25 Jahre für die Umwelt

Greenpeace steht für spektakuläre Aktionen. Darüber ist die Umweltschutzorganisation auch in Deutschland bekannt geworden. Seit 1980 setzen sich auch deutsche Aktivistinnen und Aktivisten mit viel Mut und Engagement für den Schutz unserer Umwelt ein.
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1980

Zitat Harald Zindler: Irgendwann war mir klar: Mit diesen Demos kommen wir auf die Dauer nirgendwo hin. Wir müssen das anders machen. Und so bin ich auf Greenpeace gekommen. Dass es bei Greenpeace nur um die Sache ging, das gefiel mir.

Premiere für Greenpeace

Es ist ein bunter Haufen, der da am 13. Oktober 1980 zur Tat schreitet: Der Bielefelder Verein zur Rettung von Walen und Robben, der Kölner Arbeitskreis Chemische Industrie und die Bunte Liste protestieren, unterstützt von Greenpeace Holland mit zwei Schlauchbooten, an mehreren Orten gegen die Dünnsäureverklappung der Bayer AG.

Stoppt die Dünnsäureverklappung

In Nordenham, wo Aktivisten das Verklappungsschiff Kronos mit zwei aufblasbaren Rettungsinseln 48 Stunden lang blockieren, sind zwei entschlossene Menschen mit von der Partie: Monika Griefahn und Harald Zindler, den ein Hamburger Hafenarbeiter für die Aktion angeworben hat.

Umweltaktivismus liegt zu dieser Zeit in der Luft. 1979 haben Griefahn und Zindler ein Schiff gechartert, um hunderte von Demonstranten auf der Elbe zum AKW Brunsbüttel zu befördern. Zindler, von Beruf Elektriker und aus Berufung Aktivist, hat in Hamburg gemeinsam mit zornigen Elbfischern missgebildete Fische vor das Deutsche Hydrographische Institut gekippt, um die amtlich genehmigte Wasserverschmutzung anzuprangern. Diplomsoziologin Griefahn ist, nachdem sie in Paris David McTaggart, den Vorsitzenden von Greenpeace International getroffen hat, schwer beeindruckt. Das ist es, findet sie, eine Organisation, in der international gehandelt wird, die über jedes nationale Interesse hinausdenkt.

1981

Auf Initiative von Greenpeace International wird der Sitz von Greenpeace e. V. im Februar von Bielefeld nach Hamburg verlegt.

Schlotbesetzung bei Boehringer

24. Juni: Langsam rollt ein unauffälliger Lieferwagen auf das Firmengelände der Hamburger Pestizidfabrik Boehringer, laut Frachtpapieren beladen mit Befestigungslaschen und einem Gehäuse. Der Wagen hält in der Nähe eines Schornsteins. Zwei Männer steigen aus, gehen ohne Hast auf den Schlot zu – und beginnen dann zügig, ihn zu erklettern. Oben angekommen, entrollen sie ein langes Transparent: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Darunter prangt der Schriftzug Greenpeace in Blockbuchstaben. 26 Stunden harren Peter Krichel und Harald Zindler in luftiger Höhe aus, Protest gegen die Verseuchung der Umwelt mit Dioxin. Journalisten, die im Lieferwagen versteckt waren, dokumentieren die Aktion. Das darauf folgende Medienecho macht Greenpeace mit einem Schlag bundesweit bekannt. Fast auf den Tag genau drei Jahre später ordnet ein Gericht an, dass die Giftküche Boehringer geschlossen werden muss.

Einsatz vor Helgoland

Sirius heißt das neue Greenpeace-Aktionsschiff – wie der hellste Stern am Himmel. Das ehemalige Lotsenversetzschiff ist in den Niederlanden gekauft und mit Hilfe vieler Freiwilliger umgerüstet worden. Eins seiner Einsatzgebiete: Die Nordsee bei Helgoland, wo im Auftrag der Firma Kronos-Titan 1200 Tonnen Dünnsäure verklappt werden sollen. Die Crew der Sirius setzt Schwimmer vor dem Chemikalientanker Titan aus. Monika Griefahn, die den Funkkontakt zur Titan hält, muss wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen, doch schließlich dreht der Dünnsäurefrachter unverrichteter Dinge bei.

Auszüge des Dialogs mit der Titan:

Greenpeace: Titan, fahren Sie nicht in das Verklappungsgebiet.

Titan: Das erzählen Sie mal dem Reeder und nicht dem Kapitän.

Greenpeace: Ihre Firma verklappt täglich 1200 Tonnen Dünnsäure in die Nordsee. Sie tragen dazu bei, dass die Fische Krankheiten und Geschwüre haben...

Titan: ...meine Fische sind aber nicht schlecht.

Greenpeace: Sie gefährden nicht nur Fische, sondern auch uns.

Titan: Ich werd’ dafür bezahlt.

Greenpeace: Titan, kehren Sie um...

Titan: ...Halt doch dein Maul, du dumme Kuh.

Greenpeace: Sie tragen die Verantwortung dafür, wenn unsere Kinder, Sie, wir alle sterben...

Titan: ...ist doch lächerlich, halt dein Maul, du Xanthippe!

Greenpeace: Fahren Sie zurück...

Titan: ...total bescheuert.

Greenpeace: Sie tragen Verantwortung für unser Überleben...

Titan: ...total beknackt.

Greenpeace: Wir wollen alle leben. Wir wollen auch Ihr Überleben, tragen Sie Ihren Teil dazu bei...

Titan: Die muß ich wohl mal umlegen...

Greenpeace: ...Titan, Titan, drehen Sie um.

Titan: Bist du am Krepieren, oder was?

Greenpeace: Da sind drei Taucher im Wasser vor Ihnen. Die Schwimmer machen von ihrem Recht Gebrauch, in der Nordsee zu baden, lassen Sie die Schraube stopen.

Titan: Das ist eine verbrecherische Aufforderung, wir sind alle Zeugen.

Greenpeace: Wenn Sie sagen, dass Sie nach Nordenham fahren, nehmen wir die Schwimmer weg.

Titan: Das ist jetzt Nötigung.

Greenpeace: Sie nötigen uns, indem Sie die Umwelt verschmutzen, kehren Sie um.

Titan: Wo habt Ihr diese Sprüche alle gelernt, in der Ostzone?

1982

Nach heftigem internem Streit um die Frage Basisdemokratie oder Professionalisierung spaltet sich Greenpeace. Ein Teil der Gruppe gründet später die Organisation Robin Wood.

Besuch bei Dow Chemical

8. März: Nichts geht mehr bei Dow Chemical, elbabwärts von Hamburg: Die Sirius und acht deutsche Fischkutter legen den gesamten Schiffsverkehr mit der Chemiefabrik lahm. Die Bundesregierung im fernen Bonn hat den Verkauf von Elbfischen verboten, da in einigen der Fische Quecksilber und andere giftige Substanzen nachgewiesen worden sind. Ursache für die chemische Verseuchung des Elbstroms sind die Abwässer der Dow. Die empörten Fischer haben Greenpeace um Unterstützung für ihre Protestaktion gebeten.

Protest gegen Atommüllverklappung

August/September: Die Sirius ist im Einsatz gegen die Atommüllverklappung im Nordatlantik. Aktivisten besetzen die Abwurfplattformen der Frachter oder manövrieren Schlauchboote direkt unter die gefährlich über ihren Köpfen baumelnden Atommüllfässer. Der Niederländer Gijs Thieme wird fast von einem herabfallenden Fass erschlagen. Wutentbrannt ketten sich drei Kollegen – darunter der Deutsche Harald Zindler – an die Schwenkkräne des Frachters Rijnborg und harren zwei Tage lang aus. Am 22. September verkündet die niederländische Regierung den Stopp der Atommüllversenkung.

Robbenaktionstag

In zehn deutschen Städten Gruppen mit Wolken von Robbenluftballons in Pelzgeschäfte und fordern einen Stopp des Verkaufs von Produkten aus Sattel- und Klappmützenrobben. In Bonn blockieren Greenpeacer zwei Stunden lang den Eingang des Landwirtschaftsministeriums. Drei Tage später wiederholen sie die Aktion vor dem Europa-Parlament in Straßburg. Die Mehrheit der Parlamentarier stimmt für ein Importverbot.

1983

Erfolge: Die London Dumping Convention, zuständig für die Verhütung von Meeresverschmutzung durch Verklappung, beschließt mehrheitlich ein Moratorium für die Versenkung von Atommüll (siehe 1993). Der EG-Umweltrat beschließt ein Importverbot für Robbenprodukte, gültig ab Oktober 1983.

Protestfahrt gegen Atomwaffentests

28. August: Auf einem abgeernteten Feld irgendwo bei Klein-Ziethen nahe Berlin, auf dem Territorium der DDR, landet ganz sanft ein Heißluftballon. Die zwei Männer in der Gondel brauchen nicht lange zu warten: Nach etwa zehn Minuten prescht ein Geländewagen über das Feld, vier Soldaten springen heraus und richten Maschinenpistolen auf die Ballonfahrer. Es handelt sich um zwei Greenpeacer auf Friedensmission. Der Deutsche Gerd Leipold und der Brite John Sprange wollten mit ihrer Aktion im Luftraum über der geteilten Stadt gegen die Atomtests aller vier Mächte protestieren. Die beiden werden durchsucht, festgenommen, abtransportiert und verhört. Fünf Stunden später schiebt man sie nach Westberlin ab. Der Ballon Trinity bleibt allerdings beschlagnahmt. Erst im Oktober 1985 rückt die DDR ihn gegen eine Lagergebühr von 8.523 Mark (West) wieder heraus. Leipold und Sprange werden wegen Einfuhr von Kriegsgerät zu einer Geldstrafe verurteilt (siehe 1985).

Marsch ins Atomtestgebiet

16. April: Vier Greenpeacer – die US-Amerikaner John Hinck und Brian Fitzgerald, der Brite Ron Taylor und der Deutsche Harald Zindler – dringen auf das Atomversuchsgelände der USA, die Nevada Test Site, vor. Ausgerüstet mit Schutzkleidung, Geigerzählern, Zelten, Schlafsäcken und Proviant verbergen sie sich fünf Tage lang in der Wüste. Ein weiterer Kollege bringt Fotos, die ihre Anwesenheit belegen, nach Las Vegas. Die USA sehen sich gezwungen, ihren geplanten Test zu verschieben. Helikopter suchen vergeblich nach den Aktivisten. Am 20. April stellen sich die vier Greenpeacer freiwillig.

Harald Zindler: Um weit genug in die Wüste reinzukommen, wollten wir einen fahrbaren Untersatz mieten. Das Problem war bloß: Bei der Autovermietung wollten sie meine schönen Dollarscheine nicht annehmen, das ging in den USA schon damals alles nur mit Kreditkarte. Was tun? Schließlich haben wir irgendwo am Straßenrand einen gebrauchten Pickup gefunden, der zum Verkauf stand. Den konnten wir bar bezahlen, das ging alles ganz unbürokratisch. So sind wir dann also im eigenen Wagen aufgebrochen.

1984

Erfolg: Die Firmen Kronos Titan und Pigment-Chemie kündigen das Ende der Dünnsäureverklappung für 1998 an.

Die Beluga

Greenpeace e. V. erwirbt ein ehemaliges Feuerlöschboot, das in Hamburg zum Flussaktionsschiff umgebaut wird.

Zwei mal vier gegen sauren Regen

Synchron-Aktion gegen das Waldsterben: Am Morgen des 2. April klettern Greenpeace-Teams zeitgleich auf Abluftkamine von Braunkohlekraftwerken in acht Ländern – in Belgien, der Bundesrepublik, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und, von deutscher Seite aus vorbereitet, auch in der Tschechoslowakei. Sie entrollen leuchtend gelbe Transparente mit Slogans gegen den sauren Regen in der Landessprache (Was lebt, braucht Luft lautet der deutsche Spruch) und je einem Riesenbuchstaben. Auf den zusammengesetzten Fotos von der Aktion ergibt sich so zweimal das Wort STOP. Im August zieht es Greenpeace wieder in schwindelnde Höhen. Diesmal ist der höchste Abgasschlot Europas das Ziel. Er gehört zum Kohlekraftwerk Buschhaus in Niedersachsen, das ohne Rauchgasreinigung ans Netz gehen soll. So Nicht, steht kurz und bündig auf dem Banner. Am 1. September beschließt das Braunschweiger Verwaltungsgericht: So nicht. Buschhaus muss mit einer Entschwefelungsanlage nachgerüstet werden.

1985

Einen Regenbogen kann man nicht versenken

10. Juli: Um 23:45 Uhr Ortszeit reißen zwei Explosionen große Löcher in den Rumpf des Greenpeace-Schiffs Rainbow Warrior, das im Hafen der neuseeländischen Stadt Auckland ankert. Das Schiff sinkt innerhalb von Minuten. Der portugiesische Fotograf Fernando Pereira, 36 Jahre alt und Vater zweier Kinder, ertrinkt bei dem Versuch, seine Kameraausrüstung zu bergen.

Zuerst ist es nur ein Gerücht, dann verdichtet es sich zur Tatsache: Es war ein Anschlag, ausgeführt vom französischen Geheimdienst, Codename Operation Satanic. Er sollte eine Protestfahrt der Rainbow Warrior zum Moruroa-Atoll verhindern, wo Frankreich Atombomben testet. L’affaire Greenpeace wird zur Staatsaffäre: Geheimdienstchef Admiral Pierre Lacoste wird am 20. September entlassen, Verteidigungsminister Charles Hernu tritt zurück. Premierminister Laurent Fabius gesteht die Schuld des französischen Geheimdienstes an dem Attentat ein. Frankreich muss Entschädigungen an Neuseeland, an Greenpeace und die Familie Fernando Pereiras zahlen. In seinen 1997 erschienenen Memoiren schreibt Admiral Lacoste, Präsident Mitterrand habe dem Attentat persönlich zugestimmt.

Nur zwei der mindestens neun an dem Terrorakt beteiligten Agenten werden gefasst und in Neuseeland zu je zehn Jahren Haft verurteilt, nach kurzer Zeit jedoch der französischen Militärbasis Hao überstellt. Mit wirtschaftlichem Druck erpresst Frankreich die neuseeländische Regierung dazu, die Agenten vorzeitig auf freien Fuß zu setzen.

Der Protest gegen die Atomversuche geht weiter: Statt der Rainbow Warrior fährt das Antarktis-Schiff MS Greenpeace nach Moruroa.

Die Beluga geht auf Tour

15. März: In einer feierlichen Zeremonie wird im Hamburger Hafen das neue, mit Labor und Aktionsmaterial ausgestattete Flussaktionsschiff auf den Namen Beluga getauft, nach dem kleinen weißen Wal. Die Mission des Neuzugangs der Greenpeace-Flotte: den europäischen Flussverschmutzern auf die Finger schauen. Deshalb leert die 11-jährige Taufpatin Jenny auch reines Quellwasser von verdreckten Flüssen in Schweden, England, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei über den Bug der Beluga aus.

Greenpeace bekommt Friedensballon zurück

11. Oktober: Am Grenzübergang Zarrentin-Hagenow kann eine Greenpeace-Delegation den Heißluftballon Trinity in Empfang nehmen - gegen Zahlung einer vierstelligen Summe in bar. Der Ballon war im August 1983 nach einer Aktion gegen Atomtests der vier Mächte jenseits der Mauer gelandet und über zwei Jahre im Gewahrsam der DDR geblieben.

1986

Reaktorkatastrophe in Tschernobyl

Am 26. April gerät Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine nach einem misslungenen Experiment außer Kontrolle. Radioaktivität wird in die Luft geschleudert, verteilt sich weiträumig. Viele Katastrophenhelfer sterben. Die Umgebung des AKW ist unbewohnbar. Noch immer erkranken Menschen, Kinder kommen missgebildet zur Welt. In Teilen Europas ist die Strahlung bis heute erhöht.

Weltpark Antarktis

Die Greenpeace fährt erstmals in die Antarktis, um dafür zu kämpfen, dass das einzigigartige Ökosystem geschützt und zum Weltpark erklärt wird. Die Deutsche Irmi Mussack ist als Smutje an Bord. Der Plan, ein Camp mit Überwinterern zu errichten, scheitert dieses Mal noch am dichten Packeis.

Gesalzene Grüße von drüben

14. September: Ungewohnter Besuch beim Umweltministerium der DDR in Ostberlin: Drei Greenpeace-Aktivisten kippen einen Zentner Salz, in wochenlanger mühevoller Kleinarbeit aus dem Wasser von Werra und Weser herausdestilliert, vor dem Gebäude aus. Das Salz stammt aus den Kali-Bergwerken der DDR. Zwei weitere Aktivisten seien unter Verwendung einer vier Meter langen ausklappbaren Metalleiter auf den Vorbau vor dem Eingang des Hauses der Statistik gestiegen, notiert die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG) des Ministeriums für Staatssicherheit. Akribisch beschreibt sie sodann, die Umweltschützer hätten ein aus weißem Nesselstoff bestehendes 3,10 x 3,08 großes Transparent mit der Aufschrift DDR-Salz vergiftet Werra + Weser. Schluss damit. Greenpeace entfaltet. Der Text war in schwarzer und grüner Farbe mit einer Buchstabengröße zwischen 22 und 43 cm aufgetragen. Ein anderes, aus Plaste bestehendes Plakat, so die ZAIG weiter, sei vor der Verhaftung der Beteiligten durch die Volkspolizei noch nicht zur Anwendung gekommen.

Aktion gegen WAA Wackersdorf

Greenpeace versperrt im November mit LKWs die Zufahrt zur geplanten atomaren Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in der Oberpfalz.

Aktionen gegen Flussverschmutzung

17. Dezember: 15 Greenpeacer seilen sich als Menschenvorhang von der Rheinbrücke in Leverkusen ab, damit die Besatzung der Beluga in Ruhe Proben aus dem Abflussrohr der Firma Bayer ziehen kann.

1987

Erfolg: Der Aufbau der ersten nichtstaatlichen Antarktis-Station klappt im zweiten Anlauf. Zum ersten Überwinterer-Team gehört die deutsche Wissenschaftlerin Gudrun Gaudian.

10. Juli: Am zweiten Jahrestag der Versenkung der Rainbow Warrior startet Greenpeace die Kampagne für atomwaffenfreie Meere (Nuclear Free Seas).

Öffentliche Probeentnahme bei Bayer

16. Juli: Wieder einmal eine Undercover-Operation von Greenpeace: Eine Firma Friedemann Grün fährt bei der Bayer AG in Brunsbüttel vor. Angeblich soll sie Rohrleitungen reparieren. Als man den Mitarbeitern der Firma Zugang zu den Abwasserrohren gewährt, entpuppen sie sich als Klempner der ganz anderen Art. Sie nehmen Proben, packen ihr Schweißgerät aus und bringen an einem der Rohre einen öffentlichen Probeentnahmehahn an. Ihre Forderung: das gläserne Abflussrohr muss her, die Offenlegung aller Substanzen, die in Flüsse eingeleitet werden. Bayer kann dieser Art von Transparenz nichts abgewinnen. Der Konzern fordert rund 405.000 Mark von Greenpeace – Schadensersatz für Produktionsausfälle sowie exorbitante Reparaturkosten für das Abflussrohr. Der Rechtsstreit zieht sich drei Jahre lang hin und endet mit einem Vergleich. Immerhin: Nach der Greenpeace-Aktion wird die Menge der Schadstoffeinleitungen in die Elbe reduziert, veröffentlicht und strenger überwacht.

Kampf gegen Seeverbrennung

Seit fünf Jahren kämpft Greenpeace gegen die Hochseeverbrennung giftigen Chemieabfalls aus ganz Europa. Mehr als die Hälfte davon stammt aus Deutschland. Zwischen August und Oktober stellt die Sirius mehrmals die Verbrennungsschiffe Vesta und Vulcanus II in der Nordsee. In Mannheim sperren Aktivisten die Ausfahrt des Rheinauhafens. Sie wollen die TMS Wedau daran hindern, Giftmüll zur Seeverbrennung nach Antwerpen zu bringen. Als die Wasserschutzpolizei die Sperre beseitigt hat, eskortieren Greenpeace-Schlauchboote den Lastkahn rheinabwärts.

1988

Erfolg: Mehrere deutsche Handelsunternehmen kaufen keinen isländischen Fisch mehr.

Dritte Antarktisexpedition

Das neue Schiff Gondwana bringt ein weiteres Überwinterer-Team zur Greenpeace-Weltparkstation – darunter auch die Deutsche Sabine Schmidt.

Voller Einsatz für die Nordsee

30. Mai: Mit einer zwölf Meter langen und 1000 Kilo schweren Ankerkette vertäuen drei Greenpeace-Aktivisten ihr Schlauchboot am Dünnsäurefrachter MS Kronos und hindern ihn so am Auslaufen. Selbst von einer gerichtlichen Verfügung, die an einem Band ins Schlauchboot heruntergelassen wird, lassen sich die Insassen nicht beeindrucken. Erst am folgenden Mittag werden die Ketten gekappt und das Schlauchboot abgeschleppt. Als die Kronos gegen 22.30 Uhr ablegt, sausen zwei andere Schlauchboote hinter ihr her. Wolf Wichmann aus dem Hamburger Greenpeace-Büro gelingt es, in den Auslassschacht direkt über dem Verklappungsrohr des Giftschiffes zu hechten. Der Kapitän der Kronos ignoriert das Manöver und nimmt mit voller Fahrt Kurs auf die offene Nordsee. Wichmann bleibt nichts anderes übrig, als sich am Einleitungsrohr festzuklammern, bis nach Intervention der Wasserschutzpolizei endlich die Maschine gedrosselt wird. Die gesamte Aktion hat fast zwei Tage gedauert.

Gegen Atommüll-Tourismus in Emden

5. Dezember: Greenpeace protestiert in Emden mit Schlauchbooten und der Moby Dick gegen den Atommüllfrachter Sigyn. Er soll hochradioaktive abgebrannte Brennelemente aus dem deutschen Versuchsreaktor Kahl nach Schweden transportieren. Die Schlauchboote umkreisen die Sigyn, als sie auf die Schleuse zuhält. Die Moby Dick dampft ihr entgegen, trifft kurz nach ihr in der Schleuse ein und wirft dort Anker, so dass die Sigyn festsitzt. Nach anfänglichem Chaos auf Seiten der Ordnungshüter wird die Moby Dick von einem Polizeiboot weggeschleppt.

1989

Erfolge: Am 31. Dezember beenden Sachtleben Chemie und Kronos Titan die Dünnsäureverklappung in der Nordsee.

Die Gesellschaft für Verbrennung auf See (GVS) gibt auf – deutscher Müll wird fortan nicht mehr auf See verfeuert.

April: Die deutsche Atomindustrie gibt ihren Plan auf, im oberpfälzischen Wackersdorf eine Wiederaufarbeitungsanlage zu bauen.

9. November: Die Mauer fällt – und gibt den Blick frei auf die gigantischen Umweltschäden der DDR.

10. Juli: In Hamburg läuft die Rainbow Warrior II vom Stapel.

FCKW – nee: Invasion bei Hoechst

5. Juli: Ozonloch und Treibhauseffekt made in Germany: Auf dem Gelände des Pharma- und Chemiekonzerns Hoechst AG in Frankfurt am Main wimmelt es nur so von Greenpeace-Aktivisten. Von weitem schaut es aus wie eine Invasion außerirdischer Insekten: 230 Frauen und Männer, alle in weißen Schutzanzügen und mit weißen Schirmen, haben mit einem Trojanischen Schiff ohne Greenpeace-Zeichen den Werkschutz ausgetrickst und sich zum Entladepier gemogelt. Von dort schwärmen sie aus, besetzen einen Kran und entfalten zwei Transparente: Hautkrebs hat einen Namen: Hoechst steht auf dem einen, das andere lautet Ozonkiller Hoechst – Stopp FCKW jetzt. Mit der Großaktion bekräftigt Greenpeace die Forderung, aus der Produktion von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) auszusteigen, die die Ozonschutzhülle der Erde durchlöchern und zur Klimaveränderung beitragen.

In luftiger Höhe gegen Wasser-Raubbau

9. Juni: Verschwendung reinsten Wassers: Im Braunkohlerevier Hambach bei Aachen seilen sich fünf Greenpeace-Aktivisten von einem 60 Meter hohen Bagger ab – Protest gegen die Firma Rheinbraun, die für den Braunkohle-Tagebau das Gelände trockenlegt und dafür einen beispiellosen Wasser-Raubbau betreibt. Sage und schreibe 600 Milliarden Liter wertvolles Grundwasser werden jedes Jahr abgepumpt und in den Rhein geleitet.

Unerwünscht: Atomwaffen an Bord

12. Mai: Wir haben Atomwaffen an Bord leuchtet es an diesem Abend von der Bordwand des britischen Flugzeugträgers Ark Royal, der zum 800. Hafengeburtstag die Stadt Hamburg angelaufen hat. Nicht die Marine Ihrer Majestät, sondern Greenpeace sorgt für die Aufklärung der Öffentlichkeit – mit Hilfe eines Diaprojektors. Am 18. Juni begrüßen ein Segelschiff und acht Schlauchboote von Greenpeace bei der Kieler Woche das mit Atomwaffen bestückte US-Schlachtschiff Iowa mit Transparenten: Stop. No Nukes in Kiel.

1990

Ab 3. Oktober gibt es nur noch einen deutschen Staat. Damit sind aber nicht alle Probleme auf einen Schlag gelöst, auch die Umweltprobleme nicht. Daher hat Greenpeace in Ostberlin ein Büro eröffnet.

Gegen Flussverschmutzer in Ost und West

7. April: Die Beluga läuft aus zur deutsch-deutschen Elbe-Tour, diesmal geht es von Dresden aus flussabwärts. Mitorganisator ist Jörg Naumann aus Dresden, der schon vor dem Mauerfall in der Umweltbewegung aktiv war und Kontakte zu Greenpeace hatte. Was die Greenpeace-Chemiker in ihrem Bordlabor während der Tour alles finden, verschlägt ihnen mitunter fast die Sprache: Pharmarückstände aus einem Arzneimittelwerk in Radebeul, ein wahrer Giftcocktail mit Dioxin, Blei, Organochlorverbindungen und anderen Chemikalien aus dem Silbersee beim VEB Fotochemischen Kombinat Wolfen, Pestizide aus der Agrochemie... Beim VEB Vereinigte Zellstoffwerke Pirna pumpen Aktivisten aus Ost und West gemeinsam den ekligen graugelben Schaum auf dem Wasser zurück auf das Werksgelände. In Wolfen stellen sie ein Transparent an den Silbersee, das die desolate Situation der Elbe kurz und bündig zusammenfasst: Wir machen die Erde zum Mond. Ihre chemische Industrie.

FCKW: Plakate nennen Ross und Reiter

Im Juni lanciert Greenpeace in zwölf Städten eine spektakuläre Plakataktion: Alle reden vom Klima. Wir ruinieren es steht unter den Konterfeis der Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Hilger von der Firma Hoechst und Cyril van Lierde von der Kali-Chemie. Die Herren sind für die Produktion von jährlich etwa 100.000 Tonnen des Ozonkillers FCKW verantwortlich. Beide gehen juristisch gegen Greenpeace vor. Hilger erreicht schließlich, dass sein Bild und Name entfernt werden müssen – doch der stattdessen angebrachte Zensiert-Aufkleber sorgt für noch größere Popularität (siehe 1999).

1991

Erfolge: 9. September. Die Firma Hoechst teilt Greenpeace mit, dass sie aus der FCKW-Produktion aus- und in die Produktion chlorhaltiger Ersatzstoffe gar nicht erst einsteigt.

4. Oktober: 26 Staaten unterzeichnen ein Schutzabkommen für die Antarktis. 50 Jahre lang sollen dort keine Rohstoffe abgebaut werden.

Gut geklaut ist fast erfunden

1. März: Man muss schon zweimal hinschauen, um das dünne Heft im Spiegel-Format und –Layout als Greenpeace-Publikation zu identifizieren: Bis aufs i-Tüpfelchen ist Das Plagiat sowohl äußerlich als auch stilistisch dem Hamburger Nachrichtenmagazin nachempfunden. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Das Plagiat erscheint als weltweit erste Zeitung auf chlorfrei gebleichtem Tiefdruckpapier. Fischfreundlich, wie oben rechts gleich unter Nr. 1 / 1. Jahrgang zu lesen ist. Christoph Thies, Papierexperte aus dem Hamburger Greenpeace-Büro, mag nicht länger hinnehmen, dass deutsche Großverlage, darunter auch der Spiegel-Verlag, sich mit dem Verzicht auf chlorgebleichtes Papier so schwer tun. Mit dem Plagiat will Greenpeace Verlegern und Papierherstellern, aber auch Verbrauchern auf die Sprünge helfen. Thies im Plagiat-Interview: Wir sind alle Täter: Zellstoff- und Papierhersteller, Verleger und Werbeleute – und auch wir Verbraucher. Wir müssen alle umdenken.

Den Müllschiebern auf der Spur

Februar: Das erste Greenpeace-Dossier Internationaler Müllhandel erscheint. Seit 1988 recherchieren Andreas Bernstorff und seine Kollegen in anderen Büros zu diesem Thema. Getarnt als Ersatzbrennstoff oder Konstruktionsmaterial exportieren skrupellose Müllschieber schmutzige Technologien, abgelaufene oder verbotene Pestizide und vieles mehr – Dinge, deren Entsorgung im eigenen Land die Hersteller teuer zu stehen käme. Schon bald nutzen Polizei, Behörden und Medien die Greenpeace-Berichte, um Fälle von Giftverschiebung aufzudecken.

1992

Erfolge: 2. Dezember. Greenpeace gratuliert dem Spiegel: Seit 9. November druckt das Magazin seine gesamte Auflage auf chlorfreiem Papier.

März: Frankreich kündigt ein vorläufiges Moratorium für die Atomtests im Südpazifik an.

Giftmüll zurück an Absender

8. Mai: Greenpeace deckt einen Giftmüll-Skandal auf. Als Wirtschaftsgut deklariert, hat die Tyre Recycling Industries (TRI) Hunderte Tonnen giftiger Altlasten aus der ehemaligen DDR ins rumänische Sibiu (früher Hermannstadt) verfrachtet – mit Genehmigung der saarländischen Behörden. Rund 2000 Tonnen giftige Industrieabfälle sind hier seit September 1991 abgeladen worden – in Kellern, Hinterhöfen und auf freiem Feld. Deutsche Behörden und Ministerien in Bund und Ländern weigern sich, die Verantwortung zu übernehmen. Anfang September laden Greenpeace-Aktivisten zwölf Giftfässer auf einen Laster. Sie wollen den Müll zu Bundesumweltminister Klaus Töpfer nach Bonn bringen. Zehn Tage wird der LKW in Schönberg festgehalten. Töpfer erklärt sich für unzuständig, lässt die am LKW festgeketteten Greenpeacer räumen und die Giftfässer auf einen Parkplatz im sächsischen Meerane bringen. Doch drei Monate später einigen sich der Bund und eine Abfallkommisson der Länder darauf, 425 Tonnen Giftmüll aus Rumänien nach Deutschland zurückzuholen.

Coole Sache ohne Ozonkiller

16. Juli: Vorhang auf für Greenfreeze, den ersten Kühlschrank der Welt ohne FCKW und FKW. Greenpeace vermittelt zwischen Erfindern und Industrie: Die ostdeutsche Firma dkk Scharfenstein (später Foron) will das Gerät produzieren. Zuvor sind einige Hindernisse zu überwinden: Die Treuhand will die dkk liquidieren, und die großen Kühlschrank-Hersteller lassen nichts unversucht, den Greenfreeze mies zu machen, einschließlich Horrorvideos mit explodierenden Kühlschränken. Nach einer Rüge des Bundeskartellamts lenken die chlorreichen Sieben ein. Die Vermarktung des Greenfreeze kann beginnen.

Kollision im Eismeer

13. Oktober: Es kracht heftig, als das russische Kriegsschiff Ural das Greenpeace-Schiff Solo rammt. Die Solo ist unterwegs, um die atomare Verseuchung der Karasee bei Novaja Semlja zu dokumentieren. Hier hat die ehemalige UdSSR mindestens 15 komplette Atomreaktoren, meist von U-Booten, sowie tausende von Atommüllfässern versenkt. Thomas Schultz-Jagow aus dem Hamburger Büro ist an Bord der Solo und erlebt mit, wie sie beschossen, geentert und abgeschleppt wird. Erster Erfolg: Am Jahresende kündigt Präsident Jelzin eine radiologische Untersuchung des Eismeers an.

1993

Erfolge:März: Auf Druck von Greenpeace lässt Bundesumweltminister Klaus Töpfer deutschen Giftmüll aus Rumänien zurückholen.

12. November. Die Londoner Konvention, ein Abkommen zum Schutz der Meere, beschließt ein endgültiges und weltweites Verbot der Atommüllverklappung (siehe 1983).

17. Dezember: Nach Aktionen gegen Kahlschlag und Urwaldzerstörung erklären die Verlage Gruner & Jahr und Springer, der Otto Versand und Mohndruck ihren Ausstieg aus der Verwendung von kanadischem Raubbauholz.

Energiewende – jetzt!

Greenpeace setzt sich vehement für den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft und für eine Energiewende ein. Nach Veröffentlichung einer Studie, die zeigt, dass weltweit 165 Druckwasserreaktoren Risse aufweisen, erklimmen Aktivisten am 19. April den stillgelegten Reaktor Mülheim-Kärlich und malen einen dicken gelben Riss auf die Kuppel – Protest gegen die Wiederinbetriebnahme des maroden und überdies erdbebengefährdeten Meilers. Am 11. Juni bringt das Greenpeace-Schiff Solo strahlende Fracht nach Hamburg: Sand aus der Nähe der britischen Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Sellafield, so stark radioaktiv belastet, dass er nach deutschem Recht als Atommüll gilt. In Sellafield werden auch deutsche Atomabfälle wiederaufgearbeitet. Mit dem verstrahlten Sand fährt Greenpeace nach Berlin und fordert von der dort tagenden PARCOM-Konferenz, die radioaktive Einleitungen ins Meer reglementiert: Schluss mit der Wiederaufarbeitung! 20 Aktivisten protestieren schließlich am 22. November am AKW Brokdorf gegen den Transport abgebrannter Brennelemente zur WAA Sellafield.

Sparmobil: vom Museum auf die Straße

Am 2. September schafft es die Deutsche Umweltstiftung alias Greenpeace, das Sparauto Renault VESTA aus dem Firmenmuseum bei Paris loszueisen, angeblich als Leihgabe für eine Ausstellung in Köln. Der VESTA wird bei seinem Eintreffen in Köln entführt und taucht am 8. September auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt auf. Bevor das Sparmobil zurückgegeben wird, präsentiert Greenpeace es bei VW, Opel, Mercedes Benz, BMW und Ford: 1,9 Liter auf 100 Kilometer ist machbar, lautet die Botschaft.

1994

Erfolg: März: In Genf beschließen die Vertragsstaaten der Basel-Konvention, alle Giftmüllexporte aus den reichen Industrieländern nach Osteuropa und in die Dritte Welt zu verbieten.

Return to sender

4. März: Bevor es zu der Vereinbarung der Basel-Konvention kommt, wird noch einmal kräftig Druck gemacht: Auf einem ehemaligen Rangierbahnhof im albanischen Bajze hieven Greenpeace-Aktivisten in Schutzanzügen und mit Gasmasken Fässer mit Altpestiziden auf einen LKW. Als humanitäre Hilfe getarnt, ist das Gift vor zwei Jahren aus Hannover nach Albanien verschoben worden. Aus den undichten Fässern sickert es ins Erdreich und droht das Trinkwasser zu verseuchen. Nachdem der Laster mit der brisanten Fracht am 10. März acht Stunden lang die Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl blockiert hat, verkündet Umweltminister Klaus Töpfer, er werde die humanitäre Hilfe aus humanitären Gründen nach Deutschland zurückholen. Anfang November ist es so weit. Mit der Beluga begleitet Greenpeace den Frachter mit den 450 Tonnen Giftmüll an Bord bis in den Hamburger Hafen.

Warum ist es am Rhein nicht rein?

August/September: Die Beluga ist unterwegs auf dem Rhein, um unter anderem gegen die Verseuchung des Grundwassers durch Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln zu protestieren. Greenpeace-Aktivisten statten den Niederlassungen von Hoechst und Bayer in Köln, Monheim und Frankfurt-Griesheim Besuche ab. Von einer Autobahnbrücke lassen sie ein riesiges Transparent herunter, unter dem mehrere Aktivisten hängen, und machen so auf die Grundwasservergiftung durch das Bayer-Pestizid Diuron aufmerksam.

1995

Greenpeace-Erfolg: Die strenge Trinkwasser-Richtlinie der EU mit einem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm Pestizid pro Liter bleibt erhalten, die Pestizid-Lobby konnte sich nicht durchsetzen.

Brent Spar: Umweltkrimi im Nordatlantik

20. Juni 1995, 19.14 Uhr. Im Hamburger Greenpeace-Büro kommt ein Fünfzeiler aus dem dpa-Ticker: Shell will Brent Spar nicht mehr versenken. Jubel bricht los. Nach 52 Tagen ist das Tauziehen zwischen Greenpeace und Shell um die Versenkung der ausgedienten Ölplattform im Nordatlantik beendet. Die Räumung der von Greenpeace-Aktivisten besetzten Brent Spar und der rabiate Einsatz von Wasserkanonen hat den Medien spektakuläre Bilder geliefert und in vielen Ländern für ein nie da gewesenes Maß an öffentlicher Empörung gesorgt. Das Ansehen der Shell ist auf dem Tiefpunkt, Tankstellen verlieren infolge eines Verbraucherboykotts bis zu 50 Prozent ihres Umsatzes, quer durch alle Parteien verurteilen Politiker öffentlich das Vorgehen von Shell. Im letzten Moment – die Brent Spar wird bereits zum Versenkungsgebiet geschleppt – gibt der Ölmulti auf: Die Plattform wird im Erfjord in Norwegen geparkt, bis eine Lösung für die Landentsorgung gefunden ist. Heute dienen die Reste der Brent Spar als Kaianlage im norwegischen Mekjavik. Die OSPAR-Konferenz für den Schutz der Meeresumwelt im Nordostatlantik beschließt noch im selben Jahr mehrheitlich einen Stopp für die Versenkung von Offshore-Installationen. Drei Jahre später wird er in ein endgültiges Verbot umgewandelt.

Wenige Tage vor dem Ende der Kampagne veröffentlicht Greenpeace eine falsche Schätzung der verbliebenen Ölmenge auf der Brent Spar, die auf einem internen Messfehler beruht und weitgehend unbeachtet bleibt. Erst als publik wird, dass sich Greenpeace Großbritannien Anfang September deswegen bei Shell entschuldigt hat, erheben die Medien (...) den Vorwurf, die Organisation habe von Anfang an mit falschen Zahlen operiert. Einige unterstellen sogar bewusste Täuschung. Das aber ist völlig aus der Luft gegriffen: Wochenlang hat Greenpeace nur die korrekten Zahlen aus Shell-Dokumenten verwendet.

Wir lagen vor Moruroa

Zehn Jahre nach dem Attentat auf die Rainbow Warrior fahren mehrere Greenpeace-Schiffe zum Moruroa-Atoll im Südpazifik, denn der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat eine Serie von acht Atombombentests angekündigt. Vor Beginn der Testserie entern französische Soldaten die MS Greenpeace und die Rainbow Warrior II, beschlagnahmen sie und verhaften die Crews. Auch die Segler Vega und Manutea werden von der französischen Marine gekapert. Trotz fortgesetzter Proteste in zahlreichen Ländern werden bis Ende des Jahres fünf Bomben gezündet.

Saurier, dein Name ist Auto

Im September stört Greenpeace das Hochamt der Automobilindustrie, die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Vor dem Eingang parken die neuesten Modelle von Mercedes, BMW, Opel, VW und Ford mit Plakaten auf den Dächern, die Sprit saufende Dinosaurier zeigen. Kurz zuvor hat Greenpeace am Modell eines Renault Twingo das Konzept für ein Sparmobil vorgestellt. Der SmILE (Small, Intelligent, Light, Efficient) zeigt: Die Halbierung des Benzinverbrauchs ist machbar – sofort.

1996

Am 1. Mai um 00.00 Uhr geht www.greenpeace.de an den Start.

Auftakt für die Gentechnik-Kampagne

4. September: Greenpeace lanciert eine Emnid-Umfrage, der zufolge fast drei Viertel der Befragten gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ablehnen. Daraufhin fordert Greenpeace die Lebensmittelkonzerne Unilever, Danone und Nestlé auf, keine genmanipulierte Soja zu verwenden. Einige Hersteller von Babykost erklären schon wenig später, auf die Verarbeitung von Gen-Soja verzichten zu wollen. Ab Oktober ist das Gen-Soja-Infomobil von Greenpeace auf Tour in verschiedenen Städten. Vor der Unilever-Zentrale in Hamburg protestieren am 10. Oktober 40 als Kaninchen verkleidete Aktivisten mit der Parole Wir sind keine Versuchskaninchen. Sechs Tage später hängt vom Unilever-Hochhaus ein Banner mit der Frage Wollen Sie Ihre Lebensmittel genmanipuliert? In der Nacht zum 5. November läuft der Frachter Ideal Progress mit einer Ladung Gen-Soja des US-Agrarriesen Monsanto im Hamburger Hafen ein. Er wird von Greenpeace-Schlauchbooten empfangen. Per Diaprojektor werfen die Aktivisten ihre Forderung an die Bordwand: Keine Gen-Soja in unsere Lebensmittel!

Sondermüll-Schwindel aufgespürt

Im Oktober ist Greenpeace einem illegalen Sondermüllexport auf der Spur. 36 Container mit deutschem Plastikmüll sind angeblich zum Recycling in den Libanon geliefert worden. Dort stellt sich jedoch heraus: Die Abfälle eignen sich nicht für das Recycling. Sie sind mit Pestizid- und Düngemittelrückständen und diversen anderen Chemikalien belastet, die Ladungspapiere sind gefälscht. Greenpeace fordert: Zurück an den Absender - die Bundesregierung muss den Plastikmüll umgehend zurückholen.

1997

Vorsicht Quietscheentchen

Babys und Kleinkinder lieben sie. Sie sind knallbunt und knautschig, und manchmal quietscht es, wenn man sie drückt: lustige Plastikfiguren aus Weich-PVC, denen man ihr giftiges Innenleben nicht ansieht. Die bei der PVC-Herstellung eingesetzten Weichmacher – so genannte Phthalate – sind Dauergifte. Sie können Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane schädigen und wirken möglicherweise krebserzeugend, wenn sie sich aus dem Kunststoff lösen. Und das passiert schnell, wenn Kinder das Spielzeug in den Mund stecken und darauf herumkauen oder lutschen. Greenpeace hat dazu ein toxikologisches Gutachten erstellen lassen und will nun mitspielen: In Deutschland und in vielen anderen Ländern werden die Regale von Kaufhäusern und Spielzeugherstellern wie Toys’R’Us leer geräumt, Konzernzentralen bekommen ungebetenen Besuch von Greenpeace. Die Forderung: kein PVC in Kinderspielzeug. Die Karstadt AG und die Metro-Gesellschaften nehmen Ende des Jahres die gefährlichen Produkte aus dem Handel.

Gen-Food – nein danke

Mit zahlreichen Aktivitäten setzt Greenpeace die Kampagne gegen Gentechnik in Lebensmitteln fort: Beim Raiffeisen-Futtermittelwerk in Münster protestieren Aktivisten im Mai gegen genmanipuliertes Tierfutter. Im August entdeckt Greenpeace, dass eine Schokocreme Gen-Soja enthält, und startet eine Rückgabeaktion an den Hersteller. Auf dem Rhein wird im November ein Binnenschiff mit genmanipulierter Soja gekennzeichnet. In Supermärkten versehen Gen-Detektive Produkte, die möglicherweise gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, mit Warnhinweisen.

1998

Erfolg: Im Juli beschließen die Vertragsstaaten des OSPAR-Meeresschutzabkommens: Offshore-Plattformen dürfen nicht mehr in der Nordsee oder im Nordostatlantik versenkt, radioaktive und chemische Einleitungen von Land aus müssen drastisch gesenkt werden.

Stromwechsel: Energie ohne Reue

17. August: Sauberer Strom, klimafreundlich und atomstromfrei erzeugt – theoretisch haben die Verbraucher seit Ende April die Wahl und können zu einem Ökostromversorger wechseln. Auf dem Strommarkt soll nämlich nach dem Willen der EU der Wettbewerb Einzug halten. Greenpeace startet die Aktion Stromwechsel: Per Telefon, Fax, Mail und an Infoständen werden bundesweit Absichtserklärungen von Stromkunden gesammelt, die erklären, sauberen Strom beziehen und zu einem Ökostromanbieter wechseln zu wollen. Außerdem will Greenpeace sich dafür einsetzen, dass tatsächlich ein fairer Wettbewerb stattfinden kann, denn die Durchleitung von Ökostrom trifft auf Hindernisse: Für die Nutzung ihrer Netze erheben die früheren Strommonopolisten überhöhte Gebühren, obwohl sie laut Gesetz für einen diskriminierungsfreien Zugang sorgen müssen. Mit einem Energie-Saurier geht Greenpeace auf Infotour, organisiert Veranstaltungen und nimmt an Hearings teil. Ende des Jahres haben schon 50.000 Haushalte und Gewerbebetriebe ihre Bereitschaft zum Stromwechsel erklärt.

Grüne Erntehelfer

11. September: 20 Greenpeace-Aktivisten mähen auf Feldern im Breisgau und bei Lyon (Frankreich) gentechnisch veränderte Maispflanzen der Firma Novartis ab, häckseln diese und füllen sie in Säcke mit der Aufschrift Achtung: genmanipuliert. Dem Mais wurden im Labor ein Gen für die Produktion eines Insektengifts sowie Resistenzen gegen ein Pflanzenschutzmittel und gegen Antibiotika übertragen – ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier. Den gehäckselten Mais bringt Greenpeace zum Hersteller Novartis nach Basel und lädt ihn dort vor dem Sondermüllofen ab.

1999

Am 28. Oktober wird die Genossenschaft Greenpeace energy eG gegründet, weil kein Anbieter die strengen Greenpeace-Qualitätskriterien für einen Ökostromversorger erfüllen kann.

Erfolg: Ende eines langjährigen Rechtsstreits: Das Bundesverfassungsgericht befindet, die Veröffentlichung von Name und Bild des Hoechst-Chefs Wolfgang Hilger auf Greenpeace-Plakaten (Alle reden vom Klima. Wir ruinieren es) verletze weder dessen Persönlichkeitsrechte noch seine Menschenwürde. Greenpeace darf also weiterhin die für Umweltschäden Verantwortlichen beim Namen nennen (siehe 1990).

Unfall in der Atomfabrik Tokai Mura

Am 30. September kommt es in der japanischen Atomfabrik Tokai Mura durch unsachgemäßes Hantieren mit einer Uranlösung zu einem schweren Unfall. Radioaktivität wird freigesetzt. Greenpeace veröffentlicht Messdaten über die massiv erhöhte radioaktive Belastung der Umgebung. Zwei Arbeiter sterben an den Folgen ihrer Verstrahlung.

Dauerkampf gegen Dauergifte

Die Fahndungstour der Beluga im August und September bringt es ans Licht: Der Schlamm in den Häfen der Nord- und Ostsee enthält alarmierende Konzentrationen des Dauergifts Tributylzinn (TBT), von dem schon kleinste Mengen schädlich sind für Meereslebewesen. TBT steckt in dem Anstrich, der Schiffsrümpfe vor dem Bewuchs mit Algen und Muscheln schützt. Daraufhin protestiert Greenpeace zwischen September und November bei mehreren norddeutschen Werften. So pumpen Aktivisten unter dem Motto Dreck zurück ins Dock am 8. November auf der Kieler Lindenau-Werft TBT-haltigen Hafenschlick in ein Dock und verschließen dessen Abläufe, damit der Schlamm nicht in die Bucht laufen kann. Wegen Umweltgefährdung erstattet Greenpeace Strafanzeige gegen die Werften Thyssen, Lloyd, Sietas, Lindenau und Neptun. Auch Reeder und Schiffseigner kommen nicht ungeschoren davon: Das Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth II wird am 13. November in der Wesermündung von sieben Schlauchbooten empfangen. Auf den Schiffsrumpf malen die Umweltschützer: God save the Queen from TBT.

Gentechnik – nein, nee, nö

Das genetiXproject bietet Jugendlichen seit Ende 1998 ein Protestforum gegen den genmanipulierten Neslé-Erdnussriegel Butterfinger: Auf Foto-Shootings, in Clubs und bei Festivals lassen sich Nachtschwärmer ablichten und ihr Konterfei mit einem Nein, No oder Njet im Internet veröffentlichen. Es gibt Internet-Diskussionen, Diashows, Videoprojektionen und viel Musik – auch Szene-Stars wie Smudo und Thomas D. von den Fantastischen Vier sprechen sich gegen Gen-Food aus. Am 14. Juli nimmt Nestlé den Butterfinger vom deutschen Markt.

2000

Ihren zehnten Geburtstag feiern in Hamburg die Greenteams, die Greenpeace-Gruppen für Kinder und Jugendliche.

Erfolge: Die 130 Teilnehmerstaaten der Biosafety-Konferenz im kanadischen Montreal einigen sich auf ein Abkommen über den Handel mit gentechnisch veränderten Organismen und erkennen diese als besondere Gefahr für Umwelt und Gesundheit an.

Am 15. November kündigt McDonald’s Deutschland an, ab April 2001 auf gentechnisch verändertes Hühnerfutter verzichten zu wollen.

Kein Patent auf Leben!

Am 22. Februar sind etwa 90 Greenpeace-Aktivisten als Maurer unterwegs. Sie mauern die Haupteingänge und den Zugang zur Tiefgarage des Europäischen Patentamts (EPA) in München zu. Kletterer entrollen ein Banner: Stoppt die Menschenzüchter! Keine Patente auf Lebewesen! Grund für die Aktion ist ein Patentantrag der Universität Edinburgh, den Greenpeace aufgedeckt hat. Das Patent würde dem Inhaber die Vermarktungsrechte für ein Verfahren zur genetischen Manipulation menschlicher Stammzellen und Embryonen sichern. Bereits Ende des Vorjahres hat Greenpeace das EPA aufgefordert, die Patentierung von Lebewesen einzustellen – vergebens. Ingo Kober, Präsident des Amtes, hat es vorgezogen, darauf nicht zu reagieren. Nachdem die ganze Sache an die Öffentlichkeit gelangt ist, versucht sich das EPA damit herauszureden, es habe sich um einen Irrtum gehandelt. Doch schon zwei Monate später erteilt es weitere Patente auf zahlreiche Nutzpflanzen.

Alles in Öl

Im Sommer kampieren 30 Greenpeace-Aktivisten aus mehreren europäischen Ländern vier Wochen lang im sibirischen Samotlor-Ölfeld, Hitze und Mückenschwärmen zum Trotz. Sie dokumentieren die Verseuchung in der Region, rücken mit Schaufeln und Eimern dem aus Pipelines auslaufenden Öl zu Leibe, diskutieren mit Verantwortlichen vor Ort, informieren die Presse und die Bevölkerung. Ihre Forderung: Die deutsche Mineralölindustrie, für die Russland wichtigster Lieferant ist, soll für die Einführung moderner Umweltstandards sorgen.

2001

Am 24. März stirbt David McTaggart im Alter von 63 Jahren in Italien bei einem Autounfall. Er war langjähriger Vorsitzender von Greenpeace International und Aktivist der ersten Stunde.

Erfolg: Im Oktober verbietet die Internationale Organisation für die Seeschiffahrt (IMO) in London die Verwendung TBT-haltiger Schiffsfarben ab 2003.

Terroranschlag

Am 11. September steuern arabische Terroristen zwei Passagierflugzeuge in die New Yorker Twin Towers, ein weiterer Jet trifft das Pentagon in Washington. Tausende Menschen sterben bei dem Anschlag, die Zwillingstürme stürzen ein. Die USA greifen daraufhin Afghanistan an, wo sich der Terroristenführer Osama Bin Laden verborgen hält. In der Folge gehen US-Behörden besonders hart auch gegen zwei deutsche Greenpeace-Aktivisten vor, die gegen das Star Wars-Waffenprogramm protestieren.

In den Seilen für den Urwald

17. September: Zwei Wochen lang hängen Greenpeace-Aktivisten an Seilen vom 16-stöckigen Gebäude der Westdeutschen Landesbank (WestLB) in Düsseldorf, Protest gegen die geplante Vergabe eines Zwei-Milliarden-Kredits für die Finanzierung einer Ölpipeline durch den Regenwald Ecuadors. Deren Bau würde einmalige Urwälder zerstören und die Lebensräume zahlreicher Tiere bedrohen. Doch die Landesregierung, größter Anteilseigner der WestLB, entscheidet: Das Projekt ist im Einklang mit den Umweltstandards der Weltbank – obwohl ein Gutachten das genaue Gegenteil besagt. Nach Beendigung der Aktion bei der WestLB hinterlässt Greenpeace vor dem Gebäude als Mahnmal ein vier Meter hohes ölverschmiertes Teilstück einer Pipeline. Am 29. November klettern Aktivisten auf ein Hochhaus gegenüber der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, dem Amtssitz von Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD). Sie entrollen ein Transparent mit der Aufschrift WestLB zerstört Urwälder! Rot-Grün macht mit. Geldhahn zu, Herr Clement! (siehe 1990).

Kurz vor dem Klima-Kollaps

Vier Wochen lang tourt Greenpeace durch acht Großstädte, um im Vorfeld der Bonner Klimakonferenz auf die Gefahren der Erderwärmung hinzuweisen. Während der Konferenz im Juli veranstalten Mitglieder der Greenpeace-Jugend-AGs zahlreiche Aktionen am Tagungsort. Live und per Video lässt Greenpeace Klima-Opfer aus mehreren Ländern zu Wort kommen. Ein vier Meter hoher George W. Bush auf Stelzen mit Logos von vier Ölkonzernen prangert vor US-Vertretungen in Berlin und Hamburg die unverantwortliche Klimapolitik des amerikanischen Präsidenten an.

Du darfst ....keine Puten quälen

Auftakt der Kampagne für naturnahe Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel: Am 3. August ersetzen Greenpeace-Aktivisten im niedersächsischen Garrel das Holztor der Putenmastfabrik der Firma Heidemark durch eine Plexiglasscheibe. Sie gibt den Blick frei auf die verheerenden Zustände in der Massentierhaltung. Am 30. August laden Greenpeacer vor der Zentrale des Lebensmittelkonzerns Unilever tote Puten ab. Sie stammen von Mästern der Firma Heidemark, Unilevers Fleischlieferant für Du darfst-Diätprodukte.

2002

Am 4. September geht im südafrikanischen Johannesburg der Weltgipfel der Vereinten Nationen zu Ende. Die dort verabschiedete Johannesburg-Erklärung und die Beschlüsse zur Umwelt- und Entwicklungspolitik bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Einsatz bei Elbe-Hochwasser

Im Sommer treten nach extremen Regenfällen die Elbe und ihre Nebenflüsse über die Ufer, ganze Ortschaften versinken in den Fluten. Im August sind Greenpeacer als Katastrophenhelfer vor Ort. Sie füllen Sandsäcke, sichern Deichanlagen, bringen Fässer mit Chemikalien in Sicherheit und untersuchen Elbwasser und Flutschlamm auf Schadstoffe. Die Elbeflut ist zum großen Teil hausgemacht. Der spärlich gewordene Wald im Erzgebirge lässt Hänge abrutschen, die begradigten Flüsse fließen zu schnell. Uferbereiche sind verbaut und versiegelt und können das Wasser nicht aufnehmen.

Dieselruß raus aus der Atemluft

6. November: Dieselruß macht Krebs – und außerdem Herzinfarkt, Asthma und Allergien. Um daran zu erinnern, stellen sich 35 Greenpeace-Aktivisten mit 26 Krankenbetten in die Zufahrten der DaimlerChrysler-Hauptverwaltung in Möhringen bei Stuttgart. Die Forderung: Der Autokonzern soll seine Fahrzeuge mit Rußfiltern ausstatten. Ende September hat Greenpeace an einem gebrauchten Mercedes-Diesel gezeigt: Ein nachträglich eingebauter Filter lässt nur noch ein Fünftausendstel der Partikel aus dem Auspuff.

Warnung: schwimmende Schrotthaufen

19. November: Der Öltanker Prestige sinkt vor der Nordwestküste Spaniens. Tausende Tonnen Öl laufen aus und verseuchen das Meer und die Küste. Die Ölpest trifft nicht nur Vögel, die mit schwarz verklebtem Gefieder elend zugrunde gehen, sondern auch Fische und andere Meereslebewesen – und gefährdet damit auch die Existenz der Menschen, die vom Fischfang leben. Die Ölexperten von Greenpeace wissen: Es kann auch jede andere Küste treffen, zum Beispiel die Ostseeküste nach einer Havarie in der Kadetrinne, der meistbefahrenen Wasserstraße Europas. Schon einmal hat Greenpeace dieses Nadelöhr überwacht. Ab Dezember liegen die Umweltschützer hier wieder mit dem ehemaligen Feuerschiff Sunthorice auf der Lauer und registrieren Regelverstöße. Nähert sich ein schrottreifer Öltanker, sausen Greenpeace-Aktivisten im Schlauchboot los, um den Namen des Schiffes festzustellen. Schon seit langem fordert Greenpeace eine Lotsenpflicht für die Kadetrinne.

2003

Erfolge: Am 16. Mai kündigt die WestLB an, bei Projekten in der Dritten Welt künftig die Umwelt- und Sozialstandards der Weltbank einzuhalten – Erfolg der 2001 gestarteten Greenpeace-Aktivitäten.

Am 19. Dezember kündigt Deutschlands größte Handelskette, die Metro Group, den Verzicht auf Gentechnik in ihren Eigenprodukten an. Das löst ein Umdenken in der Branche aus.

Umweltschutz in den Zeiten des Krieges

10. März: Old Europe says: No War! Das Greenpeace-Transparent am Brandenburger Tor erinnert Bundeskanzler Gerhard Schröder daran, bei seinem Nein zu bleiben. Eine Woche später ruft Greenpeace zur friedenssichernden Erdölsammlung auf und stellt sich mit Ölfässern vor die US-Botschaft in Berlin und vor die Konsulate in Hamburg und München. George W. Bush ignoriert sämtliche Proteste im alten Europa und führt Krieg gegen den Irak. Nach Kriegsende reist ein internationales Greenpeace-Team zum Atomkomplex Tuwaitha unweit von Bagdad. Hier herrscht das reine Chaos: Die Anlage wird nicht gesichert. Anwohner nehmen alles mit, was ihnen nützlich erscheint: Kabel, Rohre und verstrahlte Uranfässer, in denen sie dann Trinkwasser und Lebensmittel aufbewahren. Die Aktivisten, geschützt durch Gasmasken und mit Geigerzählern ausgerüstet, finden vor einer Schule und in einem Wohnhaus Metallteile, deren Strahlung um 3000 bis 10.000-mal höher liegt als normal. Auf Druck von Greenpeace lassen die USA schließlich die Atomfabrik von Soldaten bewachen.

Dieselschweine unterwegs

11. Juli: Drei kleine Schweinchen namens Mercedes, Smart und VW gehen auf Deutschlandtournee und präsentieren sich hauptsächlich Autohändlern. Die Fahrzeuge sind mit wunderhübschen großen Schweinerüsseln und –ohren ausgestattet worden, sichtbarer Protest gegen die Weigerung der deutschen Autoindustrie, ihre Fahrzeuge serienmäßig mit Dieselrußfiltern auszurüsten. Dabei zeigt ein von Greenpeace nachgerüsteter Mercedes: Der Einbau eines solchen Filters funktioniert problemlos.

Halloween mit Mais statt Kürbis

10. Oktober: Auf der Wiese zwischen Reichstag und Kanzleramt haben Greenpeace-Aktivisten 200 Maiskolben mit Halloween-Fratzen aufgepflanzt. Das überdimensionierte Gemüse soll weder Vögel verscheuchen noch Politiker und Passanten erschrecken, sondern als Warnung vor der unkontrollierten Ausbreitung genmanipulierter Pflanzen dienen: Nach dem Willen der EU-Kommission soll Saatgut bis zu 0,7 Prozent gentechnisch veränderte Organismen enthalten dürfen.

Plutoniumfabrik muss hierbleiben

5. Dezember: Mit einer Großbild-Projektion in Hanau – sie zeigt unter anderem die chinesischen Schriftzeichen für Gefahr – protestiert Greenpeace gegen einen möglichen Export der Hanauer Plutoniumfabrik nach China. Die Anlage, die nie in Betrieb gegangen ist, könnte große Mengen waffenfähiges Plutonium verarbeiten – ein Risiko für die internationale Sicherheit. Ein von Greenpeace in Auftrag gegebenes Gutachten belegt, dass die rot-grüne Regierung mit dem Export der Fabrik gegen das Außenwirtschafts- und das Kriegswaffenkontrollgesetz verstieße (siehe 2004).

2004

Erfolge: 14. Januar: Bei der Grünen Woche in Berlin stellt Greenpeace den bisher umfassendsten Einkaufsratgeber zu Essen ohne Gentechnik vor.

Ab 18.April 2004 müssen genmanipulierte Lebensmittel gekennzeichnet werden. Das gilt allerdings nicht für tierische Produkte, selbst wenn genmanipuliertes Futter verwendet wurde.

Am 27. April wird publik, dass die chinesische Regierung nicht mehr mit einem Export der Hanauer Plutoniumfabrik nach China rechnet (siehe 2003).

Falsches Spiel mit Soja-Schrot

9. Juli: Achtung Verbraucher-Täuschung!, warnt ein Transparent über der Ausfahrt der Ölmühle Mannheim. Hier sind 30 Gen-Detektive von Greenpeace im Einsatz: Sie kontrollieren Soja-Schrot der Ölmühle auf Gentechnik. Die Aktivisten fragen die LKW-Fahrer nach Lieferscheinen und Proben des Schrots, um ihn in Laboren untersuchen zu lassen. Der Verdacht bestätigt sich: Der Betreiber der Ölmühle, die Bunge Deutschland GmbH, spielt ein seltsames Spiel. Die Firma verarbeitet zwar ausschließlich nachweisbar gentechnikfreie Soja, kennzeichnet den größten Teil des daraus gewonnenen Schrots aber als genmanipuliert. So wird das Angebot für gentechnikfreie Ware künstlich verknappt und der Preis in die Höhe getrieben. Greenpeace fordert Bunge auf, weiterhin gentechnikfreie Ware zu verarbeiten, aber die systematische Falschkennzeichnung zu beenden.

Leben ist kein Abfall

17. August: Es ist ein sehr langer Tisch, den Greenpeacer vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufgestellt haben. Rund 11.000 tote Meerestiere werden darauf präsentiert. Es ist der Beifang eines einzigen Fischkutters nach zwei Stunden Fangzeit, von den Fischern als Abfall aussortiert. Aktivisten an Bord des Greenpeace-Schiffes Esperanza haben den Beifang in der Nordsee eingesammelt und dokumentiert, um der Forderung nach der Einrichtung von Schutzgebieten in der Nord- und Ostsee Nachdruck zu verleihen.

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