Rinderzucht ist flächenmäßig Hauptverursacher der Urwaldzerstörung in Brasilien

Regenwald auf der Schlachtbank

Die brasilianische Regierung schätzt, dass 62 Prozent des Waldverlusts auf das Konto von Rinderfarmern geht, die die Bäume fällen und dann meist anzünden. Unabhängige Schätzungen sprechen gar von 75 bis 80 Prozent.
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Der Großteil der Rodungen geschieht illegal – aber meist straffrei. Per Satellitenüberwachung kann die brasilianische Regierung dabei eigentlich genau verfolgen, wo zurzeit Brände wüten. Wegen eines fehlenden bzw. lückenhaften Landkatasters lassen sich diese nur nicht immer eindeutig einem Besitzer zuordnen.

Mehr als ein Drittel der 200 Millionen brasilianischen Rinder steht bereits auf ehemaligem Urwaldboden. Jahrelang hat die brasilianische Regierung die Anlage von Farmen in diesen Gebieten durch subventionierte Kredite befördert, von denen auch Großkonzerne wie Volkswagen oder Dupont profitierten. Strafen wegen illegaler Abholzungen wurden nur in Ausnahmefällen verhängt. Der Bau von Straßen und die Förderung von Schlachthöfen tat ein Übriges. Brasilien hat sich so zum größten Rindfleischexporteur der Welt entwickelt, verbraucht aber auch selbst immer mehr Fleisch. Es gibt einen großen informellen Markt für Rindfleisch. Dort wird für den Binnenmarkt geschlachtet, ohne dass der Staat auch nur die hygienischen Bedingungen kontrolliert – geschweige denn andere Faktoren.

Greenpeace-Studie wirbelt die Branche auf

Im Juni 2009 veröffentlichte Greenpeace Brasilien nach dreijähriger Recherchearbeit eine Studie, die minuziös die Komplizenschaft zwischen Regierung, Farmern, Schlachthäusern und Abnehmern von Fleisch und Leder nachzeichnete. Noch im selben Monat wurde die brasilianische Regierung aktiv und verhängte plötzlich Strafen gegen zunächst 21 Farmer wegen illegaler Abholzung und 13 Schlachthäuser, die deren Rinder abgenommen hatten. Knapp 70 Abnehmern des Fleischs wurde ebenfalls von der Regierung nahegelegt, ihre Lieferverträge zu kündigen, wenn sie keine Konsequenzen fürchten wollten.

Innerhalb eines Monats kündigten 35 Einzelhandelsketten und Fleischverarbeiter ihre Verträge. Im August 2009 verkündete die Vereinigung brasilianischer Supermärkte, in Zukunft Herkunftsnachweise von ihren Lieferanten zu verlangen. Im gleichen Monat einigten sich die führenden drei Schlachthausketten JBS, Minerva und Marfrig auf einen Verhaltenskodex - das sogenannte Rindermoratorium. Darin verpflichten sich die drei größten Schlachthausbetreiber Brasiliens, keine Rinder von Farmern zu kaufen, die illegal in Schutzgebiete eindringen, moderne Sklaverei betreiben oder von Farmern, die seit Oktober 2009 neuen Regenwald für Weideland gerodet haben. Die brasilianische Entwicklungsbank, die bislang durch großzügige Kredite zum Boom des Rindfleischsektors beigetragen hatte, verschärfte auf ähnliche Weise ihre sozioökologischen Richtlinien zur Vergabe von Krediten.

Adidas, Nike und Geox: Kein Leder aus Urwaldzerstörung mehr

Auch Abnehmer außerhalb Brasiliens reagierten auf die Kritik von Greenpeace. Die Schuhhersteller Adidas, Nike und Geox erklärten, das Leder aus Urwaldzerstörung in Zukunft abzulehnen. Die Entwaldungsraten gingen in den Folgejahren stetig zurück, die strengere Überwachung wirkte. 2013 aber stieg sie stark wieder an, gerade wegen des neuen Waldgesetzes, das Anreize zu neuer Entwaldung schaffte.  

Rindfleischkonzerne kündigen Kontrollsystem an

Im Dezember 2013 unternahmen die drei großen Schlachthausunternehmen JBS, Marfrig und Minerva einen weiteren Schritt, um ihre Beteiligung an der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes zu beenden: Sie einigten sich auf ein standardisiertes Audit, das am 01. April 2014 veröffentlicht wurde. Damit legten sie offen, ob ihre Lieferanten in Urwaldzerstörung verwickelt sind oder ihre Farm auf Flächen der geschützten Indianergebiete ausgeweitet haben. 

Autor: Helge Holler
Stand: 04/2014

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