 18 Monaten Haft für Junichi Sato und Toru Suzuki.

  • Toro Suzuki, Greenpeace Japan, Dezember 2008

    Toro Suzuki

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  • Junichi Sato, Greenpeace Japan Dezember 2008

    Junichi Sato

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