Skip to main content
Jetzt spenden
Plastikfolien-Gewächshäuser für den Gemüseanbau entlang der spanischen Küste bei Almeria unter starker Pestizidbehandlung, November 2004
Ángel Garcia / Greenpeace

Almería - Mar del Plastico

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Wer mit dem Flugzeug über die spanische Provinz Almeria fliegt, stößt auf einen schmutzig-weißen Fleck in der Landschaft: Mar del Plastico, das Plastikmeer, einer der wichtigsten "Gemüsegärten" Europas. Auf 350 Quadratkilometern reiht sich ein Gewächshaus an das andere. Unter den Plastikplanen wurde lange Zeit gespritzt, was das Zeug hielt. Bis Greenpeace 2007 die Ergebnisse des vierten Pestizidtests herausgab.

Die Belastungen in Obst und Gemüse lagen damals weit über den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten. Fast die Hälfte der spanischen Paprika wies hohe Pestizidrückstände auf. Deutsche Supermärkte kündigten ihre Abnahmeverträge, der Großteil der verseuchten Ernte musste vernichtet werden. Der Zorn auf Greenpeace war groß. Ein Jahr später hatten viele der Bauern ihren Anbau auf umweltschonendere Methoden umgestellt und Greenpeace erhielt den Preis von Almeria.

Viel zu tun bleibt dennoch: In Almeria und vergleichbaren Regionen mit industrialisiertem Anbau von Obst und Gemüse gibt es bis heute große Umweltprobleme. Hinzu kommen Defizite beim Arbeitsschutz und bei den Sozialstandards für die Landarbeiter. Für den Schutz der Verbraucher müssen die Pestizidrückstände noch deutlich gesenkt werden.

Soziale Probleme

Almeria produziert im großen Stil für die internationalen Märkte. In der Region arbeiten hauptsächlich Einwanderer aus Nordafrika. Die meisten sind papierlose Immigranten aus dem Maghreb oder Ländern südlich der Sahara, die in Booten vor den Kanarischen Inseln aufgegriffen werden. Nur selten protestieren sie nach den durchstandenen Strapazen gegen die Lebensbedingungen auf dem spanischen Festland. Sie sind an ihrem Arbeitsplatz hohen Gesundheitsrisiken ausgesetzt.

Dank Pestizid-Kampagne auf dem richtigen Weg

Im Jahr 2004 wurden in der ganzen Region nur 200 von 35.000 Hektar Land ohne den Einsatz von Pestiziden bewirtschaftet. 2006 waren es schon 1000 Hektar. Danach hat die Provinz einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht: In der Anbausaison 2007/2008 wurden fast 8000 Hektar umweltverträglich bewirtschaftet.

Dass in Almeria ein Umdenken eingesetzt hat, ist auch ein Verdienst der Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie haben beim Einkauf vermehrt auf die Herkunft von Obst und Gemüse geachtet und den Produzenten der pestizidbelasteten Massenware die rote Karte gezeigt. Die Produzenten stehen umweltverträglicheren Anbaumethoden nun endlich offener gegenüber.

Mehr zum Thema

Mähdrescher auf einem großen Weizenfeld in der Ukraine, 2021

Knappes Getreide: EU kann Exportausfälle der Ukraine ausgleichen

  • 05.04.2022

Der Krieg in der Ukraine verknappt das Angebot an Getreide und Pflanzenölen auf dem Weltmarkt. EU-Staaten könnten die Exportausfälle ausgleichen.

mehr erfahren
GE Clearing Contaminated Farm in Thailand

Gentechnik

  • 18.06.2021

Neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht versprechen ein lukratives Geschäft für die Gentechnik-Industrie. Doch der Einsatz der Agro-Gentechnik birgt unkalkulierbare Risiken.

mehr erfahren

Von wegen unsichtbar

  • 10.06.2021

Mit einem neuen, frei zugänglichen Verfahren kann erstmals die Anwendung sogenannter neuer Gentechnik bei einer Rapssorte nachgewiesen werden.

mehr erfahren

Tödliche Gefahr für die Bienen

  • 09.06.2021

Mit Sonderregelungen für Pestizide umgeht die Politik den Insektenschutz, den sie seit Jahren versprochen hat und gefährdet die Biodiversität.

mehr erfahren
Larissa Bombardi, Pestizidforscherin

"Das Potenzial ist enorm"

  • 17.05.2021

Der Pestizideinsatz in Brasilien ist enorm, er verursacht Schäden für Mensch und Umwelt. Oft stammt die Chemie aus Europa. Über Lebensmittelexporte gelangt sie zurück auf unsere Teller. 

mehr erfahren

(K)ein grosser Wurf?

  • 10.02.2021

Das Bundeskabinett hat ein Insektenschutz-Paket beschlossen. Doch kann es das Insektensterben aufhalten?

mehr erfahren