Greenpeace-Kletterer demonstrieren gegen Siemens-Beteiligung an australischer Kohlemine

Brandspur bis München

Siemens' Beteiligung an einem klimaschädlichen Kohleprojekt in Australien ist ein kolossaler Fehler. Greenpeace-Aktivist*innen machen darum in München Druck – von oben.

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Verschwörungstheoretiker im Netz machen für die verheerenden Feuer in Australien in erster Linie Brandstifter verantwortlich – völliger Quatsch, wie bereits ein oberflächlicher Faktencheck belegt. Das bedeutet nicht, dass die in dieser Saison beispiellos stark wütenden Buschbrände nicht doch mit menschlichem Versagen zusammenhängen. Die Verursacher sind aber keine achtlosen Camper, sondern sitzen in den Chefetagen internationaler Unternehmen.

Denn wer nach wie vor in klimaschädliche Kohle investiert, trägt eine sehr direkte Verantwortung für die Erderhitzung, und damit für anhaltende Trockenheit und Hitze auch in Australien. Siemens ist so ein Fall: Das Unternehmen soll für den Ausbau der gigantischen Kohlemine Carmichael im Bundesstaat Queensland Signaltechnik liefern und hat im Dezember, als große Teile des Landes in Flammen standen, einen entsprechenden Vertrag mit dem indischen Konzern Adani geschlossen. 

Druck auf Siemens

50 Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten stiegen Siemens deswegen heute an seinem Münchner Standort aufs Dach. „Buschbrände beginnen hier!“ steht an der Gebäudefront – bis zur morgigen Aktionärs-Hauptversammlung wollen die Klimaschützer an Ort und Stelle Druck auf das Unternehmen ausüben, damit es seine Beteiligung zurückzieht. Dazu gehört auch: den Blick der Anteilseigner auf die katastrophale Entscheidung des Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser zu lenken, der nach wie vor hinter dem schmutzigen Deal steht.

Denn bevor Siemens den Vertrag erfüllt, müssen die Aktionäre zustimmen, „den Vorstand entlasten“, wie es in der Finanzsprache heißt. Sie können es aber auch bleiben lassen. Gestern demonstrierten Greenpeace-Aktivist*innen darum bei dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock in Frankfurt, der mit über fünf Prozent Anteil der größte Einzelaktionär von Siemens ist. Dieses Unternehmen wurde jüngst von ihrem Chef auf Nachhaltigkeit eingeschworen – und dürfte, sofern es diesem neuen Anspruch folgt, Kohlegeschäften nicht sein Okay geben.

Nachhaltigkeit, so lange es ins Geschäft passt

Dabei wäre Siemens so gerne der Gute im Spiel. Bis 2030 will das Unternehmen klimaneutral wirtschaften und knüpft darum die Vorstandsgehälter – zu einem geringen Teil – an die Erreichung dieses Ziels. Die Rechnung hakt allerdings gewaltig, so lange andere (wie etwa Adani) mit Siemens-Technik klimaschädliche Projekte realisieren. 

„Siemens-Chef Kaeser handelt unglaubwürdig, wenn er den CO2-Abdruck seiner Kunden ausblendet”, so Volker Gaßner, Greenpeace-Experte für Finanzen. „Die Vorstandsgehälter an das Erreichen von Klimazielen zu knüpfen ist ein richtiger Schritt. Eine Wirkung haben solche Maßnahmen aber erst, wenn das Management die Verknüpfung auch wirklich spürt.“ Gaßner hat darum einen besseren Vorschlag: „Mindestens 20 Prozent der Vergütung müssen an die Einhaltung von CO2-Zielen gekoppelt sein.”

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