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Fundraiser Gerhard Wallmeyer gehörte zu den Gründern des deutschen Greenpeace-Büros
Max Seiler / Greenpeace

Spenden sammeln, Mitstreiter gewinnen

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Gerhard Wallmeyer, Leiter des Fundraising-Bereichs bei Greenpeace, erklärt wie und warum Greenpeace Menschen auf der Straße anspricht, sie informiert und - ja! - auch um finanzielle Unterstützung bittet.
 

Redaktion: Warum sind Spenden für Greenpeace so wichtig?

Gerhard Wallmeyer: Um ein völlig unabhängiges Sprachrohr für Natur- und Umweltinteressen zu sein, akzeptiert Greenpeace kein Sponsoring der Industrie, keine Gelder vom Staat, keine Gelder von den Parteien. Greenpeace nimmt nicht einmal Projektgelder der EU oder UNO an. Unsere Einnahmen stammen zu mehr als 95 Prozent aus Spenden und Förderbeiträgen von Personen. Der Rest sind Spenden aus den Bußgeldfonds der Gerichte, Zinsen usw. Es sind allein die Menschen, die Greenpeace Kraft verleihen. Greenpeace ist eine lebendige Bewegung. Wir wollen für die Mächtigen dieser Welt unbequem sein - und dann darf man von ihnen nun mal kein Geld annehmen.

Redaktion: Wie sammelt Greenpeace Spenden?

Gerhard Wallmeyer: Fundraising bei Greenpeace heißt nicht betteln, sondern überzeugen. Wir möchten die Herzen der Menschen gewinnen. Im Vordergrund steht die dauerhafte Fördermitgliedschaft von überzeugten Mitstreitern. Fundraising ist deshalb bei Greenpeace ein integrierter Teil der gesamten öffentlichen Kommunikation, der gesamten Kampagnentätigkeit. Wer bereit ist, fortlaufend einen Teil seiner Einnahmen an Greenpeace zu geben, erklärt sich damit auch mit den Zielen einverstanden und solidarisch. Im Grunde sind die Fördermitglieder von Greepeace eine Wertegemeinschaft. Deshalb haben sie bei uns auch umfangreiche Rechte, die in der Satzung beschrieben sind.

Redaktion: Warum sammelt Greenpeace Spenden auf der Straße?

Gerhard Wallmeyer: Einer der wichtigsten Sätze in der Satzung des Greenpeace e.V. lautet: Zweck des Vereins ist es, .... die globalen Probleme der Umwelt bewusst zu machen (§2). Und die direkteste Form der Ansprache ist das persönliche Gespräch von Mensch zu Mensch.

Auch deshalb stehen Greenpeace-Informantinnen und Informanten an öffentlich zugänglichen Plätzen und suchen das Gespräch. Sie erfüllen damit einen Satzungsauftrag von Greenpeace. Anhand von aktuellen Informationen zu den Greenpeace-Themen und -Kampagnen versuchen sie, Menschen als Fördermitglieder zu gewinnen. Unsere Fördermitglieder sind nicht nur die finanzielle Basis von Greenpeace. In vielen Fällen spielen sie auch eine wichtige Rolle bei der Erzielung unserer umweltpolitischen Erfolge: Ihre gemeinsame Willensäußerung in Form von Protestpostkarten oder Unterschriftenlisten bildet häufig den entscheidenden Unterschied bei der Erreichung konkreter Ziele. Greenpeace hat heute mehr zahlende Förderer als etwa die CDU oder SPD Mitglieder.

Redaktion: Hat Greenpeace eigene Spendensammler?

Gerhard Wallmeyer: Ja, diese Art der Informationsverbreitung ist nur in Verbindung mit Fördererwerbung überhaupt finanzierbar. Zur reinen Informationsverbreitung könnten nicht zig Greenpeace-Mitarbeiter von morgens bis abends auf öffentlichen Plätzen präsent sein. Das geht nur, wenn sie ihren Lebensunterhalt mit der Informationsverbreitung und Fördererwerbung verdienen können.

Redaktion: Was ist Direkt Dialog und wer steckt dahinter?

Gerhard Wallmeyer: Die Werberinnen und Werber, also die Dialoger, sind Angestellte von Greenpeace e.V. oder kleinen Agenturen, die ausschließlich für Greenpeace arbeiten. Sie haben einen ordentlichen Arbeitsvertrag mit allen üblichen Sozialleistungen, sind geschult und kompetent. Die Dialoger bekommen für ihre Tätigkeit einen festen Lohn und nur bei besonders erfolgreicher Arbeit einen kleinen Bonus.

Redaktion: Arbeitet Greenpeace mit drastischen Bildern, um Mitleid zu erregen?

Gerhard Wallmeyer: Ja, Greenpeace zeigt drastische Bilder, wenn sie die Wahrheit wiedergeben. Beispielsweise kommen jährlich ca. 300.000 Delphine und Wale durch menschliche Einflüsse in den Weltmeeren um. Davon erfährt man praktisch nichts in all den schönen Naturfilmen im Fernsehen. Wir aber zeigen das.

Redaktion: Drängt Greenpeace Menschen zum Spenden?

Gerhard Wallmeyer: Nein, deshalb bekommen die Dialoger ein Grundgehalt, das mindestens die Hälfte ihrer Entlohnung ausmacht. Das entspricht der zentralen Forderung des Deutschen Fundraisingverbandes in seinen Ethik-Richtlinien, die wir erfüllen und die ein Drückertum verhindern sollen.

Redaktion: Gibt es bei Greenpeace ein Widerrufsrecht? Gibt es eine Kündigungsfrist?

Gerhard Wallmeyer: Bei Greenpeace gibt es keinerlei Fristen oder Einschränkungen. Bei Greenpeace kann man jederzeit kündigen. Ein Anruf genügt. Bei Greenpeace gilt: Wir wollen keine Gelder eintreiben. Eine Spende ist immer freiwillig.

Redaktion: Was macht Greenpeace mit den Spenden?

Gerhard Wallmeyer: Da Greenpeace ausschließlich von Spenden lebt, werden alle Aktivitäten damit bezahlt - alle Schiffe, Laboruntersuchungen, Studien, Veröffentlichungen, wissenschaftliche Expeditionen etc.

Redaktion: Wie viel Prozent gibt Greenpeace für Werbung aus?

Gerhard Wallmeyer: Ca. acht Prozent. Das schwankt natürlich. Die aktuellen Zahlen sind im Internet in den offiziellen und geprüften Jahresberichten zu finden.

Redaktion: Warum hat Greenpeace nicht das Spendensiegel des DZI?

Gerhard Wallmeyer: Keine der größeren Natur- oder Umweltorganisationen hat das DZI-Siegel. Das Siegel war ursprünglich exklusiv für die karitativen Organisationen geschaffen worden. Das wurde zwar geändert, aber für kampagnenorientierte und rein spendenbasierte Organisationen wie Greenpeace passen die Kriterien nach wie vor nicht. Ein Beispiel: Die meisten karitativen Organisationen haben erhebliche Einnahmen aus staatlichen Zuwendungen, oft mehr als 50 Prozent. Die Berechnung der Werbekosten aber orientiert sich an den Gesamtausgaben. Schon allein dadurch sehen die Werbekosten dieser Organisationen in der öffentlichen Darstellung recht niedrig aus.

Redaktion: Was muss getan werden, um Privatpersonen einen besseren Überblick zu geben?

Gerhard Wallmeyer: Letztlich kommt es doch darauf an, ob durch eine Spende etwas bewegt wird, also ob sie einen Nutzen hat. Darauf sollte ein Spender achten und ob die Organisation ethisch verantwortlich handelt. Da ist eine Spende bei Greenpeace natürlich gut aufgehoben. Greenpeace bewegt richtig viel - nicht nur hier, sondern weltweit. Und Greenpeace hat eine eigene, ausgesprochen präzise und detaillierte Fundraising-Ethik.

Redaktion: Wie kann ich jetzt spenden?

Gerhard Wallmeyer: Ganz einfach: Auf den roten Spendenbutton oben rechts auf der Webseite klicken.

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