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Plastikfolien-Gewächshäuser für den Gemüseanbau entlang der spanischen Küste bei Almeria. Unter den Folien wuchsen vor allem Tomaten, Paprika und Erdbeeren unter starker Pestizidbehandlung.
çngel Garcia/Greenpeace

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Aus dem Schutz der Dunkelheit tauchen sie auf, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, stumm, unauffällig. In kleinen Gruppen sammeln sie sich am Straßenrand und auf der Tankstelle am Boulevard. Das Licht der Straßenlaternen erhellt hier und da ein müdes Gesicht, es fallen kaum Worte.

Vans fahren im Schritttempo den Boulevard hinauf, einer hält vor einer versprengten Gruppe. Ein Fenster wird heruntergekurbelt, Bewegung kommt in die Wartenden. Ein kurzer Wortwechsel, sie steigen ein und der Van entfernt sich so lautlos, wie er gekommen ist. Als der Tag anbricht und sich hektische Geschäftigkeit in den Straßen breit macht, sind die Immigranten aus der Stadt verschwunden.

Täglich warten im Intensivanbaugebiet von Almería Tausende Tagelöhner auf ihre Anwerbung durch die Patrones, um in einem der Gewächshäuser einen Tagesjob als Erntehelfer zu ergattern. Die meisten von ihnen sind papierlose Immigranten aus dem Maghreb oder Ländern südlich der Sahara, die in Booten vor den Kanarischen Inseln aufgegriffen werden. Nur selten protestieren sie nach den durchgestandenen Strapazen noch gegen die Lebensbedingungen, die sie erwarten, wenn sie spanisches Festland erreichen.

Doch was sich für die Produzenten als gutes Geschäft mit billiger Arbeitskraft herausstellt, bezahlen die Immigranten teuer. Und dem Endverbraucher ist selten klar, unter welchen Produktionsbedingungen die günstigen Obst- und Gemüseangebote in seinem Supermarkt zustande gekommen sind.

Sklaverei in Südspanien?

Auch Abdelkader Chacha kam vor dreißig Jahren aus Marokko nach Almería, um in den Gewächshäusern zu arbeiten. Heute ist er Mitarbeiter der Landarbeitergewerkschaft SOC, die sich für die Rechte der papierlosen Arbeitsimmigranten einsetzt und gegen ihre Ausbeutung durch die Unternehmer kämpft.

Die Immigranten sind die Sklaven von heute. Die Bauern verdienen gutes Geld an ihnen, aber sie behandeln sie wie Dreck. Abdelkaders Blick schweift über die schmutzigweißen Plastikplanen, die um die Mittagszeit träge im heißen Wind flattern. Wolkenverhangene Berge begrenzen das Meer aus Plastik, das sich bis in die Ausläufer der Sierra de Gádor hinaufschiebt. Lastwagen aus dem südspanischen Anbaugebiet rollen täglich über die Autobahnen Richtung Norden, um deutsche Supermärkte mit billigem Obst und Gemüse zu beliefern.

Mittlerweile werden 350 Quadratkilometer der Provinz Almería von den Treibhausplantagen bedeckt. Sie reichen bis an die Häuser der Wohnviertel heran, säumen die Schnellstraßen und umschließen die Ortschaften wie eine Schicht aus silbrig glänzendem Tüll.

Mitten im sogenannten Plastikmeer liegt die Kleinstadt El Ejido mit ihren sauber gefegten Straßen, Glasfassaden und sorgfältig angelegten Blumenrabatten. Sie zeugen von einem Reichtum, den die Gewächshauskultur vor 25 Jahren in die ehemals ärmste Region Spaniens brachte. Heute zählt El Ejido 76.000 Einwohner, besitzt 71 Bankfilialen und verfügt über eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen des Landes.

Etwa 80.000 Immigranten, die Hälfte davon Papierlose, tragen in der Region Almería entscheidend zum spanischen Gemüseexport bei. Sie bilden einen beträchtlichen Teil der ansässigen Bevölkerung, doch sie leben verdrängt an den Rand der Städte.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben in El Ejido Angst und Hass geschürt, die sich im Februar 2000 in einer Welle von Gewalt entluden. Drei Nächte lang zog ein Mob vermummter Bauern und Jugendlicher plündernd und brandschatzend durch die Stadt, nachdem ein geistig verwirrter Marokkaner eine junge Spanierin getötet hatte.

Mit Baseballschlägern und Eisenstangen bewaffnet jagten die Angreifer die Immigranten durch die Straßen und setzten ihre Häuser in Brand. Die Polizei schritt erst ein, als die Schläger drohten, eine Gruppe Marokkaner zu lynchen, die in einer Cafeteria Zuflucht gesucht hatte. Bis dahin waren die Einsatzkräfte der strikten Anweisung gefolgt, nicht einzugreifen. Die Immigranten sind hier nicht gern gesehen, erklärt Abdelkader.

Auch die Mitarbeiter der Gewerkschaft sind immer wieder Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Bei einem Übergriff erstachen Jugendliche im letzten Jahr den 40-jährigen Azzouz Hosni. Der Marokkaner war Mitglied bei der SOC. Die Gewerkschaftsmitarbeiter vermuten, dass es sich bei dem Mord um eine politisch motivierte Tat gehandelt habe.

El Ejidos Bürgermeister Juan Enciso Ruiz von der konservativen PP folgt derweil unbeirrt seiner populistischen Linie und wird nicht müde, seinen Leitspruch zu zitieren: Immigranten ja. Aber außerhalb der Stadt.

Autorin: Shelina Islam

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