zur gemeinsamen Aktion im Dannenröder Wald 6. Dezember 2020

ERKLÄRUNG

Schockiert von der Naturzerstörung und besorgt um die Sicherheit der Aktiven, stellen wir uns gegen eine zukunftsfeindliche Verkehrspolitik und zeigen: Der Widerstand ist breit.

  • /

Im Angesicht von Klimakrise und Artensterben weiter Autobahnen durch gesunde Wälder zu treiben, verkennt die Herausforderungen einer Verkehrswende innerhalb der planetaren Grenzen. Wir gehen deshalb heute einen Schritt weiter und widersetzen uns der weiteren Räumung und Rodung für die A49.

Landes- und Bundesregierung fordern wir eindringlich auf, die weitere Naturzerstörung zu beenden, die brenzliche Lage vor Ort aufzulösen und eine Verkehrsplanung umzusetzen, die nicht länger auf Kosten von Natur und Klima geht. Und wir drücken unseren Respekt aus für den monatelangen, gewaltfreien Widerstand der Aktivist*innen in den Baumhäusern, besonders auch von sehr jungen Menschen, die sich für unser aller Zukunft einsetzen.

Viele von uns stellen sich damit bewusst in die Tradition Zivilen Ungehorsams. Dieser handelt, nachdem alle anderen politischen Mittel ausgeschöpft sind und politische Entscheidungen trotzdem weiter unseren Planeten und die Interessen künftiger Generationen gefährden. Dabei wird gewaltfrei und mit offenem Visier agiert. Wir achten bei jeder Aktion auf die Hygieneregeln, um uns auch angesichts der Pandemie verantwortungsvoll zu verhalten.

Ausmaß und Gefahr der multiplen, ökologischen Krisen werden täglich deutlicher. Die Warnungen der Wissenschaft dürfen nicht länger ignoriert werden. Um diese Krisen zu bewältigen, müssen Regierungen bei uns, in Europa und weltweit Wege finden, um die Zerstörung von Lebensräumen, das Aussterben zahlloser Arten und die sich beschleunigende Klimakrise zu stoppen.

Fünf Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens zeigt der Konflikt um den Dannenröder Wald auf eindrückliche, aber vor allem erdrückende Art und Weise, wie schwer diese Wege zu finden sind. Es ist nicht leicht, das Roden, Baggern, Bohren, Zerstören, Versiegeln zu beenden, weil  komplexe, politische Entscheidungsmechanismen dahinter stehen. Uns ist bewusst, dass die ökologischen Krisen unserer Zeit, uns gesamtgesellschaftlich, demokratisch vor große Herausforderungen stellen. Doch diese Herausforderungen können nicht länger verwaltet werden - Politik muss sie annehmen. Denn das ist die Hauptaufgabe von Politik: Lösungen für Probleme finden, die zu groß für die Einzelnen sind.

Der Konflikt um den Dannenröder Wald unterstreicht dies. Immer mehr Menschen ist klar, dass ein „weiter so“ ausgeschlossen ist angesichts der sich beschleunigenden Veränderungen unserer Umwelt. Jahrzehntealte Planungen passen nicht zu den aktuellen Herausforderungen. Gesunden Wald zu fällen für noch eine Autobahn passt nicht in eine ökologische Krise, die auch von zu vielen Autos verursacht wird. Wir brauchen eine Verkehrsplanung, die auf Klimaschutz basiert, statt ihn wie bisher zu ignorieren. Und ganz konkret: ein sofortiges Moratorium für den Bau neuer Fernstraßen und Autobahnen und eine Neuauflage des Bundesverkehrswegeplans, der zu einem alle Verkehrsträger umfassenden Mobilitätsplan umgewandelt werden muss.

Der Konflikt um den Dannenröder Wald ist kein Konflikt zwischen Aktivist*innen und Polizei. Auch darf ihn niemand ausschließlich als hessischen Lokalkonflikt missverstehen. Im Kern geht es in diesem Waldstück um die Frage: Wie kann eine fossile Gesellschaft ihre Mobilität und andere wirtschaftliche und gesellschaftliche Felder schnell genug so modernisieren, dass die fortschreitende Zerstörung gestoppt wird, bevor es zu spät ist? Diese Frage wird mit jedem weiteren Kilometer Autobahn vehementer gestellt werden. Keine Bundes- und Landesregierung wird künftig an einer Antwort vorbeikommen.

Gezeichnet:

●      Luisa Neubauer, Fridays For Future

●      Peter Wohlleben, Förster und Autor

●      Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand Greenpeace Deutschland

●      Christoph Bautz, geschäftsführender Vorstand Campact

●      Olaf Bandt, Vorsitzender Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

●      Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer Germanwatch

●      Antje Grothus, Umweltschützerin und Klimaaktivistin aus dem Rheinland

●      Moritz Tapp, Bundesvorstand BUNDjugend

●      Christiane Bals, Teachers for Future

●      Wolfang Wolman, Filmmakers for Future

●      Luisa-Céline Gaffron, Filmmakers for Future & Schauspielerin

●      Luise Befort, Schauspielerin

●      Mala Emde, Schauspielerin

●      Fabian Holzheid, politischer Geschäftsführer Umweltinstitut München

●      Dominique Just, Verkehrsreferentin Robin Wood

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

KONGOBECKEN: INS GRÜNE HERZ

Der Regenwald des Kongobeckens ist nach dem Amazonasgebiet der größte tropische Regenwald der Erde – und einer der Orte, an dem die Deutsche Bank Greenwashing betreibt.

Nachhaltig irreführend

Wie Unternehmen durch vermeintliche Nachhaltigkeitslabel Verbraucher:innen in die Irre führen, zeigt Greenpeace in einer heute veröffentlichten Studie.

Schlimme Waldschäden

Der aktuelle Waldzustandsbericht zeigt: Die Wälder in Deutschland sind massiv geschädigt. Die Ergebnisse gehören zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen 1984.