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Firmen-Ranking: Grüne Elektronik fehlt auf dem Markt

Ein Leitfaden zur Grünen Elektronik ist am Freitag von Greenpeace in Amsterdam vorgestellt worden. Das Ergebnis: Keiner der untersuchten Handy- und PC-Hersteller des Rankings erreicht eine grüne Bewertung. In der Rangliste sind 14 Unternehmen berücksichtigt. Bewertet wurde, wie viele schädliche Chemikalien sie einsetzen und ob sie Elektromüll recyclen. Der Leitfaden soll die Verbraucher über das Verhalten der Unternehmen aufklären.

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Die Wertungsliste ist ein dynamisches Werkzeug. Es soll helfen, die Elektronikbranche zum nachhaltigen Wirtschaften anzuregen. Denn jedes Unternehmen will bei dem Rennen um die beste Bewertung an die Spitze gelangen. Da die Unternehmen belastete Altware zurücknehmen und entsorgen müssen, erhöht sich für sie der Anreiz, schädliche Stoffe bereits aus der Produktherstellung zu streichen. Dies ist der einzige Weg, eine sichere Wiederverwendung zu garantieren und den elektronischen Müll zu reduzieren, sagt Iza Kruszewska, Chemieexpertin von Greenpeace International.

Den ersten Platz in der Rangordnung teilen sich Nokia und Dell. Sie zeigen Verantwortung, die sie als Produzenten für die Rücknahme und Wiederverwendung ihrer Altelektronik tragen. Nokia hat dabei die meisten giftigen Chemikalien gestrichen: Seit Ende 2005 sind alle neuen Modelle ohne PVC hergestellt worden und für 2007 plant man, bei der Verwendung neuer Stoffe auf bromierte Flammschutzmittel zu verzichten. Auch Dell hat sich ehrgeizige Ziele bei der Verbannung schädlicher Stoffe aus seinen Produkten gesetzt.

PC-Hersteller Lenovo ist das Schlusslicht. Das Unternehmen kann jedoch im Chemiemanagement punkten. Zudem bietet es kostenlose Rückgabeprogramme für Produkte an. Dennoch bleibt die Unternehmenspolitik in Hinsicht auf Umwelt und Nachhaltigkeit in allen Punkten verbesserungswürdig.

Für Überraschung sorgt außerdem das Abschneiden des amerikanischen Elektronikkonzerns Apple. Das Unternehmen erreichte auf der Liste gerade einmal Platz 11. Trotz des bekannten Apfels als Logo - von Natur ist bei Apple kaum eine Spur: Zwar gibt sich der Konzern auf seiner Internetseite umweltbewusst und behauptet, vom Design bis zum Recycling achte er bei seinen Produkten auf den Einklang mit der Umwelt. Doch können beispielsweise nicht in jedem Land ausgediente Geräte zurückgegeben werden.

Besonders heikel ist zudem, dass der Konzern weder auf PVC noch auf bromierte Flammschutzmittel verzichten will. Die Mittel zur Forschung und Entwicklung stünden Apple bereit: Rund 182 Millionen Dollar investiert das Unternehmen jährlich in diesen Bereich.

Es ist entäuschend, dass Apple in allen Kriterien so schlecht abgeschnitten hat. Dem Unternehmen wird die weltweite Führung bei Design und Marketing nachgesagt. Es sollte auch führend in ökologischen Neuerungen sein, meint Kruszewska.

Für die Unternehmen gibt es im Ranking die Möglichkeit, sich schnell auf höhere Plätze vorzuarbeiten, denn es wird in jedem Quartal aktualisiert. Strafpunkte gibt es jedoch auch: Sollte ein Unternehmen falsche Angaben machen, doppelte Standards haben oder einen Fehltritt begehen, fällt seine Gesamtbewertung schlechter aus. Im aktuellen Ranking sind für die Bewertung der Handy- und PC-Hersteller im wesentlichen Informationen der eigenen Internetseiten herangezogen worden.

Welche Firma wie gut oder schlecht ist, können Sie auf den Seiten von Greenpeace International (auf Englisch) ausführlich nachlesen.

(Autorin: Cindy Roitsch)

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