Greenpeace Jugendstudie Nachhaltigkeitsbarometer 2025
Die Mehrzahl der Jugendlichen fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.
„Wir müssen Eure Fehler ausbaden.“
- mitwirkende Expert:innen Dr. Dietmar Kress
- Nachricht
Chris Grodotzki / Greenpeace
Sozioökonomische Themen gewinnen die Oberhand
Nachhaltigkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Sustainable Development Goals begegnen der Generation Z heute in Schule, Berufsausbildung und Hochschule – doch statt Hoffnung wachsen Enttäuschung und Furcht. Besonders empört sie die Wahrnehmung, dass Menschen mit hohem Einkommen überproportional CO2 ausstoßen, während die junge Generation die Folgen trägt. Zu diesen Ergebnissen kommt das vierte „Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2025“.
Nachhaltigkeit ist als Thema angekommen
Jugendliche nennen “Nachhaltigkeit” seit 2011 immer häufiger als eines der Themen, das ihnen am wichtigsten ist. Auch 2025 gehört es weiterhin zu den Top Fünf, verliert aber im Vergleich zu 2021 an Bedeutung. "Umweltschutz und Klimawandel" verliert im Vergleich zu 2021 12 Prozent, bleibt aber unter den vier relevantesten Themen.
Deutlich stärker rücken soziale und politische Fragen in den Vordergrund. Das Thema „Lebenshaltungskosten“ gehört mit knapp 30 Prozent sofort zu den Top-drei. Auch das ebenfalls neue Thema “Demokratie(krise)” wird von 16,5 Prozent der Befragten als wichtig eingestuft.
Dagegen verlieren „Arbeitslosigkeit/Arbeitsplatz“ und „Wirtschaftslage/Armut“ seit 2011 kontinuierlich an Relevanz. Gleichzeitig hat die Sorge vor Terrorismus und Krieg deutlich zugenommen und beschäftigt inzwischen etwa ein Viertel der Befragten.
Insgesamt zeigt sich: Nachhaltigkeit, Umwelt und Klima bleiben zentrale Anliegen junger Menschen – werden jedoch zunehmend im Kontext sozioökonomischer Belastungen und politischer Entwicklungen bewertet.
Zwei Drittel der jungen Menschen ist in Bezug auf das Klima besorgt und frustriert. Etwas weniger sind unglücklich und wütend. Entspannt ist bei dem Thema niemand, eher ruhig ist rund ein Drittel der jungen Befragten. 40 Prozent berichten zudem davon, sehr oder eher von Ängsten wegen der Klimakriseim Alltag belastet zu sein
Jugendlich haben klare Erwartungen an Politik
Die große Mehrheit der jungen Menschen hat klare Erwartungen an die Politik – und interessiert sich grundsätzlich für politische Fragen. Die Verantwortung für nachhaltige Veränderungen sehen die Befragten aber nicht nur bei der Politik, sondern auch bei jedem und jeder Einzelnen, der Wirtschaft, Wissenschaft und den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung.
Bei der Frage, welchen Parteien sie wirksames Engagement für Nachhaltigkeit zutrauen, zeigt sich ein deutliches Bild: Bündnis 90/Die Grünen (29,5 Prozent) und Die Linke (19,2 Prozent) erhalten das meiste Vertrauen, gefolgt von der AfD (11,4 Prozent). Den aktuellen Regierungsparteien CDU/CSU (9 Prozent) und SPD (6,6 Prozent) trauen nur wenige Jugendliche zu, sich wirksam um nachhaltige Entwicklung zu kümmern. Die große Koalition wird von der jungen Generation damit nicht als verlässliche Anwältin nachhaltiger Entwicklung wahrgenommen.
“Die Ergebnisse enthalten klare Warnhinweise: Wenn große sozioökonomische und ökologische Herausforderungen aufgrund fehlender politischen Veränderungsbereitschaft oder populistischer Vereinfachungen nicht angegangen werden, hat das Folgen. Junge Menschen entwickeln so verstärkt den Eindruck, dass Politik und Institutionen versagen. Das gefährdet Vertrauen – und kann langfristig auch unserer Demokratie schaden.”
Schulen schärfen das Nachhaltigkeitsbewusstsein
Von 2011 bis 2025 lässt sich eine Steigerung des Nachhaltigkeitsbewusstseins nachweisen. An Wissen und Sorge um die Probleme der Umwelt, dem Klima und dem Raubbau an der Natur mangelt es allem Anschein nach nicht. Besonders in den Schulen und Hochschulen lässt sich nachweisen, dass Nachhaltigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung umfassend behandelt wird. Im Vergleich zu 2011 behandeln heute ca. 50 Prozent mehr Schulen das Thema.
Trotzdem fühlen sich lediglich 17,3 Prozent der Schüler:innen und 14,1 Prozent der Studierenden „sehr gut“ auf ihre Zukunft vorbereitet. Unter Auszubildenden liegt dieser Wert deutlich höher bei 27 Prozent.
Zwar bescheinigt eine Mehrheit von 60 bis 70 Prozent der jungen Menschen ihren Lehrkräften grundsätzlich Kompetenz in Nachhaltigkeitsfragen. Doch nur rund ein Viertel traut ihren Lehrkräften uneingeschränkte Kompetenz in diesem Bereich zu. Dieser Befund zeigt: Für eine zeitgemäße Bildung für nachhaltige Entwicklung braucht es mehr Unterstützung und Qualifizierung im Lehrberuf.
Denn zwischen theoretischer Verankerung und praktischer Verankerung besteht weiterhin eine starke Lücke. Die Befragten kritisieren, dass entsprechende Bildungsangebote zu oft noch
- auf einzelne Fächer begrenzt sind. Mehr als ein Drittel aller Befragten hat sich bislang nicht oder kaum über einzelne Fächergrenzen hinweg mit Nachhaltigkeit beschäftigen können.
- auf kurze Zeiträume beschränkt ist. Nicht einmal jede:r Zweite hatte bislang die Gelegenheit, über einen längeren Zeitraum an einem Nachhaltigkeitsprojekt zu arbeiten.
- von der Benotung ausgenommen ist. Für die Mehrheit der Befragten ist es für ihre Noten irrelevant, wie gut sie sich mit Nachhaltigkeit auskennen.
"2010 mangelte es an Unterricht und der Bereitschaft vieler Schulen, nachhaltige Themen zu behandeln. Aber die Bildungspolitik forderte mehr Umweltbewusstsein. Nach vielen Anstrengungen ist Nachhaltigkeit nun flächendeckend Unterrichtsbestandteil. Aber jetzt interessiert es die handelnde Politik kaum noch. Erschreckend, wie inkohärent sie auf die junge Generation einwirkt und sie frustriert zurücklässt."
Ansätze für eine bessere Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung finden sich zum Beispiel im bundesweiten Greenpeace Schulprojekt „Schools for Earth“.
*Hinweis:
Für das Nachhaltigkeitsbarometer 2025 wurden insgesamt 1506 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren befragt. Die Studie ist ein gemeinsames Projekt von Greenpeace e.V., der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde und der Leuphana Universität Lüneburg.
Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2025
Anzahl Seiten: 10
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Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2021
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Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2021 (engl.)
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Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2011
Anzahl Seiten: 6
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