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Auf der Suche nach Grüner Elektronik

Nächste Woche Montag beginnt in Hannover die CeBIT - die weltweit größte Computermesse. Handys, die noch mehr können oder Fernseher, die endgültig das Kino ersetzen sollen: Jährlich wartet die Ausstellung mit dem neuesten Schrei der Elektronikbranche auf. Keine Beachtung hingegen findet der Werdegang ausgedienter Geräte. Bis zu 50 Millionen Tonnen Elektroschrott werden schätzungsweise jährlich produziert. Er ist giftig und landet oft illegal in Asien.

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In vielen Ländern wächst kein anderer Müllberg so rasant wie der Elektroschrott. Niedrige Preise machen es attraktiver, defekte Geräte wegzuwerfen als sie reparieren zu lassen. So produziert beispielsweise Apple mit dem fest eingebauten Akku im iPod ein potenzielles Einweggerät.

Elektromüll illegal entsorgt

Wo landen alte Geräte? Obwohl die EU strengere Richtlinien zur Entsorgung von Elektroschrott hat, ist unbekannt, wo 75 Prozent der Altgeräte bleiben. Von den 8,7 Millionen Tonnen Elektromüll, die schätzungsweise jährlich in der EU produziert werden, werden 6,6 Millionen Tonnen nicht recycelt. Viele Geräte landen im Hausmüll. Dabei werden nicht nur Wertstoffe wie Stahl oder Kupfer vernichtet, sondern auch jede Menge Schadstoffe in die Umwelt gesetzt.

Stoffe wie PVC und bromierte Flammschutzmittel sind auch beim Recyceln ein großes Problem. Besonders dann, wenn skrupellose Geschäftemacher Elektroschrott illegal nach China oder Indien verschiffen. Dort nehmen Arbeiter - auch Kinder - die Altgeräte meist ungeschützt per Hand auseinander. So werden PVC-Kabel über offenem Feuer verbrannt, um an das wertvolle Kupfer zu gelangen. Die Arbeiter atmen die giftigen Dämpfe ein - fast immer ohne Schutzmasken.

Grüne Elektronik heißt die Lösung

Greener Electronics heißt die Kampagne von Greenpeace International. Die Firmen sollen endlich Verantwortung für ihre Produktion übernehmen, sagt Ulrike Kallee, Chemieexpertin von Greenpeace. Die Forderung ist, auf gefährliche Inhaltsstoffe zu verzichten und sinnvolle Recyclingsysteme aufzubauen.

Greenpeace hat zahlreiche namhafte Computer- und Handyhersteller geprüft und die Ergebnisse in einer Rangliste zusammengestellt. Die Kampagne zeigt Wirkung: Seit Veröffentlichung der ersten Rangliste im August 2006 haben sich einige Firmen verbessert. Es tut sich bei jedem Hersteller ein bisschen was, sagt Kallee. Der eine macht dies, der ander macht das. Bessere Materialien und Know-how sind da, aber dennoch fehlt ein wirklich grünes Produkt.

Wer weiß, was die CeBIT bringt. Frida Thurm ist dort für uns auf der Suche nach Grüner Elektronik. Über ihre Erfahrungen schreibt sie in ihrem Blog. Den Link finden Sie unten.

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