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Uran: Schlecht für den Frieden, gut fürs Geschäft

Das UN-Ultimatum an den Iran läuft ab. Ahmadinedschad weist alle Bremsversuche zurück, der Streit um das iranische Urananreicherungsprogramm geht weiter. In Australien denkt die Regierung unterdessen über eine Steigerung des Uranexports nach. Natürlich ausschließlich zu friedlichen Zwecken. Doch eine neue Studie des Australian Strategic Policy Institute (ASPI) belegt, wie eine solche Politik das unkontrollierte nukleare Aufrüsten anheizt, das andererseits so scheinheilig bekämpft wird.

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Australien ist ein wichtiges Glied in der nuklearen Versorgungskette. Es verfügt über die größten Uranreserven der Welt - mehr als 40 Prozent der bekannten Vorkommen. Da es abgesehen von einem Forschungsreaktor keine eigenen Atomkraftwerke betreibt, wird nahezu der gesamte gewonnene Rohstoff exportiert. Damit ist Australien nach Kanada der zweitgrößte Uranexporteur weltweit.

Das Geschäft mit Uran ist äußerst profitabel. Ähnlich wie Öl wird der Brennstoff für Atomkraftwerke knapper und damit immer teurer. Gleichzeitig steigt die Nachfrage. Unter anderem haben die Atomwaffenstaaten China und Indien ehrgeizige Ausbauprogramme ihrer zivilen Atomindustrie gestartet.

Mit China hat Premier John Howard bereits im April 2006 einen lukrativen Vertrag über die Lieferung von Uran abgeschlossen. Ab 2010 soll Australien der wichtigste Uranversorger der Chinesen sein.

Mehr Uran im Umlauf ist gefährlich

Traditionell sind bislang in Australien nur drei Uranminen ausgebeutet worden. Das wird sich ändern, denn mehr Export setzt mehr Abbau voraus. Auch über den Aufbau einer eigenen Urananreicherungsindustrie denkt die australische Regierung mittlerweile nach. Beides - die Ausbeutung weiterer Uranvorkommen und die Urananreicherung - würde Australiens Rolle verändern. Die ASPI-Studie untersucht, wie sich diese Veränderung auf die Weiterverbreitung nuklearer Waffen auswirken würde.

Das Ergebnis: Das Einzige, was Anwärterstaaten oder terroristische Gruppierungen trotz verfügbarer Technologie davon abhalten kann, Atomwaffen herzustellen, ist Mangel an Uran. Je mehr Uran weltweit im Umlauf ist, desto größer ist das Risiko für den globalen Frieden. Und: Wer selber Uran anreichert, kann anderen Staaten das Recht dazu nicht absprechen.

Steve Shallhorn, Geschäftsführer des australischen Greenpeace-Büros, begrüßte am Donnerstag den Report, der die Verbindung zwischen dem Uranabbau und einem potenziellen neuen nuklearen Wettrüsten deutlich macht. Wir können nicht über Atomkraftwerke und Uran debattieren, ohne auch den direkten Zusammenhang mit Atomwaffen, so genannten Schurkenstaaten und Terrorismus zu betrachten.

Shallhorn weist zudem auf einen Artikel in der Chicago Tribune hin. Die US-Zeitung hatte kürzlich enthüllt, dass die USA in den Sechzigerjahren hoch angereichertes Uran und einen Forschungsreaktor an den Iran geliefert haben. Heute Freund, morgen Feind.

Grundsätzlich gilt: Wer Atomkraftwerke betreibt, ist potenziell auch in der Lage, Atomwaffen herzustellen. Zum hohen Risikopotenzial dieser Technologie gehört darum auch die Gefährdung des Friedens auf der Welt. Wer Uran in Umlauf bringt, und sei es zu scheinbar friedlichen Zwecken, ist mitverantwortlich für diese Gefährdung. Darüber hinaus ist schon der Uranabbau mit hohen Risiken für Umwelt und Menschen verbunden.

Für die Energieversorgung eines Landes gibt es andere Optionen als Atomkraftwerke. Aus Solarzellen, Windturbinen oder Biomasse kann niemand eine Massenvernichtungswaffe bauen.

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