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Wo gentechnisch verändertes Saatgut angebaut wird, werden auch die Ernten konventionell und ökologisch wirtschaftender Bauern in Mitleidenschaft gezogen. Das ist unvermeidlich und in vielen Fällen belegt. Für über 90 Prozent aller weltweit angebauten Gentech-Ackerpflanzen ist Monsanto verantwortlich. Die rapide um sich greifende Verseuchung von Feldern in Europa, Brasilien, Kanada und Indien mit Gen-Saat geht somit maßgeblich auf den US-Konzern zurück.

Die überwiegend ablehnende Haltung der Verbraucher in diesen Ländern gegenüber gentechnisch erzeugten Lebensmitteln interessiert den Multi dabei nicht im geringsten. Ihm geht es ausschließlich um Profit. In der Wahl der Mittel ist er nicht zimperlich. Zeitschriften, die kritisch über die Monsanto Gentech-Pflanzen berichten, Verbraucher die an Versuchsflächen demonstrieren und Bauern, deren Felder mit der Monsanto-Saat verunreinigt sind, werden immer wieder mit gerichtlichen Klagen überzogen.

Ein Beispiel für die Monsanto-Firmenpolitik bietet Brasilien, wo Gen-Saat nicht zugelassen ist. Die US-Firma drängt mit ihren dort illegalen Erzeugnissen auf den brasilianischen Markt. Sie unternimmt keinerlei Anstrengungen, den Vertrieb ihres Saatgutes zu unterbinden. Wenn nach der Ernte eine Schiffsladung herkömmlicher Export-Soja mit der Monsanto-Gen-Soja kontaminiert ist, fordert der Konzern Lizenzgebühren.

Sein Ziel ist es offenkundig, die Sojahändler und Exporteure so sehr einzuschüchtern, dass diese ihren Einfluss bei der brasilianischen Regierung geltend machen, um eine Anbaugenehmigung durchzusetzen. Damit wäre der Weg für Monsanto bereitet, schon direkt beim Saatgutverkauf von den Bauern Lizenzgebühren einzutreiben.

Noch steht Brasilien genügend herkömmliche Soja für den Export zur Verfügung. Die Gentechnik-freien Märkte in Europa sind auf diese Ware aus Südamerika angewiesen. Immer mehr Lebensmittelproduzenten in Europa orientieren sich an den Wünschen der Verbraucher und kehren der Gentechnik den Rücken. Monsanto sieht sich mit seiner Gen-Soja immer mehr im Hintertreffen und übt nun Druck auf die EU aus.

Die US-Regierung hat bereits angekündigt, bei der Welthandelsorganisation (WTO) Klage gegen die EU einzureichen, weil den US-Konzernen jährlich Millionen Dollar an Export-Einnahmen entgehen. Das Ziel lautet: die Öffnung des EU-Marktes für Gentechnik-Nahrungsmittel aus den USA zu erzwingen. Wenn die EU diesem Druck der USA nicht standhält, steht in Europa das Überleben der herkömmlichen und der ökologischen Landwirtschaft auf dem Spiel. Den Verbrauchern wird die Wahlfreiheit genommen.

In der nächsten Woche werden sich in Brüssel die EU-Agrarminister mit der so genannten Koexistenz von konventionell und ökologisch erzeugtem Saatgut auf der einen und gentechnisch verändertem auf der anderen Seite befassen. Dabei geht es auch um die unvermeidliche Kontaminierung konventionell angebauter Pflanzen.

Die Vorlage der EU-Kommission für dieses Treffen ist schlicht inakzeptabel. Wer für die Verseuchung von Saatgut verantwortlich ist, sollte auch für den Schaden haften. Dafür sind klare Gesetze notwendig. Die EU-Kommission aber weigert sich bislang, solche Gesetze einzuführen. Greenpeace fordert die EU-Regierungen darum auf, die Gesetzeslücken zu schließen, die demnächst zur Kontaminierung der europäischen Agrarflächen durch Konzerne wie Monsanto führen könnten. (sit)

Verbraucher, die gegen die Verseuchung herkömmlicher und ökologisch erwirtschafteter Ernten durch genetisch verändertes Saatgut aktiv werden wollen, können dies auf der Internet-Seite von Greenpeace International tun:

Stop genetic contamination (http://act.greenpeace.org/ams/e?a=789&s=blue2s)

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