Greenpeace-Tour für einen Nationalpark im Spessart

Schutzengel für den Spessart

Tausende Hektar grüner Märchenwald mit uralten Bäumen: Der Spessart braucht Schutz. Greenpeace setzt sich deshalb dafür ein, dass dort der dritte bayerische Nationalpark entsteht.

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Update vom 19. Juli 2017:

Die Bayerische Staatsregierung hat gestern mit einem Kabinettsentscheid den Spessart aus dem Auswahlverfahren für einen dritten Nationalpark in Bayern ausgeschlossen.

Dazu sagt Sandra Hieke, Greenpeace-Expertin für Wälder: „Diese Entscheidung der Landesregierung von Horst Seehofer verhindert den bestmöglichen Naturschutz. Steigerwald und Spessart sind die besten Gebiete, da sie als alte und große Laubwälder ökologisch von besonderem Wert sind. Wenn die Landesregierung die Empfehlung der Umweltschutzverbände ignoriert, dann geht es beim dritten Nationalpark in Bayern nicht in erster Linie um den Schutz der Natur."

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Könnten die Jahrhunderte alten Eichen und Buchen im Spessart Geschichten erzählen, worüber würden sie dann wohl reden? Von wie vielen Menschen, die mit ihren Fingern das knorrige Holz entlang gefahren sind, könnte ein einzelner Baum berichten? Die Wälder des Spessarts sind ein grünes Meer. Ein Ozean aus hunderttausenden Baumkronen alter, mächtiger Bäume, die viele Generationen von Menschen erleben. Doch jede dieser Generationen überdauert nur einen kleinen Teil der Lebensspanne eines Baumes. Auch deshalb sollten die Menschen diese Bäume schützen. 

Nationalpark – das Beste für Mensch und Natur

Genau für diesen Schutz setzen sich Vertreter der Bürgerbewegung „Freunde des Spessarts“ ein; Umweltschutzverbände wie Greenpeace unterstützen sie tatkräftig. Ihr Wunsch: Rund 10.000 Hektar des bayerischen Spessarts sollen durch einen Nationalpark geschützt werden; das sind etwa zehn Prozent der dortigen Waldfläche. Etwa 75 Prozent dieser 10.000 Hektar wären dann dauerhaft vor der Säge sicher. International anerkannte Nationalparks gehören zu den bedeutendsten Schutzgebieten weltweit – sowohl für die Natur als auch für die Menschen.

Um über die Vorteile eines Nationalparks zu informieren, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und Unterschriften für die Einrichtung eines Parks im Spessart zu sammeln, bauen Greenpeace-Ehrenamtliche seit Ende Mai jedes Wochenende Infostände an unterschiedlichen Orten auf. Ihre Tour führt entlang des möglichen Suchraums für den Nationalpark im Spessart, der von den Gemeinden Rothenbuch, Bischbrunn, Altenbuch, Heimbuchenthal und Weibersbrunn eingegrenzt wird. Mal in Städten, mal in der Natur trotzen sie jedem Wetter, um sich für ein Ja zum Nationalpark einzusetzen.

Vielfalt sichern

Tanja Pfeiffer, Ehrenamtliche von Greenpeace, ist eine von ihnen. Sie spricht jeden an, der an ihrem Stand vorbeikommt: Fahrradfahrer, Wanderer, auch Motorradfahrern ruft sie zu und reicht Autofahrern Infoflyer durchs Fenster. Das Thema stößt auf großes Interesse, die meisten der Menschen kann sie an ihren Infostand lotsen, sie hören ihr zu. „Die Menschen sind froh über die Aufklärung“, sagt auch Martin Niedermaier, ebenfalls Greenpeace-Ehrenamtlicher und mit auf Infotour. „Es wird so viel über das Projekt Nationalpark erzählt, dass die Leute gar nicht mehr wissen, was stimmt.“

Richtig zum Beispiel ist: Wäre der Spessart der dritte Nationalpark in Bayern, bliebe die Natur dort auf großer Fläche sich selbst überlassen. Die natürliche Entwicklung der Wälder könnte wissenschaftlich erforscht werden, der Lebensraum und die Heimat zahlreicher Arten bliebe erhalten, und es gäbe Erfahrungsräume für Umweltbildung. Für Besucher wäre die Natur erlebbar: Erkundungstouren stände nichts im Weg. Zudem würde die Einrichtung eines Nationalparks den Tourismus und die regionale Wirtschaft ankurbeln und für eine hohe Lebensqualität in der Region rund um den Park sorgen.

Das Leben im Spessart ist artenreich: Tiere wie Luchs, Wildkatze oder Schwarzspecht sind dort zu Hause. Zudem leben in den Wäldern mehr als 320 verschiedene Käferarten, 13 davon sind extrem seltene „Urwaldkäfer“. Ihr Zuhause wäre durch einen Nationalpark gesichert.

Menschen wollen den Nationalpark

Dass diese Artenvielfalt weiterhin besteht und der Nationalpark eingerichtet wird, wünscht sich die Mehrheit der Menschen, die in der Spessart-Gegend leben. Das zeigt eine Emnid-Umfrage, die Greenpeace, Bund Naturschutz in Bayern,
Landesbund für Vogelschutz und WWF Deutschland veröffentlichten: 64 Prozent der Befragten aus den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart, Würzburg sowie den Städten Würzburg und Aschaffenburg sind für einen Nationalpark im Spessart. Auch viele Forstleute plädieren für den Park

Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in den Gesprächen an den Infoständen wider. Dietmar Murr aus Weikersheim im Taubertal freut sich über das Engagement von Greenpeace: „In Deutschland gibt es diese Urlandschaft gar nicht mehr. Ich verstehe nicht, wie es Menschen geben kann, die gegen einen Nationalpark sind.“

Denn der bietet schließlich nicht nur ausreichend Lebensraum für Tiere und schafft Rückzugsgebiete für sie – er lässt auch eine natürliche Entwicklung und Anpassung von Natur und Tieren an Veränderungen wie den Klimawandel zu. Kurzum: Ein Nationalpark ist das Beste für Mensch und Natur. Deshalb wünscht sich Greenpeace gemeinsam mit den Freunden des Spessarts und anderen Umweltverbänden einen Nationalpark im Spessart.

Und was hätten dann all die alten Bäume zukünftigen Generationen zu erzählen! Geschichten über einen Spessart, in dem Tiere und Pflanzen wild leben und wachsen, Menschen der Natur ganz nah sein können. Die knorrigen Bäume würden sicher schwärmen: Von den Menschen, die ihnen den Schutz durch einen Nationalpark gewährt hätten.

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