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Kai Frölich, Direktor der Arche Warder umringt von Poitou-Eseln
© Berit Stüven / Arche Warder

Corona bringt der Tierpark Arche Warder in finanzielle Not – Interview mit Direktor Prof. Dr. Dr. Kai Frölich

Er ist ein Eldorado für vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen: der 40 Hektar große Tierpark „Arche Warder“ in Schleswig-Holstein. Mehr als 1200 Tiere leben hier, vom Bentheimer Schwein über das Brakel Huhn bis hin zum verzottelten Poitou-Esel. Das Besondere an dem Park: Die Tiere sind nicht nur niedlich, sondern auch ungemein wertvoll. Alte Nutztierrassen sind ein wichtiger Schlüssel, um die Landwirtschaft umweltfreundlicher zu gestalten und besser an den Klimawandel anzupassen.

2003 hatten der Greenpeace e.V. und die Umweltstiftung Greenpeace die Arche Warder aus der Insolvenz gerettet. Das war nur mit der großen Unterstützung der Förderer möglich. Im Moment braucht die Arche Warder erneut unser aller Solidarität: Weil der Park wegen der Corona-Krise für Besucher geschlossen ist, brechen ihm – wie derzeit allen Zoos und Tierparks – wichtige Einnahmen weg. Im Interview redet Prof. Dr. Dr. Kai Frölich, Direktor der Arche Warder, über seine Existenzängste, über die Bedeutung seiner Tiere, über seine Vision von zukünftiger Landwirtschaft und darüber, wie alle helfen können, den Tierpark zu retten.

Greenpeace: Wegen der Corona-Pandemie ist die Arche Warder derzeit für Besucher geschlossen – Was bedeutet das für Ihren Tierpark?

Prof. Dr. Dr. Kai Frölich: Bei uns ist richtig Krise. Im Ausnahmezustand fühlen sich derzeit ja fast alle, aber uns trifft Corona wirklich mit voller Wucht. Die Frühlingsmonate sind bei uns ganz entscheidende Monate, mit vielen Besuchern.

Die Finanzierung so eines Tierparks ist komplex: Wir haben Sponsoren, Patenschaften, Tierverkäufe und unseren Online-Shop. Aber im Moment brechen uns durch das Ausbleiben der Besucher 70 Prozent unserer monatlichen Einnahmen weg. Es fehlen nicht nur die Eintrittsgelder, sondern auch die Einnahmen aus Restaurant, Übernachtungen und Tierpark-Shop. Das kommt alles zum Erliegen. Natürlich muss als erstes diese schlimme Pandemie in den Griff bekommen werden. Aber finanziell ist der Shut-Down für uns desaströs.

 Wie lange können Sie denn durchhalten?

Wir haben in den letzten Jahren wirklich gut gewirtschaftet, standen deshalb finanziell so gut da, wie noch nie: Deswegen haben wir einige Rücklagen. Aber wenn wir nicht öffnen dürfen, wird es spätestens ab Juni eng für uns.

Was tun Sie dagegen – können Sie die Ausgaben des Tierparks senken?

Wir haben insgesamt 56 Mitarbeiter. Von diesen sind derzeit 31 in unterschiedlich hoher Kurzarbeit. Das hilft auf jeden Fall, die Personalkosten zu drücken. Aber unsere Tiere müssen trotzdem gefüttert und versorgt werden. Auch Tierarztkosten fallen weiterhin an.

Das Engagement meiner Mitarbeiter ist übrigens unglaublich – wie sie sich derzeit einsetzen, ist wirklich enorm. Alle machen, was sie können, um den Park zu retten.

Es ist derzeit viel von Soforthilfen und finanzieller Unterstützung für die Wirtschaft die Rede ­ – was bekommen Sie denn?

Die Zahlungen für die Kurzarbeit meiner Angestellten, das hilft. Aber Direkthilfen bekommen wir derzeit keine, die bekommen nur Betriebe mit bis zu maximal zehn Angestellten. Wir sind mit 56 Mitarbeitern genau die Klasse mittelständischer Unternehmen, die aus dem Raster fällt: nicht klein genug für die Soforthilfen, nicht groß genug für spezielle Notprogramme. Weil das allen Zoos und Tierparks so geht, hat der Verband der Zoologischen Gärten vergangene Woche um ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro gebeten.

Nun könnte man ein bisschen ketzerisch sagen, im Moment sterben Menschen, die Pandemie verursacht in ärmeren Ländern wie beispielsweise Indien unglaubliches menschliches Leid – das ist derzeit einfach wichtiger als der Erhalt Ihrer Tiere.

Ich will unsere Sorgen und Nöte auf gar keinen Fall in Relation setzten zu dem anderen Elend, das Corona auslöst. Aber ich möchte trotzdem sagen: Unser Tierpark muss erhalten werden. Er ist ja nicht nur ein Streichelzoo für süße Wollschweinchen und Ziegen. Er ist eine weltweit einmalige Gen-Ressource und für uns alle unglaublich wichtig.

Wie meinen Sie das?

Vor Corona, da haben wir doch alle über ganz andere Themen geredet. Da ging es darum, das Bienensterben zu verhindern, darum, dass die Biodiversität schrumpft, unzählige Arten aussterben, der Verlust der Arten und der Klimawandel den Fortbestand der Menschheit gefährden. Diese Probleme sind ja durch Corona nicht gelöst, nur momentan von unserem Aufmerksamkeitsradar verschwunden.

Um die Artenvielfalt zu erhalten, braucht es ein Umschwenken der Landwirtschaft. Am besten wäre eine sehr viel extensivere und umweltschonendere Bewirtschaftung vieler Flächen. Aber in einem ersten Schritt könnte man schon etwas erreichen, wenn sogenannte Marginalflächen extensiv genutzt würden. Das bedeutet: alte Nutztierrassen beispielsweise auf Trockenrasen, Magerrasen oder sumpfigen Niedermooren weiden lassen. Also auf allen Grünländern, die eben nicht die fette Weide für das Hochleistungsrind sind.

Damit entsteht sofort eine Unmenge an unterschiedlichen Lebensräumen mit einer Vielzahl bedrohter Arten. Doch auf solchen Wiesen mit strohigem Gras gedeiht ihnen kein Hochleistungsrind, dafür braucht man robuste Arten. Das gilt im Übrigen auch für die Schweine- oder Schafhaltung. Dafür sind die standortangepassten, alten Haustierrassen ja über Jahrhunderte gezüchtet worden: um in den verschiedensten Regionen und unter den verschiedensten geologischen und klimatischen Begebenheiten Nahrungsmittel zu produzieren.

Wichtig zu wissen ist auch, dass oft erst die landwirtschaftliche Nutzung – bei einer Weide zum Beispiel durch Kühe oder Schafe – den Lebensraum so ausdifferenziert, dass die Zahl der Arten in die Höhe schnellt.

Und noch ein Punkt ist mir wichtig: Wir brauchen diesen Gen-Pool an alten Haustierrassen, damit sich die Landwirtschaft auch in Zukunft besser an Veränderungen anpassen kann, wie zum Beispiel an die Herausforderungen durch den Klimawandel.  

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, werden wir uns in Deutschland wieder diesen Themen widmen, und alles, was ich und meine Mitarbeiter möchten, ist: dass es den Tierpark Arche Warder mit seinen seltenen und bedrohten Nutztierrassen dann noch gibt.

Danke für Ihr emotionales Plädoyer – was können denn Menschen jetzt tun, die Sie gerne unterstützen möchten?

Was wir im Moment am dringendsten brauchen, ist direkte finanzielle Unterstützung für die Tierversorgung. Also hilft uns alles, womit jetzt Bargeld in unsere Kassen kommt. Man kann uns spenden, eine Tierpatenschaft übernehmen oder Hofprodukte über unseren Online-Shop bestellen. Was uns auch hilft, ist, wenn Menschen heute schon eine Jahreskarte kaufen würden, auch wenn sie uns vielleicht erst im Herbst besuchen können. 

Je mehr Menschen uns jetzt unterstützen, umso besser kommen wir über diese Krise hinweg. Ich weiß, das gilt im Moment für viele Betriebe. Ich glaube, das ist eins der guten Dinge, die uns Corona lehren kann: Wie viel wir als Gesellschaft aushalten und wegstecken können, wenn wir zusammenhalten. Es wäre toll, wenn die Arche Warder auch so ein Beispiel wäre.

  • 2 Baby-Turopolje-Schweinchen

    Denn auch wenn die Besucher ausbleiben, brauchen die Tiere wie die neugeborenen Turopolje-Ferkel Futter und tierärztliche Versorgung.

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  • Kükengruppe im Gras

    Als Ostergeschenk eine Jahreskarte für die Arche Warder? Der Tierpark kann im Moment jede Unterstützung gebrauchen!

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