Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Australien will Star Wars

Während die gesamte Welt besorgt zum Persischen Golf und Irak blickt, sorgt der australische Premierminister John Howard für Kriegsbefürchtungen im eigenen Land einer ganz anderen Art. Howard hat am Donnerstag mitgeteilt, dass sein Land ernsthaft überlege, die USA bei der Entwicklung eines Raketenabwehrschildes zu unterstützen. Davon verspreche er sich auch Schutz vor Bedrohungen von so genannten Schurkenstaaten, wie das über 6000 Kilometer entfernte Nord-Korea.

Die Äußerung des Premierminister im australischen Radio kommt nicht völlig überraschend. Schon lange hört man vom Fünften Kontinent Sympathiebekundungen für die Pläne der US-Regierung, sich mit Hilfe eines Abwehrschildes vor Angriffen mit Langstreckenraketen zu schützen. Auf der anderen Seite bemüht sich die Regierung des US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush sehr um eine Allianz mit Australien und auch Großbritannien. Beide Staaten wären ideale Standorte für Satellitenverfolgungs-Stationen, auf die das US-Star Wars-Programm dringend angewiesen ist.

Star-Wars (richtig: National Missile Defence, NMD) soll die USA - und ihre Verbündeten - vor einen Raketenangriff von außen schützen. Ein Netz aus Infrarot-Satelliten im All und Radarstationen am Boden sollen vermeintlich angreifende Projektile ausfindig und mit Abfangraketen unschädlich machen. Die Planung des NMD strapaziert besonders die Beziehungen zwischen den USA und Russland und China.

Doch der australische Premier stößt mit seiner Erklärung auf Widerstand, sogar aus den Reihen der eigenen Partei. Das Raketen-Abwehrsystem gilt als zu komplex, unzuverlässig und teuer. Zugleich drohen regionale Rüstungswettläufe in Gang gesetzt zu werden.

Jeder Beitrag Australiens zu diesem unnötigen und provokativen Programm zementiert nicht nur unsere Rolle als Brückenkopf für das US-Militär in der asiatischen Region, sondern läuft auch dem australischen Engagement für internationale Abrüstungsverträge zuwider, kommentiert Lena Aahlby von Greenpeace Australien die Äußerungen Howards. Australien sollte sich eher darum bemühen, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu reduzieren, anstatt sich von Bush führen zu lassen. Australien sollte Vorbild sein und nicht zu militärischem oder atomarem Nachrüsten beitragen.

Wenn unsere Regierung es wirklich ernst damit meint, uns vor atomaren Attacken schützen zu wollen, dann sollte sie einen kritischen Blick auf die eigenen Rolle bei der Versorgung Asiens mit Atommaterial werfen, kritisiert Aahlby weiter. Eine große Menge des australischen Urans geht nach Süd-Korea und Japan. Solange wir dieses Material exportieren, tragen wir direkt dazu bei, dass die atomare Bedrohung wächst.

Greenpeace sieht in den US-Plänen für ein Star Wars-Programm große Gefahren. Unter anderem werden China, Indien und Pakistan ihre atomare Bewaffnung steigern. Das Programm wird internationale Waffenkontroll- und Abrüstungsprozesse zum Erliegen bringen. Star Wars schützt auch nicht gegen Terror-Attacken, gibt Aahlby zu bedenken. Stattdessen könnte es uns verletztlicher machen, wenn sich Australien in die US-Militärstrategie einbinden lässt.

Tags:

Mehr zum Thema

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.

Später als fünf vor Zwölf

Ab heute wird das UN-Atomwaffenverbot unterzeichnet, zugleich ängstigen Nordkoreas Atombomben. Ist ein Atomkrieg möglich? Greenpeace-Expertin Susanne Neubronner gibt Antwort.

Widerstand ist zweckvoll

Gegenwind für die Politik von US-Präsident Donald Trump: Hinter dem Weißen Haus flatterte gestern ein Banner von Greenpeace-Aktivisten: „Resist“ – widersetze dich.