Greenpeace protestiert in Bremerhaven gegen die ersten Panzer des US-Militärmanövers „Defender 2020“

Mit Krieg spielt man nicht

In Bremerhaven landen die ersten Panzer für das gigantische US-Militärmanöver „Defender 2020“. Auf Schlauchbooten fordern Greenpeace-Aktivisten „Frieden – keine Kriegsspiele“.

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Der Überseehafen in Bremerhaven ist nicht sehr einladend. Aus der Luft sieht das nördliche Hafenbecken aus wie ein ausgestreckter Stinkefinger. Kein besonders herzliches Willkommen für ankommende Schiffe, doch für das Eintreffen der "Endurance" die passende Umgebung: Dieses Frachtschiff ist nämlich eindeutig NICHT willkommen.

Vor der Hafeneinfahrt empfangen Greenpeace-Aktivist*innen das Schiff auf Schlauchbooten und fordern auf einem Banner: „Stop War Games – Save Peace“. Die Aktivist*innen protestieren gegen die Fracht des Schiffes: Panzer und anderes Kriegsgerät, das für ein monströses Militärmanöver über den Atlantik geschafft wird. „Defender 2020“ heißt es – oder auch „Defender Europe“ – und ist das größte Manöver, das die USA seit über 25 Jahren auf europäischem Boden durchführen.

Größtes Militärmanöver seit 25 Jahren

Die USA wollen mit dem Manöver unter Beweis stellen, dass sie in Windeseile große Truppenkontingente nach Osteuropa verlegen können. An Defender 2020 nehmen insgesamt 37.000 Soldaten teil. Zu den 9.000 bereits in Europa stationierten US-Soldaten kommen weitere 20.000 aus den USA herüber. Außerdem beteiligen sich Soldatinnen aus 17 weiteren Ländern an dem Manöver, auch 4.000 von der Bundeswehr sind involviert. Als „Host Nation“ stellt Deutschland zudem mehr als 1.500 Bundeswehr-Mitarbeiter und Polizeibeamte und weitere Logistikfachleute sowie Lager- und  Transportinfrastruktur zur Verfügung, um Panzer, Schiffe und Fluggeräte nach Osten zu schaffen.

Generalstabsmäßig exerziert, geballert und geflogen wird dann zwischen März und Juni in den baltischen Staaten Lettland, Litauen, Estland sowie in Georgien und Polen. Es handelt sich ganz offensichtlich um eine Machdemonstration gegenüber der russischen Regierung, die in den vergangenen Jahren seinerseits Großmanöver auf russischem Boden durchführte. Die NATO-Osterweiterung und die Annexion der Krim durch Russland haben das gegenseitige Misstrauen zwischen Russland und den westlichen Staaten erhöht, Kriegsübungen wie dieses tragen zur Eskalation bei. Die Staaten sind offensichtlich dabei, die hohe Kunst der Diplomatie völlig zu verlernen.

Wettrüsten

 „War Games“ ist die englische Übersetzung für Militärmanöver. Die Bezeichnung klingt harmlos, nach unschuldiger Tollerei im Sandkasten. Doch die Formulierung täuscht. Jedes Manöver erhöht letztlich die Gefahr einer Eskalation. Aus dem vermeintlichen Kriegsspiel kann schnell tödlicher Ernst werden. Zu einem Zeitpunkt, an dem es mehr denn je auf zwischenstaatliche Kooperation und Völkerverständigung ankommt, sendet Defender 2020 ein fatales Signal: Wir gegen euch. Dieses einfältige Schema sorgt nicht für Frieden und Sicherheit. Es verstärkt das gegenseitige Misstrauen und führt immer tiefer in eine Aufrüstungsspirale, aus der sich immer schwerer hinausfinden lässt.

Die globalen Probleme unserer Zeit können die Staaten nur gemeinsam bewältigen. Die Klimakrise und die Verbreitung von Atomwaffen sind keine lokal begrenzten oder begrenzbaren Herausforderungen, mit denen ein Land – und sei es noch so mächtig – alleine fertig werden könnte. Statt auf Manöver, Militär und Aufrüstung sind wir auf Solidarität, Zusammenarbeit und Gerechtigkeit zwischen den Staaten angewiesen. Das Überleben der menschlichen Zivilisation hängt davon ab.

Von deutschem Boden soll nur Frieden ausgehen

Im sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag hat das wiedervereinigte Deutschland 1990 erklärt, dass von deutschem Boden nur noch Frieden ausgehen dürfe und jegliche Störungen des friedlichen Zusammenlebens der Völker unterbleiben müsse. In diesem Sinne fordert Greenpeace von der Bundesregierung, die Teilnahme an dem Manöver umgehend zu stoppen.

Die grauenvolle Erfahrung von zwei von Deutschland begonnenen Weltkriegen hat den Europäer*innen beigebracht, dass das friedliche Miteinander zwischen den Völkern dem gegenseitigen Abschlachten eindeutig vorzuziehen ist. Wir sollten die Worte Albert Einsteins im Ohr behalten, dem das Zitat zugeschrieben wird: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“

Zwei Weltkriege sind genug

Nicht nur die Menschheit, auch unsere Menschlichkeit steht auf dem Spiel. Es gilt, einen Rückfall in ein Zeitalter der Barbarei zu verhindern, in dem das Gesetz des Stärkeren galt. Mehr denn je brauchen wir ein Miteinander statt eines Gegeneinanders. In diesem Geiste hat Greenpeace ein Friedensmanifest formuliert – bestehend aus elf Thesen für eine Welt in Frieden und Sicherheit.

>>> Wir fordern: Klimaschutz statt Aufrüstung, Miteinander statt Gegeneinander: Werden Sie Mitzeichner*in des Greenpeace-Friedensmanifests <<<

Autor: Christoph von Lieven

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