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Brigitte Behrens, Geschäftsführerin des Greenpeace Deutschland e. V., Juni 2003
© Linda Putzenhardt / Greenpeace

Jahresrückblick 2004

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Liebe Leserinnen und Leser,

was machen eigentlich diejenigen, die keine Lobby haben, die sich nicht zu Wort melden können? Können sich Kabeljauschwärme gegen ihre Vernichtung wehren? Kann ein finnischer Urwald gegen seine Abholzung klagen? Nein, man wird sie nicht hören. Greenpeace gibt der bedrohten Natur eine Stimme. 2004 haben wir weiter für die Schutzgebiete in Wäldern und in den Meeren gekämpft. Mit Erfolg.

Für ein Fünftel des russischen Dvinsky-Waldes wurde ein Einschlagstopp verkündet. Im November stellte der brasilianische Präsident Lula 20.000 Quadratkilometer Urwald im Amazonas unter Schutz. Dies ist ein Gebiet der Größe von Rheinland-Pfalz. Auch die australische Regierung plant nach Greenpeace-Aktionen in Tasmanien die Einrichtung eines Schutzgebiets. Weitermachen heißt unsere Devise, denn noch schreitet die Zerstörung der letzten Urwälder schneller voran als die Rettung.

Auch unter Wasser wird die Zeit knapp. Nord- und Ostsee leiden - wie viele andere Meeresregionen - unter extremer Überfischung und skrupellosen Fangmethoden, die die Meeresökosysteme zerstören. Im Sommer 2004 haben wir mit Aktionen und regionalen Infotagen großflächige Meeresschutzgebiete gefordert. Mit der Präsentation des Beifangs unter dem Brandenburger Tor haben wir vielen Menschen die Augen geöffnet, welche Vielfalt an Meerestieren sinnlos das Leben lassen muss, auch wenn die Jagd nur einer Speisefischart dient.

Menschen haben eine Stimme und Konsumenten haben Macht. Sie können Konzerne zum Umdenken, zum nachhaltigen, lebensraumschützenden Verhalten bewegen. Konzerne reagieren aber nur auf Druck. Daher scheute Greenpeace auch 2004 keine Konfrontation. Wir haben unsere Kampagne für Lebensmittel ohne Gentechnik fortgesetzt. Die Reaktion der Unternehmensgruppe Theo Müller GmbH & Co. KG: Der Milchproduzent wollte Greenpeace per Gerichtsentscheid einen Maulkorb verpassen lassen. Ein Kölner Gericht hat in zweiter Instanz jedoch für Greenpeace entschieden.

Wir können nun unsere Kampagne gegen Milch-Produkte, für die genmanipuliertes Tierfutter eingesetzt wurde, ungebremst fortsetzen. Greenpeace fordert von Müller und anderen Molkereien, auf Futter ohne Gen-Pflanzen umzustellen, um so deren Anbau nicht länger zu fördern. Gen-Pflanzen breiten sich in der Natur unkontrolliert aus und machen eine gentechnikfreie Landwirtschaft langfristig unmöglich.

Auch die Vergiftung mit Dieselruß oder Pestiziden muss sich niemand gefallen lassen. Greenpeace hat von der Bundesregierung Priorität für den Gesundheitsschutz verlangt. Mit steuerlichen Anreizen muss die Nachrüstung von Dieselautos mit Rußfiltern beschleunigt werden. Von Bundesministerin Künast, zuständig für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, forderten und fordern wir wirksamen Schutz gegen Giftrückstände im Essen - das heißt Reduktion von Pestiziden und nicht Anhebung erlaubter Grenzwerte.

Vom Klimawandel sind alle betroffen, die mit und die ohne Lobby. Beim Klimaschutz steht die Bundesregierung in der Pflicht, hehren Worten Taten folgen zu lassen. Zur ersten internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien, Renewables 2004, nach Bonn einzuladen, reicht allein nicht. Klimaschutz bedeutet, verstärkt in Sonne- und Windkraft zu investieren statt neue klimaschädliche Kohlekraftwerke zu bauen. Greenpeace kämpft dafür.

Allein diese Beispiele zeigen schon, welch wichtige Rolle wir für die Weiterentwicklung der Gesellschaft, für eine lebendige Diskussion und für die Verbesserung der Schutznormen für Natur und Umwelt haben. Umso überraschter waren wir daher, als uns am 8. Dezember das Finanzamt Hamburg-Mitte-Altstadt mitteilt, dass es prüft, ob es Greenpeace die Gemeinnützigkeit für 2003 entziehen soll.

Für 2003? Das war in der 24-jährigen Geschichte von Greenpeace Deutschland ein ganz normales Jahr im Kampf für den Umweltschutz. Das Finanzamt kritisiert, dass wir über Protestaktionen im Internet berichten. Dieselbe Behörde hat uns erst im Februar 2004 die Gemeinnützigkeit bestätigt und uns deshalb bis zum Jahr 2009 vorläufig von der Körperschaftssteuer befreit.

Wegen Umweltzerstörung prangern wir nicht nur Regierungen und Staaten, sondern immer wieder auch Gentechnik-, Kohle- und Atomkonzerne an. Es ist bekannt, dass mehrere konservative und liberale Politiker in den letzten Monaten in Zusammenhang mit Protestaktionen von Greenpeace gegen genmanipulierte Pflanzen gefordert hatten, Greenpeace die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Die finanziellen Folgen einer möglichen Aberkennung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2003 können wir zur Zeit noch nicht einschätzen. Wir sind mit dem Finanzamt weiter im Gespräch. Die für 2003 ausgestellten Spendenbescheinigungen bleiben aber in jedem Fall gültig, unabhängig vom Ausgang der Überprüfung.

Unsere Arbeit geht weiter. Bitte stärken Sie uns den Rücken und unterstützen Sie Greenpeace weiterhin so engagiert.

Mit herzlichen Grüßen und herzlichem Dank

Brigitte BehrensGeschäftsführerin von Greenpeace

Jahresrückblick 2004

Jahresrückblick 2004

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