New Yorker und die Werbung mit dem Grauen

Wie hip ist der Atomkrieg?

Dress for the moment ist das Motto der Kleiderfirma New Yorker, und dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn es nur um das Verkaufen von Jeans, Pullovern und schicken Accessoirs ginge. Aber es geht um mehr. Auch im Angesicht des Atomkriegs, so die Botschaft eines Videoclips aus dem Hause New Yorker, kommt es allein darauf an, dass man - in der buchstäblich letzten Minute vor der atomaren Auslöschung - die Klamotten von New Yorker am Leibe hatte.
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Echt cool könnte man den abgebildeten Kids zurufen, die sich auch (oder gerade) beim Anblick des atomaren Explosion gut fühlen in ihren schicken outfits. Anscheinend ist die nukleare Auslöschung ein prima Nervenkitzel, selbst dann wenn's ernst ist. Aber gerade das scheint den Hype der Kids im Videoclip auszumachen - sie versammeln sich ganz freiwillig und in prima Stimmung, um beim final countdown dabeizusein. Und natürlich sind sie dressed for the moment, egal, was danach kommt.

Die Frage nach dem danach auszuklammern oder gar als Kick zu genießen, scheint cool zu sein. Eine nicht nur fragwürdige, sondern ausgesprochen zynische Einstellung. Vor kurzem erst gedachte alle Welt der Opfer des ersten amerikanischen Abwurfs einer Atombombe, das war in Hiroshima.

Das Grauen, das diese Menschen erleben mussten, ist unbeschreiblich. Da verwundert die Kaltblütigkeit, mit der eine Firma, der es natürlich nur um den Verkauf ihrer Produkte geht, das Ganze als Plädoyer für den lustvollen Genuss des Hier und Jetzt (Schreiben von New Yorker an Greenpeace) versteht. Ein Modefilm mit schwarzem Humor eben (New Yorker).

Mit dem Plädoyer für den lustvollen Genuss des Hier und Jetzt verträgt sich dann der gesellschaftkritische Touch, den New Yorker seiner Spaßaktion dann doch noch geben will, ausgesprochen schlecht: Man sehe, so New Yorker an Greenpeace, den Clip eher als sarkastischen Kommentar zur Lage der Gesellschaft. Angeblich sollen die Naivität angesichts turnusgemäßer hereinbrechender Katastrophen, die Dekadenz der Spaßgesellschaft gegenüber der unvermittelt zuschlagenden Wirklichkeit ... aufs Korn genommen werden. Was denn nun? Spaß im Hier und jetzt mit einem Extra-Kick dank nuklearem Inferno, oder gesellschaftkritischer Kommentar zur Dekadenz der Spaßgesellschaft?

Greenpeace hat New Yorker aufgefordert, den Clip aus seiner Website und aus den Kinos zurückzunehmen. Wir sind gespannt auf weitere Reaktionen.

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