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Nahaufnahme einer toten Biene, Mai 2014
Fred Dott / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Seit gut 20 Jahren gehört der Einsatz sogenannter "systemisch" wirkender Insektizide wie Neonicotinoide zum Standardinstrument der industriellen  Landwirtschaft. "Systemisch“ beschreibt ihre Eigenschaft, von den behandelten Pflanzen aufgenommen und in der ganzen Pflanze verteilt zu werden. So finden sich die Gifte von der Wurzel bis in Blätter, Nektar und Pollen, in allen Pflanzenteilen wieder. Lange wurde die schädliche Wirkung dieser Pestizide in landwirtschaftlich genutzten Ökosystemen unterschätzt. Mittlerweile ist ihre Beteiligung am weltweit beobachteten Bienensterben wissenschaftlicher Konsens und hat in der EU zu Teilverboten für zuletzt vier Agrargifte geführt.

Gravierende Folgen für Ökosysteme

Die Auswirkungen des bedenkenlosen Einsatzes der Pestizide könnte noch weitaus gravierender sein als bisher befürchtet. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der „Task Force on Systemic Pesticides“, eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern, die verschiedene Publikationen und wissenschaftliche Arbeiten ausgewertet haben. Analysiert wurden nicht nur die Auswirkungen auf Bienen und andere Bestäubungsinsekten, sondern auch auf Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien und Amphibien.

Das Ergebnis ist eindeutig, alle Organismengruppen kommen über verschiedene Wege mit systemisch wirkenden Giften und deren Abbauprodukten in Kontakt. „Alle Resultate zeigen: die von Neonicotinoiden ausgehende akute Gefahr nicht nur für Bienen und andere Bestäubungsinsekten, sondern auch für Wasserorganismen, Regenwürmer und Vögel kann nicht länger bestritten werden“, sagt Dirk Zimmermann, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. „Zudem ist es erschreckend, dass die Giftigkeit systemischer Pestizide für viele Arten überhaupt noch nicht bekannt ist. Wir wissen viel zu wenig über diese Gifte, aber alles was wir wissen, ist erschütternd.“

Langzeit Gefährdung durch Pestizide

Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass die Pestizide deutlich langlebiger sind als bisher angenommen. Im Boden können sie teilweise über Jahre ihre gefährliche Wirkung entfalten. Auch der Zerfall macht die Gifte nicht unbedingt unschädlich: Abbauprodukte können auf einige Organismen sogar noch giftiger wirken als die Ausgangssubstanzen.

Die Wissenschaftler zählen zudem eine Vielzahl von chronischen und sogenannten „subletalen“ (nicht direkt tödlichen, aber äußerst schädlichen) Auswirkungen auf: Geschmackssinn und Erinnerungsvermögen werden beeinträchtigt, die Fruchtbarkeit kann verringert sein, die Futtersuche behindert, das Verhalten verändert, die Flugfähigkeit gestört oder die Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten erhöht werden. In der Folge verändern sich ganze Populationen und Lebensgemeinschaften, Hummelkolonien beispielsweise wachsen langsamer und produzieren weniger Königinnen.

Ökologische Landwirtschaft ist die Lösung

Der bedenkenlose Einsatz von hochgiftigen Pestiziden gefährdet nicht nur die Artenvielfalt, sondern setzt die Zukunft der Nahrungsmittelproduktion aufs Spiel. Unersetzbare Dienstleistungen des Ökosystems werden außer Kraft gesetzt, etwa die natürliche Regulierung von Schädlingen über komplexe Interaktionen in den Nahrungsnetzen auf dem Acker und in naturnahen Landschaften.

„Die Konsequenz aus den veröffentlichten Ergebnissen und den gravierenden Wissenslücken kann nur eine sein: wir brauchen Totalverbote für die zurzeit lediglich mit Anwendungsbeschränkungen belegten Neonicotinoide und Fipronil“, so Zimmermann. „Wir brauchen eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie! Immer mehr Chemie auf dem Acker kann und darf nicht die Lösung sein. Nur ökologische Anbaumethoden können langfristig die Pestizidspirale durchbrechen und nachhaltig hochwertige Lebensmittel erzeugen.“

Mehr Informationen zur Studie gibt es im anschaulichen englischen Video der „Task Force on Systemic Pesticides“

 

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