Skip to main content
Jetzt spenden
Greenpeace-Protest vor Sonder-Agrarministerkonferenz
Mike Schmidt/Greenpeace

Umfrage: Menschen erwarten von der Politik mehr Tierschutz in der Landwirtschaft

Die Verantwortung für Missstände in der Fleischindustrie sehen die Menschen in Deutschland vor allem bei Politik, Gesetzgeber und Aufsichtsbehören (78 Prozent) und am wenigsten bei den landwirtschaftlichen Betrieben (49 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt eine neue repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag von Greenpeace. Dabei spielen nach Meinung der Befragten auch weitere Akteure eine maßgebliche Rolle: die fleischverarbeitenden Betriebe (70 Prozent), Verbraucherinnen und Verbraucher (68 Prozent) sowie die Supermarktketten (64 Prozent). Ungeachtet ihrer Parteisympathie sind sich die über 1.000 Befragten aber einig: Es ist etwas faul an der Agrarpolitik der Regierung! So findet die Mehrheit (78 Prozent), dass die Regierung bisher zu wenig unternimmt, um Missstände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu beseitigen. Interessanterweise teilen diese Meinung auch drei Viertel (75 Prozent) der Anhängerinnen und Anhänger von CDU und CSU – der Parteien, die seit 15 Jahren das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium leiten. Die Umfrage im Detail finden Sie hier online.

Greenpeace-Agrarexperte: Reform der Tierhaltung ist überfällig

“Das ist ein klares Signal an die Regierung. Sie kann sich nicht länger aus der Verantwortung für die katastrophalen Zustände in der Fleischbranche stehlen”, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. “Eine konsequente Agrarreform ist längst überfällig. Die Landwirtschaft braucht Planungssicherheit und finanzielle Anreize, um auf eine  artgerechte Tierhaltung umzustellen. Um Klima und Umwelt zu schützen, muss die Zahl der in Deutschland gehaltenen Nutztiere und der Fleischkonsum in den kommenden Jahren drastisch sinken. Fleisch muss teurer, pflanzliche Lebensmittel müssen günstiger werden."

Greenpeace-Protest gegen Billigfleisch bei Sondersitzung der Agrarministerkonferenz

Die Chance für den nächsten Schritt in Richtung mehr Tierwohl bietet sich heute, wenn die sogenannte "Agrarministerkonferenz" zu einer Sondersitzung in Berlin zusammenkommt. Ab 11 Uhr beraten die Agrarministerinnen und -minister der Länder in Berlin zusammen mit Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) über die Vorschläge der Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung, dabei geht es auch um die Finanzierung neuer tiergerechter Ställe und die finanzielle Unterstützung der tierhaltenden Betriebe. Greenpeace hatte dazu bereits Anfang des Jahres ein Konzept für eine zweckgebundene Tierwohl-Abgabe auf Fleisch vorgelegt, die von der Kommission übernommen wurde. Heute demonstrieren Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten beim Agrartreffen vor der Landesvertretung des Saarlandes mit einem Banner gegen das kranke System Billigfleisch. Ein Tierleid-Zähler, der die Zahl kupierter Ferkel sekundengenau mitzählt, weist auf gängige, aber rechtswidrige Praktiken in der deutschen Tierhaltung hin. 

Update / Nachtrag von 17:00 Uhr:

Das Ergebnis der Sonder-Agrarministerkonferenz: Die Agrarministerinnen und -minister von Bund und Ländern haben einstimmig für den artgerechten Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung gestimmt. Eine Machbarkeitsstudie soll – besser spät als nie – ausgeschrieben werden, die die verschiedenen Finanzierungsoptionen prüfen soll. Für Martin Hofstetter von Greenpeace ist das dennoch ein erfreulich klares Signal aus Berlin: "Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner darf jetzt nicht weiter bremsen. Sie muss jetzt Planungssicherheit für die Betriebe schaffen, indem sie eine einheitliche verpflichtende Haltungskennzeichnung für Fleisch und Milchprodukte einführt, die Haltungsvorgaben verschärft und an EU-Recht und das deutsche Tierschutzgesetz anpasst. Und sie muss eine Tierwohlabgabe einführen, um die Bäuerinnen und Bauern beim Umbau zu unterstützen." An ein heißes Eisen haben sich die Agrarministerinnen und -minister allerdings nicht herangetraut: den Abbau der Tierbestände in Intensivregionen nach niederländischem Vorbild. Eine Aufgabe, die sich die neue Zukunftskommission Landwirtschaft auf den Zettel nehmen kann.

  • Die Missstände in landwirtschaftlicher Tierhaltung und Fleischverarbeitung müssen enden

    Die Missstände in landwirtschaftlicher Tierhaltung und Fleischverarbeitung müssen enden

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie
Umfrage: Missstände Tierhaltung und Fleischerzeugung (Auszug)

Umfrage: Missstände Tierhaltung und Fleischerzeugung (Auszug)

24 | DIN A4

5.02 MB

Herunterladen

Petition

https://act.greenpeace.de/umsteuern

0% Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel!

Einkommensschwachen Haushalten helfen und das Klima schützen: Fordern Sie Bundesfinanzminister Lindner auf, die Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel abzuschaffen!

Jetzt unterzeichnen

0% vom Ziel erreicht

0 haben mitgemacht

0%

Mehr zum Thema

Traktor versprüht Pestizide auf einer Apfelplantage in Deutschland

Pestizide

  • 14.12.2022

Pestizide sind überall – auf Feldern, in Wäldern und in privaten Gärten. Sie stecken sogar in konventionellem Obst und Gemüse. Gift für Ökosysteme, Artenvielfalt und Menschen.

mehr erfahren
Baking Bread with Animal-Feed Wheat in Germany

Aktion Rettungsbrot

  • 11.10.2022

Aus Futtergetreide lässt sich kein Brot backen? Mit fünf Tonnen Weizen und der Hilfe eines Müllers und eines Bäckermeisters hat Greenpeace den Gegenbeweis angetreten.

mehr erfahren
Tisch gedeckt mit vegetarischem Essen

Wie gesunde Ernährung aufs Klima wirkt

  • 07.09.2022

Eine Ernährung mit weniger Fleisch und Milch würde den Flächenverbrauch in der Landwirtschaft um 40 Prozent reduzieren, zeigt eine neue Greenpeace-Studie.

mehr erfahren
Mähdrescher auf einem großen Weizenfeld in der Ukraine, 2021

Knappes Getreide: EU kann Exportausfälle der Ukraine ausgleichen

  • 05.04.2022

Der Krieg in der Ukraine verknappt das Angebot an Getreide und Pflanzenölen auf dem Weltmarkt. EU-Staaten könnten die Exportausfälle ausgleichen.

mehr erfahren
Flugzeug versprüht Petizide auf einem riesigen Soja-Feld in Brasilien

Vergiftete Doppelstandards

  • 16.11.2021

Deutschland lässt den Export und Vertrieb bienengiftiger Pestizidwirkstoffe nach und in Brasilien zu. Teilweise sind sie aufgrund hoher Risiken in der EU nicht mehr zugelassen.

mehr erfahren
Freiwillige helfen einem Landwirt, auf seiner 100 Quadratmeter großen Farm gentechnisch veränderte Papayas zu beseitigen.

Gentechnik

  • 18.06.2021

Neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht versprechen ein lukratives Geschäft für die Gentechnik-Industrie. Doch der Einsatz der Agro-Gentechnik birgt unkalkulierbare Risiken.

mehr erfahren