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Montage: Weintrauben werden mit Pestiziden besprüht.
Christoph Piecha/Greenpeace

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Im Schnitt haben die Beamten die Grenzwerte um das 33fache erhöht. Gerade bei bekannten Pestizid-Spitzenreitern mit den meisten Überschreitungen, wie Tafeltrauben, Salaten, Kräuter oder Beeren, hob das Ministerium die Grenzwerte am stärksten an, jeweils um über das 500fache. Insgesamt wurden 404 gesetzliche Pestizidgrenzwerte geändert: 293 Mal (73 Prozent) wurden die erlaubten Belastungsgrenzen erhöht. Nur in 111 Fällen (27 Prozent) hat das Ministerium sie gesenkt.

Es ist unglaublich. Die Verbraucherschützer aus dem Ministerium machen konsequent das Gegenteil von dem, was notwendig wäre, um die Gesundheit der Verbraucher und die Umwelt zu schützen, sagt Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace. Minister Seehofer muss diese Praxis sofort stoppen. Wir brauchen keine Legalisierung von immer mehr Gift im Essen, sondern wirksame Kontrollen, damit belastete Lebensmittel vom Markt verschwinden.

Schluss mit doppelten Standards!

Wir fordern von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer eine Kehrtwende in der Grenzwertpolitik. Nicht weiter rauf mit den Werten, sondern runter - und das deutlich! Vorbild könnten hier die Grenzwerte bei Babynahrung und Bio-Lebensmittel sein. Maximal dürften dann nur 0,01 Milligramm Pestizide pro Kilogramm Lebensmittel enthalten sein. Beim Babybrei klappt's schon lange, warum noch bei den Lebensmitteln für Erwachsene einen anderen Standard?

Damit könnte dann auch gleich ein besonders absurder Zustand beendet werden. So stolperten wir immer wieder darüber, dass das Ministerium und die Lebensmittelüberwachung der Länder Grenzwerte oft fehlerhaft und zu hoch festlegt. Der Grund: Die Bundesbehörden versäumten es, die akute Giftigkeit (Akute Referenzdosis, ARfD) von Pestiziden zu berücksichtigen. Obwohl es gerade eine Einrichtung des Bundes ist, die diesen Wert bestimmt - das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Pestizide am Limit und außer Kontrolle

Zudem wurde jeder fünfte Pestizidwirkstoff in Deutschland zugelassen, ohne dass das BMELV überhaupt einen Grenzwert für Lebensmittel festgelegt hat. Bereits im Jahr 2004 hatte Greenpeace mit der Studie Pestizide am Limit auf massive Grenzwertanhebungen zwischen den Jahren 1999 bis 2004 hingewiesen. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass dieser Trend anhält.

Ein weiteres erhebliches Problem: Die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer ist bei der Kontrolle von Obst und Gemüse auf Pestizide im Schnitt mangelhaft. Dies belegt der Greenpeace-Bericht Pestizide außer Kontrolle II aus dem Jahr 2006.

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