Skip to main content
Jetzt spenden
Auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude in Berlin stehen Dutzende Aufsteller von Maiskolben, die ein Fratzen-Gesicht zeigen.
Paul Langrock / Greenpeace

EU gegen Genmais

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Deutschland und 16 weitere EU-Staaten wollen den Anbau von acht Genmais-Sorten in ihren Regionen verhindern. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Gentechnik-Verbot.

Gute Nachrichten aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium: Von dort gingen in dieser Woche acht Briefe an die Europäische Kommission nach Brüssel; in denen bittet Deutschland darum, aus den Zulassungsanträgen für acht gentechnisch veränderte Mais-Linien ausgenommen zu werden. Sollte dies bestätigt werden, wäre die Aussaat dieser Sorten in der Bundesrepublik nicht gestattet – auch, wenn die EU-Kommission deren Anbau genehmigt.

Die Anträge kommen gerade noch rechtzeitig: Die Genmais-Linien stehen teilweise kurz vor der Zulassung; im Falle des Genmaises 1507 ist nur noch eine positive Entscheidung der Kommission nötig, die jederzeit erfolgen könnte. „Die Anträge des Landwirtschaftsministeriums sind eine wunderbare Nachricht für alle Verbraucher und auch für die Zukunft einer gentechnikfreien, nachhaltigen Landwirtschaft“, sagt Dirk Zimmermann, Greenpeace-Experte für Gentechnik.

„Gentechnik auf dem Acker ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Risiko. Genau darauf verweist sogar das Bundeslandwirtschaftsministerium. In seinen Schreiben nennt es die negativen Folgen für konventionellen und ökologischen Maisanbau als Beweggründe für die beantragten Verbote.“

 

Sollen Unternehmen über Genmais entscheiden?

Doch es ist nicht die Europäische Kommission, die über die Bitte Deutschlands bestimmt. Sie leitet die Briefe nur an die antragstellenden Biotech-Unternehmen weiter. Monsanto, Syngenta, Dow AgroSciences und DuPont-Pioneer müssen nun binnen 30 Tagen entscheiden, ob sie der Aufforderung nachkommen wollen, und Deutschland aus den Zulassungsanträgen für ihren Genmais streichen.

Entsprechenden Anträgen anderer Länder sind die Konzerne bisher nachgekommen. Da die Unternehmen ein großes Interesse daran haben, überhaupt einen ihrer Anträge in Europa durchzukriegen, werden sie im Moment wohl auch im Falle Deutschlands nachgeben. „Es wäre jedoch fatal, sich für die Zukunft auf das Wohlwollen der Industrie zu verlassen,“ sagt Zimmermann. „Deutschland muss rechtliche Grundlagen schaffen, die souveräne, rechtssichere und bundesweite Verbote möglich machen.“

Generelles Anbauverbot für Genmais ist möglich

Die EU hat dafür mit den neuen Regeln für Anbauverbote die Rahmenbedingungen geschaffen, die Umsetzung in nationales Recht steht indes noch aus. Sind diese Gesetze umgesetzt, wären auch Verbote ganzer Gruppen von Gen-Pflanzen möglich, etwa für jeglichen Genmais. Diese Verbote müssten allerdings gut begründet sein. In den Briefen des Landwirtschaftsministeriums liefert die Bundesregierung die perfekte Rechtfertigung gleich mit: Neben den negativen Folgen für den Maisanbau spricht sie darin von der Unvereinbarkeit des Anbaus von Genmais mit der in Deutschland üblichen Ackernutzung.

Außer Deutschland haben bereits weitere 16 EU-Staaten (Österreich, Frankreich, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Lettland, Litauen, die Niederlande, Polen, Italien, Slowenien, Zypern, Dänemark, Luxemburg, Malta und Bulgarien) sowie vier Regionen (Schottland, Nordirland, Wales und Wallonien) angekündigt, wie Deutschland zu verfahren; einige haben bereits entsprechende Briefe verschickt. Diese Länder und Regionen repräsentieren etwa 65 Prozent der Bevölkerung der EU. Die Frist für die Anträge gegen den Anbau endet am 3. Oktober; danach entscheidet sich, ob die Biotech-Unternehmen den Weg zu einer Landwirtschaft ohne Gentechnik freimachen.

Petition

https://act.greenpeace.de/umsteuern

0% Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel!

Einkommensschwachen Haushalten helfen und das Klima schützen: Fordern Sie Bundesfinanzminister Lindner auf, die Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel abzuschaffen!

Jetzt unterzeichnen

0% vom Ziel erreicht

0 haben mitgemacht

0%

Mehr zum Thema

Traktor versprüht Pestizide auf einer Apfelplantage in Deutschland

Pestizide

  • 14.12.2022

Pestizide sind überall – auf Feldern, in Wäldern und in privaten Gärten. Sie stecken sogar in konventionellem Obst und Gemüse. Gift für Ökosysteme, Artenvielfalt und Menschen.

mehr erfahren
Baking Bread with Animal-Feed Wheat in Germany

Aktion Rettungsbrot

  • 11.10.2022

Aus Futtergetreide lässt sich kein Brot backen? Mit fünf Tonnen Weizen und der Hilfe eines Müllers und eines Bäckermeisters hat Greenpeace den Gegenbeweis angetreten.

mehr erfahren
Tisch gedeckt mit vegetarischem Essen

Wie gesunde Ernährung aufs Klima wirkt

  • 07.09.2022

Eine Ernährung mit weniger Fleisch und Milch würde den Flächenverbrauch in der Landwirtschaft um 40 Prozent reduzieren, zeigt eine neue Greenpeace-Studie.

mehr erfahren
Mähdrescher auf einem großen Weizenfeld in der Ukraine, 2021

Knappes Getreide: EU kann Exportausfälle der Ukraine ausgleichen

  • 05.04.2022

Der Krieg in der Ukraine verknappt das Angebot an Getreide und Pflanzenölen auf dem Weltmarkt. EU-Staaten könnten die Exportausfälle ausgleichen.

mehr erfahren
Flugzeug versprüht Petizide auf einem riesigen Soja-Feld in Brasilien

Vergiftete Doppelstandards

  • 16.11.2021

Deutschland lässt den Export und Vertrieb bienengiftiger Pestizidwirkstoffe nach und in Brasilien zu. Teilweise sind sie aufgrund hoher Risiken in der EU nicht mehr zugelassen.

mehr erfahren
Freiwillige helfen einem Landwirt, auf seiner 100 Quadratmeter großen Farm gentechnisch veränderte Papayas zu beseitigen.

Gentechnik

  • 18.06.2021

Neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht versprechen ein lukratives Geschäft für die Gentechnik-Industrie. Doch der Einsatz der Agro-Gentechnik birgt unkalkulierbare Risiken.

mehr erfahren