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Stoppt die Säge im Spessart!

Da sehen die Förster im Spessart den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr: Greenpeace-Aktivisten übermalen nahe Aschaffenburg Markierungen auf alten Bäumen, die gefällt werden sollen und tupfen die runden Markierungen auch auf bisher nicht markierte Bäume. Dadurch wissen die Förster nicht mehr, welche Bäume sie zum Fällen markiert haben.

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Gleichzeitig zur heutigen Aktion wurde der zuständige Forstbetrieb über die Markierungsarbeiten der Aktivisten informiert. In dem 125 Hektar großen Waldgebiet wollen die bayerischen Staatsforsten (BaySF) 227 alte Bäume fällen. Dagegen protestieren Greenpeace-Aktivisten bereits seit Wochen und haben Schilder mit dem Zeichen Motorsägen verboten angebracht. „Die Ergebnisse unserer Vermessung des Waldes lassen darauf schließen, dass diese Wälder älter als 180 Jahre sind. Das Unternehmen verstößt somit gegen das eigene Naturschutzkonzept“, so Greenpeace-Sprecher Martin Hofstetter.

Nach ersten Protesten von Greenpeace-Aktivisten Anfang des Jahres stoppten die bayerischen Staatsforsten (BaySF) vorübergehend den Einschlag für besonders schützenswerte, sogenannte Klasse-1-Wälder. Forstkarten , die Greenpeace zugespielt wurden, zeigen, dass auch das Waldgebiet, indem die Umweltschützer heute aktiv sind, über 180 Jahre alt ist. Damit muss es als Klasse-1-Wald eingeordnet werden. Die BaySF bestreiten, dass es sich bei dem Waldgebiet um einen besonders schützenswerten Waldbestand handelt, der von der Nutzung ausgenommen ist. Sie wollen etwa 50 Festmeter pro Hektar in dem Waldgebiet einschlagen.

Bayern hält weiterhin wichtige Daten und Kartenmaterial zurück

„Wer durch den Einschlag alter Buchen Geld verdient, darf nicht gleichzeitig darüber entscheiden, ob die Bäume schützenswert sind“, sagt Martin Hofstetter. „Unsere Wälder sind mehr als Holz. Sie haben vor allem auch vielfältige ökologische und soziale Funktionen.“

Greenpeace-Aktivisten hatten im Frühjahr sowie im Herbst dieses Jahres zahlreiche Wälder im Spessart kartiert, um von Bayern geheim gehaltene Daten selbst zu erheben. Insgesamt vermaßen die Aktivisten seit Anfang des Jahres im bayerischen Spessart über 30.000 alte Buchen und Eichen und erstellten detaillierte Karten. Bayern hält derweil noch immer wichtige Daten über die Lage und Zustand der Wälder zurück, die Greenpeace bereits im November 2011 nach Umweltinformationsgesetz angefragt hat. Andere Bundesländer sind ihrer Informationspflicht nachgekommen. „Horst Seehofer muss endlich seiner Pflicht als Landeschef nachkommen und die Daten freigeben“, sagt Martin Hofstetter.

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