In Gedenken an Andreas Bernstorff
- Ein Artikel von Martin Kaiser
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Unser langjähriger Weggefährte Andreas Bernstorff ist am 18. Januar 2026 gestorben – es ist ein Abschied von einem Pionier und Freund. Ein Nachruf von Martin Kaiser, Geschäftsführender Vorstand von Greenpeace.
Für viele von uns war Andreas weit mehr als ein ehemaliger Kollege. Er war einer der Köpfe, die das strategische Campaigning bei Greenpeace maßgeblich professionalisiert haben. Wer mit ihm zusammengearbeitet hat, schätzte vor allem seine unaufgeregte Art: Andreas musste nie laut werden, um überzeugt zu wirken. Seine Stärke war die analytische Schärfe und eine unerschütterliche Haltung, die er mit großer Gelassenheit vertrat.
Zwischen 1989 und 2005 prägte er Greenpeace wie kaum ein anderer. Andreas war die treibende Kraft hinter unseren Kampagnen gegen Giftmüllexporte. Dass wir heute das Basler Übereinkommen haben, das den Export von gefährlichen Abfällen in den Globalen Süden verbietet, ist zu einem großen Teil seinem strategischen Geist und seinem langen Atem zu verdanken. Er hat uns gelehrt, dass eine Kampagne nicht nur aus Protest besteht, sondern aus einer präzisen Analyse der Machtverhältnisse.
Wer Andreas in der Vorbereitung und dem Ausrollen von Kampagnen erlebte, wusste, dass er mit Haut und Haaren für die Greenpeace-Vision lebt. Er war wochenlang Tag und Nacht im Büro, sichtete die Akten und Recherchen, entwickelte Strategien und Taktiken. Von ihm konnte ich viel lernen.
Auch nach seiner aktiven Zeit bei Greenpeace blieb er uns als Berater und vor allem als Freund eng verbunden. Er hat Generationen von Campaigner:innen beigebracht, wie man komplexe politische Geflechte entwirrt und den Finger genau in die Wunde legt. Sein Buch über das Campaigning wird in unseren Regalen bleiben, aber seine Wärme und sein Humor werden uns in den Fluren und in den Diskussionen fehlen.
Andreas hat uns gezeigt, dass man radikal in der Sache und gleichzeitig sanftmütig im Umgang mit Menschen sein kann. Er war ein Brückenbauer, der es verstand, selbst mit Gegnern so zu sprechen, dass sie ihm zuhören wollten. Und er war uneitel, trug seinen Adelstitel nicht.
In diesen Stunden sind unsere Gedanken bei seiner Familie und seinen engen Weggefährten. Wir verlieren einen Wegbereiter der Umweltbewegung. Sein Vermächtnis lebt in jeder Kampagne weiter, die wir heute führen.
Andreas hat uns gezeigt, dass man die Welt verändern kann, wenn man standhaft bleibt. Wir werden seinen Hut, den er ständig trug und seinen scharfen Verstand vermissen, aber wir tragen seine Vision weiter.
RiP Andreas,
traurig und dankbar
Martin